Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1884)
- Date
- 1884-06-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Leitender Artikel. Die Sprüche der Mter. XVITI. Mainz, 22. Juni, Ehe wir von Schimeon den Schatach scheiden, wollen wir noch seiner Thekanoth (Einrichtungen) erwähnen, die nach drei verschiedenen Seiten hin von der größten Bedeutung waren. Die erste Einrichtung betraf die Förderung der Innigkeit des ehelichen Lebens, indem Schimeon den Schatach die Ehescheidungen erschwerte. In alten Zeiten verblieb das im Ehecontracte der Gattin Bestimmte den Eltern derselben, so daß der Ehescheidung pecnniäre Hindernisse nicht entgegenstandeu. Später traf man die Einrichtung, daß der Gatte den Betrag der Kethubah derart anlegen durfte, daß derselbe leicht greitbar war. Schimeon ben Schatach aber gab dem Manne das volle Dispositionsrecht, wogegen er mit seinem ganzen Vermögen sich für den Betrag verbürgen mußte, wie auch heute noch der betreffende Passus in unserer Kethubah lautet. Dadurch, daß der Gatte den Betrag der Kcthnbah in seinen Geschäften verwenden darf, wird dieser nicht so leicht disponibel, was natürlich die Ehescheidung erschwert. — Von noch größerer Bedeutung für das ganze jüdische Volksleben,- ja für die ganze Zukunft Israels war die Einrichtung der Schulen, der gemeinsamen Unterrichtsanstalten für Kinder. Die Thora hat geboten: „Und Du sollst sie (die Goiteslchre) einschärfen Deinen Kindern," ein Gebot, das wir täglich zweimal im Keriath Schema erwähnen. Der Vater hat die heilige Pflicht, sein Kind in der Gotteslehre zu unterrichten. Im Lause der Zeiten wurde diese Pflicht vielfach vernachlässigt. Da traf Schimeon den Schatach die Einrichtung, daß Schulhäuser errichtet und Lehrer augestcllt wurden, bei denen die Kinder sich versammelten, um gemeinsam den Unterricht zn genießen. Wohl gab es in Israel von uralten Zeiten her Lehrhäuscr und Schulen für Erwachsene; gelehrte Männer sammelten einen Kreis von Schülern um sich, denen sie den Unterricht unentgeltlich ertheilten. Daß die Kinder aber gemeinsam von besoldeten Lehrern unterrichtet wurden, diese große und wichtige Einrichtung hat unser Volk Schimeon den Schatach zu verdanken. — Die dritte Thekanah des großen Weisen war ganz anderer Art. Die Thora bestimmt, daß Geräthe von Metall, Holz, daß irdene Gesäße, daß Kleider aus Leinwand, Wolle oder Haaren gefertigt, in verschiedener Art empfänglich für die Unreinheit (nsmo Vape) sein sollen, lieber Gefäße aus Glas hat die Thora 860 * : keine derartige Bestimmung getroffen, weil das Glas! erst in einer spätem Zeit ist erfunden worden, j noo: nkv'v j'pnn (not? p pyoar) som j Getreu dem Grundsätze der Männer der großen j Synode mirV? wjn „macht eine Mauer um die 1 Thora," das heißt, trefft Einrichtungen, damit das Gottesgesetz nicht verletzt wird, hatten schon Jose ben Joeser und Jose ben Jochanan, als der Gebrauch von Gefäßen aus Glas allgemein wurde, dieselben den Vorschriften über die Unreinheit (nrrv-v) unterworfen; allein das Volk hatte nicht gleich Folge geleistet, bis es Schimeon ben Schatach gelang, dieser Tekanah allgemeine Ankennung zu verschaffen, und deßhalb wird sie nach seinem Namen genannt. Wir lernen daraus, daß den großen Männern Israels diejenigen Satzungen, welche man heutzutage, mit einem Beigeschmäcke von Geringschätzung, so gern als „Ccremonialgesetze" bezeichnet, mit derselben Hingebung pflegten wie die großen Grundsätze der Sittlichkeit mtd'der Jugendbildung nvm orr proi „sie setzten ihr Leben daran" (Icruschalmi, Kethnboth C. 8, § 11*). . Die Schüler und Nachfolger von Jehuda ben Tabbai und Schimeon ben Schatach waren Schemaja und Abtalion. lieber die Abstammung dieser beiden Männer herrscht unter den Gelehrten Meinungsverschiedenheit. Aus mehreren Stellen des Talmuds scheint hervorzugehen, daß sie als Heiden geboren und später zum Jndenthume übergegangen feie». Im Talmud, Traktat Gittin 57 b. wird uns erzählt, daß sie Nachkommen des affyrischcn Königs Sanherib gewesen seien: im Traktat Joma t. 71b. werden sie j'ooy „Söhne der Heiden" genannt. Beim Ausgange des Versöhnungstages, so berichtet der Talmud, begleitete eine große Volksmenge jubelnd den Hohenpriester, der unversehrt das Allerhciligste verlassen und den Dienst des großen Tages vollendet hatte. Da wurde das Volk seiner geliebte» Lehrer Schemata und Abtalion ansichtig. Alle verlieben den Hohenpriester und schlossen sich den großen Lehrern Israels an. Da sprach der Hohepriester spöttisch: Es mögen die Sohne der Heiden in Frieden gehe«. — Und die beiden Weisen antworteten: Es möge» die Söhne der Heiden in Frieden gehen, dir dem ersten Hohenpriester Ahron zu gleichen sich bestreben; es möge aber nicht der Nachkomme Ahrons in Frieden scheiden, der in feinem Thun sich seinen großen Ahn nicht znm Mutter nimmt. — Ans einer' bitte« Stelle, Jdioth E. 5. § 6. folgern die Erklärer, daß die beiden Weifen selbst als Heiden geboren und zum Iudeuthum übergegangen seien Doch gibt es für die Mischnah daselbst auch eine andere Erklärung (vergleiche (i":ixw~> »its *) Vergleiche Babli Labbat laa.