Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1884)
- Date
- 1884-06-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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w 1 fr,'-*” i;)i! Hi! i;jä 1! || i ü iü i 861 tw), durch welche die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß die beiden Weisen als Juden geboren wurden, wenn sie auch von heidnischen Vorfahren abstannnen. Es steht nämlich der Annahme, daß die beiden Weisen Proselytcn waren, eine Gesetzesbestimmung entgegen. Schemaja war Nas;i und Ablation war Präsident des Synhcdrions. Diese hohen Aemtcr durften nur von solchen Männern bekleidet werden, die von jüdischen Eltern stammten. Daher sind viele Forscher der Ansicht, daß die Väter der beiden großen Männer Proselytcn waren, die sich mit Jüdinnen verheirathctcn, und so erklärt Rabbi Löwe bcn Bczalcl aus Prag (der hohe Rabbi Löb) Jeden für in einem großen Irrlhum befangen, welcher meint, daß Schemaja und Ablation als Heiden geboren seien. Dagegen wird andererseits berichtet, daß Abtalion in seiner Jugend in Rom ein bedeutender Rechtslchrcr gewesen und erst nachher zum Zudcnthum übcrgclrcten sei. Auch Rabbi L-chimeon bar Zcmach Dnran ist der Ansicht, das; 1 die beiden Weisen von Geburt Nichtjndcn gewesen seien. Er folgert dies aus Sabbat 15 a., woraus hervorzugehcn scheint, daß sic als Ausländer den Buchstaben „H" nicht hätten anssprcchen können. (Die Giicchen haben bekanntlich den Buchstaben „H" nicht und ersetzen ihn durch ein bloßes Hanchzcichcn, spiritus asper und lcnis.) Doch läßt jene Stelle auch eine andere Deutung zu. — Rabbi Schimcon ben Zcmach Dnran will die Schwierigkeit dadurch lösen, daß er anniinmt, daß auch Proselytcn zu den höchsten Aemtcrn zugclassen werden können, wenn cs in Israel Keinen gibt, der ihnen an Würdigkeit und Gelehrsamkeit gleichläme. Und das tvar in der Thal der Fall. Der Talmnd nennt sie ->nn 'tma, „die größten Männer ihrer Zeit." Sie waren cs, welche in einer traurigen, stnrmbewegten Periode das Studium der Gottcslchrc erhielten und dadurch den Lebcnsqncll unserer Ration vor Versiegung schützten. Za, es war eine traurige Zeit, eine Zeit des Bruderzwistes und des Bürgerkrieges. Rach dem Tode, der Königen Salome kämpften die beiden Brüder Hyrkan und Aristobul um Krone und Hohepriestcrwürdc. Der Bruderkrieg brachte die Nation an den Abgrund des Verderbens; ein ehemaliger idumäischcr Sklave, der ränkevolle Antipatcr und sein Sohn Herodcs erlangten Macht und Herrschaft, zogen die Einmischung der Römer herbei, so daß diese Kämpfe mit dem Untergänge des hasmonäischen Königshauses und mit dem Verluste der politischen Selbstständigkeit des jüdischen Reiches endeten und später zur Zerstörung des Heiligthums in Jerusalem und zur Verbannung unseres Volkes ans dem Lande der Väter führte. — Schemaja und Abtalion hielten sich von den politischen Streitigkeiten fern und lebten ausschließlich dem erhabenen Berufe zu lernen und l'f- Sil*; zu lehren. Und so wurden sie die Erhalter der Gotteslchrc, durch die es unserem Volke möglich wurde, Staat und Hciligihnm zn überdauern. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Cvrrefpondenze». Deutsch! an d. Berlin, 20. Juni. Der Verleger eines hiesigen, antisemitischen Blattes Albert de Grousiilliers ist in Folge eines für dieses Blatt verfaßten Artikels gestern von der Strafkammer hiesigen Landgerichts I. wegen Aufreizung verschiedener Klassen .der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander zu einer Geldstrafe von 200 Mark event. zwanzig Tagen Gefängnis; vernrthcilt worden. Der Staatsanwalt hatte eine Strafe von 500 Mark beantragt. Frankfnrt a. M., 23. Juni. Das treffliche Bild des genialen Meisters, des Professors Moritz Op v e nhcim, in Rr. 50 des „Israelit", ruft mir einige biographische Notizen ins Gedächtniß zurück, die ich einem nahen Verwandten des Verstorbenen verdanke und die für die Leser des „Israelit" gewiß von Interesse sein dürften. Dieselben können als Ergänzung und zum Thcil auch als Berichtigung einer im Jahre 1854 von Gabriel Ricsscr erschienenen biographischen Skizze Oppenheims gelten. Moritz Oppenheim ist in der Jndengasse zu Hanau am Abende nach djui mvy des Jahres 1799 geboren. Seine Mutter hatte ihn, nachdem sie den Tag fastend verbracht hatte, am Abend nach dem Fasttage geboren. Der Knabe genoß den Unterricht der Hanauer Zeichen-Akademie, weil er schon früh durch einige scherzhafte Zeichnungen und die phantastische Ausschmückung eines Puppentheaters sein Talent bekundete und im Kreise der Freunde Beifall fand. In dem Gemälde „Das Verhören" soll das Bild des verhörenden Rabbi die Gesichtszüge des berühmten Hanauer Rabbiners 9t. Moscheh Tobiah Sontheim treu wicdcrgcbcn. — In der Akademie wurde er bald von den Lehrern bevorzugt, die seine Begabung erkannten und die Liebe zur Knust früh weckten. Aus dem Verkehr des jungen Oppenheim im Hause des auch von Ihnen erwähnten edlen Grafen Ben zel- Sternau verdient folgender charakteristischer Zug mitgetheilt zu werden. Die gräfliche Familie lebte damals auf ihren; wenige Stunden von Hanau entfernten Gute und lud den Knaben auf Längere Zeit zu sich ein, damit er in ihrer Gemäldesammlung nach Herzenslust copire. Er brachte dort die Woche zu