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Der Israelit · 1884-06-30 · Heft 52 (30.6.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 52 (30.6.1884)
Date
1884-06-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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✓ 862 und kehrte nur aus Sabbat zu den Scinigen nach Hanau zurück. Dabei hielt der Knabe, den Eindrücken der Erziehung und deu elterlichen Geboten. treu, auf's allcrstrcngste au den Speisegcietzeu fest, und die durch Herzensgute wie durch hohe Geistesbildung gleich ausgezeichnete Gräfin mußte ihn in der Woche über mit Milchspeisen ernähren. Von Mitleid über die schmale Fasten-Diät erfüllt, brachte sie ihm einmal bei Tisch einen besonderen Teller mit Fleisch, wobei sie und der Graf auf Ehre versicherten, sie hätten es von einem Juden ans einem Dorfe in der Nähe expreß für ihn zuberekten lassen. Der Knabe war nichtwenig gerührt und verlegen, ob dieser großen Güte; aber die Strenge des Grundsatzes überwog dennoch und er lehnte ab. Als er bei der Heimkehr am Sabbat den Seinigen die Geschichte seiner Versuchung und Enthaltsamkeit im gräflichen Schlosse mittheilte, fand dieselbe bei seinen beiden älteren Brüdern nach der Verschiedenheit ihrer religiösen Richtung eine ganz entgegengesetzte Äufnahme, indem der eine sie als Muster religiöser Entsagung pries, während der andere sie als einen übertriebenen, unhöflichen Rigorismus schalt. (Der erstere der beiden Brüder, Rabbi Jtzig Oppenheim wurde später ein pn^D von Rabbi Herz Scheuer in Mainz, und lebte dann als Kaufmann in seiner Vaterstadt. Der andere lebte hier und gab 'ein schöngeistig sein sollendes Schriftchen D'jp^wn aviv heraus, welches in der That einen sehr freien, wenig rigorosen Sinn bckundet.) Jm 18. Lebensjahre kam Oppenheim aus die Kunstschule nach München, wo er drei Jahre laug verweilte. Unter den Porträts, die er während dieser Zeit malte, war eines des regierenden Fürsten von Wallerstein, und auch der erste Versuch eines größeren historischen Bildes von biblischem Stoff — Moses mit den Gesetzestafeln — das später nach England gekommen ist, fällt in diese frühe Zeit. Von München ging er nach Paris, wo er drei viertel Jahre lang in dem Atelier Regnaults, eines Zeitgenossen Davids, arbeitete. Dann reiste er nach R o m, wo sich der junge bis dahin unbekannte Mann bald durch seine Arbeiten bemerkbar machte, und der besten Männer Freundschaft gewann. In München und Paris hatte er sich fast ausschließlich in jüdischen Kreisen bewegt und die Anhänglichkeit an die Lebens-Sphäre seiner Jugend war noch so überwiegend, daß er bei seiner Ankunft in Rom, wie er selber erzählte, eher das entferntere Ghetto als den Vatican mit seinen Kunstschätzen aussnchte. — Nach vierjährigem Aufenthalt kehrte Oppenheim von Nom nach Deutschland zurück und ließ sich in Frankfurt nieder. Zu den von Ihnen aufgesührten Werken des Malers füge ich noch folgende, biblischen Stoffen entnommene bei. 1) Die Vertreibung der Hagar, wozu er von der Knrsürstin von Hessen, Schwester Friedrich Wilhelms IH., durch den Grasen Jugenheim beauftragt war. 2) Die Arche Noah's, die auf der Nürnberger Kunstausstellung zuerst von dem dortigen Knnstverein erworben, dann von demselben dem die Ausstellung besuchenden russischen Thronfolger überlassen wurde. Der Albrecht-Dürer-Berem ließ von dem Gemälde einen schönen Kupferstich verfertigen. 3) D ie Einsetzung Josua's durch M o s e s, dasselbe wurde bei Gelegenheit eines Amtsjubilüums Dr. Kley in Hamburg von seinen Schülern verehrt. Zum Schluffe mögen hier. noch zwei Briefe Börnes folgen, welche sich auf sein von Oppenheim gemaltes Porträt beziehen: v.'- „Unsere Freunde finden das Bild ähnlich und doch schön; ein Geheimniß Ihrer Kunst, das mir unerforschlich bleibt. Wenn die Stellung, die Sie dem Bilde gegeben, Ihre Wünsche sür mich ansdrücken, dann habe ich Ihnen viel zu danken: umringt von gefälligen und geduldigen Büchern, die ich wie gelaunt öffnen und schließen, stellen, legen und ordnen, ja deuten kann wie ich will, und die ich, wenn sie unartig sind, mir widersprechen, einsperren kann, und im warmen'Schlafrocke der Stürme dieser Zeit spottend und ihre Tücke 'verlachend, das ist ein schönes, ein königliches Leben! — Aber warum haben Sie mir den „Staatsmann" (von Pfeilschifter in Offenbach) in die Hände gegeben? Warum diesen steinernen Gast nur kalt und unbeweglich vor die Augen gestellt? Vielleicht sollte ich Ihnen nicht diesen Vorwurf machen, vielleicht ist es undankbar, zu zeigen, daß ich Ihnen etwas zu vergeben habe, aber ich theile nur meine Trauer mit Ihnen, nur auch meinen Trost mit Ihnen zu theilen. Don Offenbach kommt der „Staatsmann", von Offenbach kommen auch die köstlichen Pfeffernüsse, ich schicke Ihnen eine Düte von jenem angcsüllt mit diesen. Das ist ein Bild des menschlichen Lebens, wie man es ohne Ihre Farben malen kann. Jetzt beten Sie aber auch sür mich und für sich, daß ich am Ziele meiner Tage durch keinen andern Richterspruch sterbe, als durch den der Natur-—damit es Ihnen nicht rote dem armen Maler Spinarosa in Houwalds Bild ergehe. — Entwischt' ich anch. wie er, der Gerechtigkeit, würde mich, wie ihn, das Bild anslicfern, und meine Freunde, die, wie ich mir schmeichle, der Schmerz närrisch machen würde, könnten sagen: -solch' ein Bild Mit diesem Fleiß und dieser Schönheit Zu malen-sei nur das Werk Der schändlichsten Berrätherei.

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