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Der Israelit · 1884-06-12 · Heft 47 (12.6.1884) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 47 (12.6.1884)
Date
1884-06-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXV. Jahrgang. Beilagezu Ar. 47 des Israelit. Leitender Artikel. Die Areskauer unter sich. (Fortsetzung.) Zu einem besonders vcrhängnißvollen Erisapfel ist in der heutigen Versammlung ein von Herrn Rabbiner Dr. Hild e s h e i m er und 35 Gesinnungsgenoffen an Herrn Dr. Ungerleider gerichtetes Antwortschreiben geworden, welches die Nichtbetheiligung der Unterzeichneten an der Versammlung eingehend motivirt. Bereits in der am Dienstag Abend abgehaltenen Vorversammlung war dasselbe Gegenstand lebhafter Erörterungen, die aber in der Mittwochs- Sitzung den Charakter einer hochgradigen Erregung annahmen. — Zur Erklärung derselben folgt.hier zunächst das Antwortschreiben im Wortlaute: \ Die Unterzeichneten bedauern, der Einladung zu einer am 4. und 5. Juni in Berlin abzuhaltenden Rabbiner-Versammlung nicht Folge leisten zu können, zunächst weil sie von einer Berathung über die zur Discnssion gestellten Themata keinen Nutzen erwarten : Wir bemerken spcciell: ' Ad 1) Eine öffentliche Erklärung über religiöse Verpflichtung der Juden gegen Andersgläubige, zumal von Nabbinen ausgehend und von keiner Seite gefordert, erachten wir im Allgemeinen für überflüssig und für unangemepen. Innere wie äußere Gegner würden derselben vermuthlich als einer parteiisch einseitigen kein Gewicht beilegen, zumal Gleiches auch in früheren Zeiten und auch neulich noch von. andersgläubigen, gerecht urtheilenden Gelehrten ohne durchschlagende Wirkung veröffentlicht worden ist. Sollte dennoch von Seiten Ihrer Versammlung eine derartige Kundgebung beschlossen werden, so würden wir wahrscheinlich, um den Gegnern nicht eine Berufung auf unsere angeblich abweichende Ansicht über die bezüglichen Lehren des Judenthums offen zu kaffen, entweder unsere Uebereinstimmung mit Ihrer Erklärung oder falls deren Wortlaut gegen unsere Ueberzeugung wäre, unsrerseits eine besondere Erklärung ähnlichen Inhalts veröffentlichen. Ad 2) Das Thema: „Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes und zur Förderung des Religionsunterrichts" ist ein so allgemeines, unbestimmtes, daß wir von einer Besprechung desselben in einer größeren Versammlung, zumal wenn jede Berührung religiöser Diffcrenzpunkte in Wirklichkeit ausgeschlossen bleiben soll, keinerlei Erfolg erwarten. Der Religionsunterricht kann nach unsrer Meinung wesentlich nur durch lokale Wirksamkeit gefördert wer-. den. Aeußere Mittel zur Förderung dieses Unterrichtes in kleinen Gemeinden will der Gememdcbund beschaffen, und daß eine Einigung über bezügliche Normallehrpläne, wenn solche überhaupt wünschenswerth, kaum zu erreichen ist, das haben die bisherigen Publikationen desselben Gcmcindcbundes für uns klar gestellt. Ad 3) Eine Vereinigung der Rabbiner Deutschlands behufs Erreichung äußerer Vortheile, eine Peusionirung, Wittwen- und Waisenversorgung dürfte ohne namhafte fremde Beihilfe unwirksam sein, und Förderung saldier Bestrebungen hat wiederum der Gcmeindebund sich zur Aufgabe gestellt. — Bei einer dauernden Vereinigung, zu innerer berufsmäßiger Wirksamkeit aber wäre eine Ausschließung religiöser Differenzpunkte undenkbar, und andrerseits erscheint uns eine allgemeine berufsthätige Gemeinsamkeit zwischen Männern, deren Ansid)ten über Heiligkeit bezw. göttlichen Ursprung unsrer Offenbarungsvorschriften und' über Verbindlichkeit unsrer Religionsgesetze soweit auseinandergehen, durchaus unmöglich. Sollte für einzelne religiöse Werke und Unternehmungen ein Zusammengehen mit Andersgesinnten uns statthaft erscheinen, so werden wir in gegebenen Fällen unsere Mitwirkung nicht versagen oder auch unsrerseits die Mitwirkung Andrer erbitten. Schließlich wollen wir nid)t unerwähnt lassen, daß wir an Ihrer Versammlung theilzunehmcn und obige Gesichtspunkte innerhalb derselben persönlich darzulegen, auch durch die beharrlich wiederholten, Anstand und Berufsehre verletzenden Schmähungen uns behindert glauben, mit welchen Männer unsrer religiösen Richtung und die Richtung selbst in einer Zeitschrift überschüttet werden, die vielen Unterzeichnern der Einladung als Parteiorgan gelten dürfte. Wir lassen uns zwar nidst herbei, derartige publicistische Beleidigungen zu erwidern, dürfen aber die Möglidikeit, Achnliches in der Versammlung mitanhören zu müffen, nicht außer Acht lassen. — Wir geben anheim dem einladenden Comittz oder auch der gesammten Rabbiner-Versammlung von dieser Zuschrift Mittheilung zu madien, und zeichnen mit Hochachtung. Der würdige, maßvolle Ton dieses Schreibens, konnte wie sein Inhalt nicht verfehlen, einen nach-

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