Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1884)
- Date
- 1884-06-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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•~»i rtMli-»aYr -inin r'm i it.i- .iä-ilrrt ~ ■'i - . XXV. Jahrgang. Äeilagc ju Nr. 52 bcs Israelit Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Maiu^, 27 Juni. Der in Nr. ul ücröffcutlichten „Erklärung" schließen sich an:Dr. Earlcbäch, Rabbiner in Lübeck; M. L. Faust, Rabbiner in Gollaucz. Wreschen, 8. Juni. Die hiesige jüdische Gemeinde hat einen herben Verlust erlitten, indem Herr Rabbinatsverweser Israel Wittkowski in der Nacht zum 5. d. M. im Alter von 82 Jahren in ein besseres Jenseits abberufen wurde. Der Verstorbene war eine hervorragende Autorität auf dem Gebiete jüdischer Gelehrsamkeit im weitesten Sinne des Wortes, und von der groben Beliebtheit, deren sich derselbe erfreute, legte das vorgestrige Leichenbegängnis; ein beredtes Z ugniß ab, zu welchem von Nah und Fern zahlreiche Verwandte und Freunde herbcigeeilt waren, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Im Tempel feierte zunächst Herr Oberrabbincr Dr. Feilchenfeld an der Bahre des Verblichenen in tiefergreifender Rede die hohen Verdienste desselben, nächstdem sprach das Nepräscntantenmitglied, Herr M. Kuttner, im Namen der Gemeinde noch einige aus dem Herzen kommende Worte, worauf sich der imposante Lcichencondnkt nach dem Kirchhof in Bewegung setzte. Auf dem Friedhofe entwarf zunächst Herr Gemeinde-Rabbiner Dr. Lohn in meisterhafter Rede ein Bild des uneigennützigen Wirkens und Schaffens des Verstorbenen und wie Hervorragendes er als Mensch und Lehrer der Gemeinde geleistet, worauf noch ein Enkelsohn des Verblichenen, Herr Kand. Phil. Goldschmidt seinem Großvater und Lehrer einige warm empfundene Worte nachrief. Das Andenken des Dahingeschiedenen wird allen, die ihn kannten, unvergeßlich bleiben. * H. W o l f. Rußland. Petersburg, 24. Juni. Nach Berichten ans Nishny^Nowgorod haben daselbst am 18. Juni Ausschreitungen des Pöbcls gegen die Juden stattgefunden. Gegen 8y2 Uhr Abends verbreitete sich in der Vorstadt Kunawino das Gerücht, die Juden hätten ein Ehristcnkind entwendet und in die Synagoge gebracht. In Folge dessen fanden Zusammenrottungen des Pöbcls vor der Synagoge statt. Die Polizei vermochte anfänglich nicht die Tumultuanten auseinanderzntreiben und erbat sich Verstärkung vom Gouverneur, der erschien und befahl, daß das Militär, welches sich im Lager außerhalb der Stadt befand, Hilfe leiste. Inzwischen halte der Pöbelhausen vorübergehende Inden überfallen und mißhandelt, war in die Synagoge eingedrimgen und Hatte die dort Anwesenden mißhandelt. - Die Volksmasse war mittlerweile auf 2000 Personen angcwachscn und ein Theil davon demolirte ein Haus, worin eine Inden-.. familie wohnte, sowie andere Wohnungen der Inden,. deren Insassen, sich flüchteten. Den vereinten An-, strengungen der Polizei, zweier Compagnien Infan-. terie und einer.Sotnie Kosaken gelang es endlich gegen 10 Uhr Abends, die Ordnung wiederherzustellcn. Einige Juden sollen getödtet und mehrere Verwundet . sein. Sechs Häuser sollen beschädigt und viel jüdisches Eigenthnm zertrümmert und auf die Straße geworfen sein. Am folgenden Morgen trat ein ganzes Bataillon zur Verhütung einer Wiederholung; der Unruhen ein. Den Mißhandelten wurde seitensder Behörden Hilfe geleistet. Es sind. 150 Verhaftungen vorgenommen worden. In.Kunawino wohnten 10 bis 15 jüdische Familien. Ueber die in Nifhny-Nowgorod am 19. d. M. verübten Gewaltlhütigkcitcn gegen die Juden wird den „Nuss. Wedom." geschrieben: Auf dem jenseitigen Ufer der Oka liegt der Vorort Kunawino oder der Makarjewsche Stadttheil. Dort befindet sich auch die Eisenbahnstatiou und näher zur Wolga liegen die Jahrmarktsgcbände. Im Frühjahr bei Hochwasser ist diese Gegend fast ganz, lich von der Stadt isolirt, so daß kein ununterbrochener Verkehr möglich ist; die Verbindung unterhalten aldann Dampfer und Rndcrjollen. Die Schiffsbrücke wird erst eingcfahren, wenn sich die Frühjaheshochfluthen verlaufen haben. Dieser ganze Stadttheil ist dicht bevölkert und zwar vorzugsweise von Arbeitern, kleinen Handelstreibenden, Dienenden und Juden und ist der Lieblingswohnort der letzteren, weil alle Com- ~ municationsmittel für Personen und Waarcn (Eisenbahn und Dampfschiffe) so nahe sind. De» Anlai; zu dem Angriff auf die Inden hat das von Jemand ausgespreugtc Gerücht gegeben, die Inden hätten ein Ehristcnktnd gestohlen. Dies Gerücht verbreitete sich blitzartig schnell über Kunawino und im Moment