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Der Israelit · 1884-06-30 · Heft 52 (30.6.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 52 (30.6.1884)
Date
1884-06-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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864 des Inpenthnms selbst thun, wenn sie bewirken, daß ihre Glaubensgenossen jene Gebräuche aufgeben, welche sic bau der christl. Gesellschaft fernhaltrn, wenn sie dieselben zu Landbancrn und Gcwcrbe- Ircibendcn erziehen, damit c§ nicht scheine, als wenn sic die Mittelklasse aus deren natürlichen Stellungen verdrängen wollten. Daneben werden die gemeinsamen Schulen und die Armee das beste Palliativmittel gegen den Antisemitismus sein. Wenn der Satz: „(iiiictii 11011 inovei'6w ans irgend einem Gebiete anwendbar ist, so betreffs vor Allem der Religion und der Kirche. Aber nicht die reine Vernunft be-' stimmt das Schicksal der Menschheit. Ich bekenne darum, das; ich in dieser Rede Alles vermieden hätte, was sich ans die Religion, Kirche und Confession bezieht. Nachdemjedoch die Angelegenheiten in die Wahlbcwcgnngcn mit hineingezogen wurden, kann ich sie unmöglich mit Schweigen übergehen, besonders ich, der ich nicht nur Unterrichtssondern auch Cnltusminister bin. . Die Negierung hat die Rechte und die Freiheiten aller recipiirten Confessioncn geachtet und. ansrechtcrhalten, indem sie die Rechte und Freiheiten des Staates vor Augen hielt. R u m ä n i e «. " Bukarest, 18. Juni. Als sich vor einigen Tagen eine Deputation der hiesigen Jndcnschast zum König begab, um dessen Intervention zur Erleichterung des Looses ihrer Glaubensgenossen zu erbitten, wurde diese aus den Herren Dr.Bock und Dr. Stern bestehende Deputation zwar in huldvollster Weise empfange», derselben aber auch gleichzeitig bedeutet, das; sie ihre Beschwerden und Wunsche bei der Regierung anbringcu möge. Als sie dann dem eben ins Palais kommenden Minister des Aeußern gegenüber die Bitte aussprach, derselbe möge für die Beteiligung der den answandcrungslustigen Israeliten bereiteten Paßschwierigkciten iutcrveniren, bemerkte der Minister, daß sich die Inden Rumäniens im Besitze j.ucr Rechte befinden, die sie verlangt hätten. Wenn mit diesen Worten den Israeliten Rumäniens der Vorwurf gemacht werden soll, daß sie sich ihrerzcit an die Unterstützung des Auslandes um Verbesserung ihrer socialen Stellung gewendet hätten, und daß sie sich daher nicht beklagen dürsten, wenn nun Rumänien aus. seinem mit der internationalen Genehmigung des Berliner Kongresses versehenen Standpunkt verharre, so ist diese Auffassung und der ihr resnltirende Vorwurf vollständig unbegründet. Schon zwei Jahre vor dem Berliner Kongresse, als eben die traurige Lage der rumänischen Judenschaft die Aufmerksamkeit der Auslandsregierungen in höherem Grade zu beschäftigen begann, hatten die Wortführer der hiesigen Inden sich sowohl bei der Opposition, wie auch bei d:r Regierungspartei um eine Verbefferung der Rechtsverhältnisse ihrer Glaubensgenossen beworben. Man hatte ihnen aber damals erklärt, daß keine politische Partei die Frage der Judcnemancipation zur öffentlichen Debatte bringen könne, ohne sich im Lande unmöglich zu machen. Und dabei blieb es, bis man zwei Jahre spater die Formel gefunden hatte, welche bei principieller Anerkennung des Grundsatzes der bürgerlichen Gleichberechtigung aller Konfessionen doch Ansfluchtspförtchen genug darbot, um selbst der schon seit Genera-. tionen im Lande ansässigen jüdischen Bevölkerung das erbetene rumänische Bürgerrecht verweigern zu können. Auf diese Art wurde für jene Israeliten Rumäniens, welche kein anderes Vaterland kennen und besitzen, ein moralisches Ghetto geschaffen, dessen Druck schwerer und schmerzlicher empfunden wird, als die beengenden lokalen und socialen Schranken, in welche der fanatische Glaubenshaß des finstern Mittelalters die israelitischen Mitbürger einzuschkießen für gut fand. Uebrigens kann die von den antisemitischen Hetzaposteln anderer in der Kultur weiter fortgeschrittener Länder mit besonderer Vorliebe gebrauchte Phrase, daß die Juden jede productive Arbeit scheuen und nur vom Schacher leben wollen, auf Rumänien absolut keine Anwendung finden. Die in einem Bulletin der „Alliance israelite“ vom Jahre 1806 auf über 300,000 Seelen geschätzte, seitdem aber in Folge systematischer Bedrückung bis tief unter die Hälfte obiger Ziffer herabgesunkene israelitische Bevölkerung Rumäniens war vielmehr schon durch ihre Kopfzahl auf die Benützung aller ihr zugänglich gemachten Erwerbsquellen angewiesen. Nicht nur allein in der Moldau, wo das israelitische Bevölkerungselement vcrhältnißmäßig am dichtesten ist, auch in der Walachei haben die Juden cm großes, ja in vielen Fällen ein weit größeres Kontingent zum Handwerkerstand gestellt, als die eigentlichen Rumänen. Und zwar finden wir sie nicht allein als Schneider, Glaser, Klempner, sondern auch als Maurer, Ziegel- und Schieferdecker thätig, sowie denn überhaupt Juden und später eingewanderte Fremde als die eigentlichen Stützen des rumänischen Gewerbestandes zu bezeichnen sind. Freilich ist ihnen ebenso wie allen nicht im Besitze des rumänischen Bürgerrechtes befindlichen Fremden die Erwerbung von Grundbesitz versagt. Doch haben sie sich in vielen Distrikten als Pächter kleiner Landgüter wesentliche Verdienste um die Hebung der landwirthschastlichen Productionskrast erworben, ohne daß jedoch ihre wiederholten Bitten, ihnen die Anlage von Ackerbaukolonien zu gestatten, beziehungsweise ihnen bisher nnenltivirte Flächen zur Besiedlung anzuweisen, Berücksichtigung gefunden hätten. Die Ziegeuner hat man emancipirt und mit Grundbesitz bedacht — der Jude darf nicht aus gleiche Rechte Anspruch machen! Ja noch mehr: In der

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