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Der Israelit · 1884-06-12 · Heft 47 (12.6.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 47 (12.6.1884)
Date
1884-06-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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784 haltigen Eindruck auf die Adressaten zu machen, zumal das vernichtende Verdict über die Rahmer'sche Wochenschrift bei den, besseren Elementen der Versammlung — was zu ihrer Ehre hier öffentlich constatirt werden soll — volle Billigung und Anerkennung findet. Eine officielle Mittheilung des Dr. Hildesheimer'schen Schreibens, mußte daher eine, die tiefgehende Spaltung innerhalb der Versammlung bekundende Discussion zur Folge haben, welche die Führer mit lächerlicher Geflissentlichkeit zu hintertreibeu suchten. Da aber nur die religiösen, nicht aber auch die Differenzpunkte hinsichtlich des Anstandes und guten Tones von der Discussion ausgeschlossen waren, so drängte gerade die Unterdrückung der crsteren zur Geltendmachung der letzteren. Als daher die Herren Dr. Kroner und. Gesinnungsgenossen mit ihren Gewissensbedenken in der geschilderten Weise majorisirt werden sollten, erzeugte dieser Druck die unvermeidliche Explosion, die sich in geradezu sensationeller Weise vollzog. - Landrabbiner Dr. G u t t m a n n—Hildesheim ergreift das Wort: Meine Herren!. Es ist von Herrn Dr. Hildesheimer und 35 Unterzeichneten Rabbinen eine Erklärung der Rabbinerversammlung zugegangen, ich beantrage sie sofort zu verlesen. Vorsitzender (Rabbiner Bamberger - Königsberg): Ich würde sie gerne verlesen, wenn ich sie hätte, aber ich weiß als Vorsitzender überhaupt von keinem Briefe. Der Brief ist, wie ich höre, an Herrn Dr. Ungerleider gerichtet; wenn er mir den Brief übergibt, will ich ihn verlesen lassen. Dr. Frankl erklärt hierauf, es heiße am Schlüsse des Briefes: Wir überlassen es dem Vorsitzenden, dem Eomitö oder der ganzen Versammlung davon Kunde zu geben. Wir halten es nicht für angezeigt, den Brief der ganzen Nabbinerversammlung mitzutheilen. Dr. Vogel st ein—Stettin: Der Brief hat bereits in der Vorversammlung Vorgelegen. Wir wurden daselbst gefragt, ob wir den ganzen Brief hören wollten, oder nur einen Theil. Wir wollten den ganzen Brief vorgelesen hören und er ist vorgelesen worden. Damit hat Herr Dr. Ungerleider sein Recht auf den Brief'aufgegeben. Der Brief gehört nicht mehr-ihm, der Brief gehört uns. (Allgemeiner Tumult.) Dr. Ungerleider erklärt: Der Brief sei an ihn gerichtet, er habe sein Recht darauf keineswegs aufgegebcn, überhaupt begreife er nicht, warum man den Brief nicht entweder am Anfang verlangt habe, oder bis zum Schluß damit warte. (Anm. des Berichterstatters. Bei einer loyalen Leitung hätte das Schriftstück weder am Anfang noch am Ende verlangt zu werden brauchen, sondern von dem Empfänger sofort aus freien Stücken den Mitgliedern der Versammlung übergeben werden sollen, wodurch sie sich viel unnöthige Blamage erspart hätten.) Dr. Guttmann—Hildesheim: Gerade jetzt wollen wir den Brief hören bei These L Jene Männer scheinen in diesem Punkte nicht so weit von uns abzuweichen, daß eine Einigung nicht erzielt werden könnte. Wir wollen die Einigung, wir wollen eine versöhnliche Antwort entweder hier beschließen, oder eine Commission dafür niedersetzen. Dr. Werner—Danzig stellt den Antrag den Brief sofort zu verlesen, ein anderer ihn auf Morgen zu vertagen. '— Der V or sitzende erklärt beide Anträge für unstatthaft, da der Brief noch immer nicht vorhanden sei, es könne deshalb nicht darüber berathen werden, wann er verlesen werden solle. Dr. Werner—Danzig stellt daraus den Antrag, die Versammlung solle Herrn Dr. Ungerleider um Aushändigung des Briefes ersuchen. Dieser erklärt sich endlich dazu bereit, , beantragt aber, damit bis zuletzt zu warten. — Der Antrag wird mit 40 Stimmen von 65 angenommen. In geheimer Sitzung wurde spater das Dr. Hildesheimer'sche Schreiben dem Inhalte nach mitgetheilt. Ich bin daher nicht in der Lage, ohne iudiscret zu werden, Näheres über die Scenen, die sich dabei abspielten, zu berichten. — Man kann sich übrigens nach Obigem leicht eine Vorstellung davon machen, da in der geheimen Sitzung die Herren erst recht unter sich waren. Wäre es lauter reine Wäsche gewesen, die sie beschäftigte, so hätten sie die Oeffentlichkeit, die sie ja sonst so sehr lieben, auch hier nicht gescheut. Die Sitzung dauerte am Mittwoch bis 3 Uhr Nachmittags. Für den folgenden Tag sind die Punkte II und Ilt der Tages-Ordmmg (Hebung des religiösen Sinnes und Verband der Rabbinen) zur Discussion gestellt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oest.-Ungar. Monarchie. Schaffa (Mähren) im Juni. Das verflossene Offenbarungsfest hat in unsere sonst so stille und geräuschlose Gemeinde Leben und Bewegung gebracht. Am ersten Tage des genannten Festes wurde die neu geschriebene Gesetzesrolle feierlich eingeweiht, welche unser geehrter Bürgermeister und Cultusvorsteher Herr David Wallisch im Vereine mit seinem Schwager Herrn Isaak Wallisch, Direktor der hiesigen Sparkasse, unserer Gemeinde zum ewigen Angedenken spendete. Nicht lange nach dem Morgen-

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