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Der Israelit · 1884-06-30 · Heft 52 (30.6.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 52 (30.6.1884)
Date
1884-06-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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T ^— -r*- 8(55 Moldau werden gegenwärtig selbst solche Israeliten aus den Landgemeinden vertrieben, welche nach Erfüllung der Lvaffenpflicht im rumänischen Heere ihren Lebensunterhalt als landwirthschastliche Hilfs-i arbeiter suchten. Der Jude darf und sott nun einmal mit der bekanntlich zu keinem besonderen Fleiste inklinirenden rumänischen Bevölkerung auf gar keinem Gebiete concurriren — will er aber das Land verlassen, das von ihm zwar die Erfüllung aller bürgerlichen Pflichten einschließlich der Blutfteucr fordert, dagegen seine Hand jedesmal zurückzieht, wenn von der Anerkennung staatlicher Pflichten der Israeliten die Rede ist, so zuckt man die Achseln und verweigert die zur Auswanderung erforderlichen Pässe! Heloten des rumänischen Staates, haben die rumänischen Israeliten nicht einmal auf jenen Rechtsschutz zu rechnen, welchen Staatssclaven sonst zu geniesten pflegen. Freilich machten sich neben dem Haffe gegen das Judcnthmn in neuester Zeit auch zahlreiche Symptome eines krankhaft gesteigerten Fremdenhaffes namentlich gegen Ungarn und Deutsche geltend. Die Ursache hievon mag zwar theilweise in den Versuchen der Opposition zu suchen sein, den Brodneid der rumänischen Arbeiter gegen ihre ausländischen Konkurrenten als Agitationsmittel gegen die Negierung zu benützen. Doch liegt der eigentliche Grund hievon viel tiefer. Er wurzelt in der geringen Arbeitstüchtigkeit der niederen rumänischen Bevölkerungsklaffen und in den Folgen der verschwenderischen Wirthschaft, welche die meisten der alten Großgrundbesitzerfamilien einem financiellen Ruin entgegenführte. Doch ist es eine gefährliche Verirrung, wenn man der öffentlichen Meinung Rumäniens den Glauben beizubringen sucht, daß die Juden und Fremden die Verantwortung für den unleugbaren Niedergang des nationalen Wohlstandes zu tragen haben. Die Erklärung für diese betrübende wirthschaftliche Erscheinung liegt vielmehr in der socialen Eigenart der derzeitigen rumänischen Generation, welche, statt Juden und Fremde zu verdächtigen, weit besser ihn», würde, wenn sie das von denselben gegebene Beispiel einer rastlosen Arbeit und eines sparsamen Haushaltes auch der eigenen Nation einimpfen wollte. (P. L.) Palästina. Jerusalem. Der Großrabbincr von Konstautinopel hat sich an die Regierung gewandt, um ihre Absichten in Bezug auf die Eolönisatiou Palästinas durch einzelne jüdische Gesellschaften zu erfahren. Der Minister der Innern erliest bald darauf ein diesbezügliches Eircnlar an die Generalgouverueure, in welchem gesagt wird, daß den jüdischen Unter 1 Hanen der Türkei zur Ansiedlung, wo immer, kein Hinderniß in den Weg gelegt wird, und das Verbot der Eolonisation in Palästina sich nur auf russische und rnmänische Juden beziehe. M a r o c c o. Marocco. Der berühmte Afrikareisende Rabbi Mordochai, welcher im Aufträge der französischen Regierung Marocco bereiste, ist nach 12monatlicher Abwesenheit in Algier angelangt. Derselbe hat während dieser Zeit einen der wenigst bekannten Theile dieses Landes durchforscht. Fenillet o n. Ilus dem Leben eines orlljobo.«n Aabbiners. . Skizze von Dr. Sta . . . (Fortsetzung.) 6. Capitel. Traum und Erwachen, Die Regungen des menschlichen Herzens ,, die freudigen und kummervollen Gefühle seiner Brust sind so geheimnißvott, so wunderbar, daß Niemand die richtige Dentnng von dem Entstehen derselben zu geben vermag. Das Menschcnherz gleicht zwar im Allgemeinen einer Aeolsharfe, das je nach der Berührung seiner Saiten lieblich klingt oder wie eine Wetterfahne vom Sturm getrieben, knarrt und ächzt. Der Zusammenhang dieser äußern Berührung jedoch mit unseren Gefühlen und Empfindungen ist schwer zn errathen; denn gar oft erzielt die Absicht ein ganz entgegengesetztes Resultat. Die Vorgänge unseres Innern scheinen sich in gewisser Beziehung weder beeinflussen noch lenken lassen zu wollen. Ganz dieselben Momente des berauschenden Liebesglückcs, des harmonischen Seelenfriedens, wie des grauenvollen Scelenjammers, des größten Elends des Innern treten mit ganz derselben Urplötzlichkcit bei dem Berechnenden und Weisen ans, wie bei dem Leichtfertigen und Gedankenlosen; aber keiner von ihnen vermag sich Rechenschaft zu geben. Das Herz scheint eben ein Ding für sich im menschlichen Organismus zu sein, es scheint nur zu fühlen, sich von Gefühlen und Empfindungen leiten zn lassen, nicht aber auf die Einflüsterung unseres Verstandes, auf, die Begründung unserer Vernunft hören zu wollen! — — Mit freudig bewegtem Herzen und mit der ganzen Elasiicität der Jugend schwang sich der Amtsrichter Stein ans dem Wagen, welche ihn vom Friedhof nach dem Hotel, in welchem abgestiegen war, brachte.- Und welche Umwandlung ist mit ihm während der wenigen Stunden vorgcgangcn? —

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