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Der Israelit · 1884-06-12 · Heft 47 (12.6.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 47 (12.6.1884)
Date
1884-06-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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781 burtsstadt haben bei Ueberreichung dieses Ordens, Herrn Schmied!, der auch Mitglied des Eomitatsansschusses ist, eine Ovation bereitet. Amerika. Cincinnati. Unser großer Neformheld, der sich Rabbiner nennende Dr. Wise, Direktor des „Je- •wish College“ (einer sogenannten Nabbiuerschule) und Herausgeber des «^merieaa Israelite,“ versteht es mit jedem Jahr aufs Neue seinem Namen eine traurige Berühmtheit zu verschaffen. Als voriges Jahr die hiesige isr. Gemeindevertretung die dahier versammelten Delcgirten der isr. Gemeinden Nordamerikas mit einem Lrefenen Bankett aufwartete, trat er als Vertheidiger für diese Verletzung des jüdischen Religionsgesetzes auf. Inzwischen mußte er die Konsequenzen seiner Handlungsweise in seiner eigenen Familie erfahren. Seine Tochter hat sich taufen lasten und hat einen Christen geheirathet. Nunmehr behauptet er in seinen Predigten und in seiner Wochenschrift, daß nach dem jüdischen Gesetze die Mischche erlaubt sei und stützt sich auf ein diesbezügliches Gutachten des verstorbenen Oberrabbiners Fasse! in Groß-Kanisa in Ungarn, dessen berüchtigter Schwiegersohn Dr. Sonneschein in St. Louis das Chanukascst auf Weihnachten verlegt wissen will. Das.Gebühren dieses Reformapoftels stößt selbst bei seinen sonst nicht so skrupulösen amerikanischen College» auf großen Widerspruch, welche in mehreren amer. jüdischen Zeitungen einen ordentlichen Feldzug gegen ihn eröffnet haben. Welche Früchte ein solches Rabbinerseminär, das unter der Direktion des Dr. Wise steht, zeitig, braucht nicht näher auseinandergesetzt zu werden. Die jüdische Religion muß bei den amer. Israeliten bis auf den Nullpunkt hcrabgesnnken sein, daß sie einen solchen Humbug mit sich treiben lassen. Feuilleton. Uur standhaft! xr.vi. „Strengen Sie sich nicht zu sehr an", sagte August; „das viele Reden möchte Ihnen schaden." . „„O, das wird mir schaden nicks! Loi mozinü Schüol schemeiß beasar pir! Sterbt doch der Fuchs nit von dem Staub in seinem Fuchsbau. Warum? er ist es gewohnt. Ich bin gewohnt zu reden, und das Sprechen wird mir schaden nicks. Asäu, lassen Sie sich verzählen. Sie werren doch können den graußen, rachen Baron von Löwenhcini, was sich Hot lassen schmadden? Awadai Werren Sie kennen ihn! Haben Sie doch nit gewollt nemmen seine anzige Tochter trotz ihrem vielen Geld, weil sic nit hot wollen leben jüdischlich. O ich waß Alles."" „Was ist mit dem Baron?" „„Cr will Widder werren a Jüd!"" August traute seinen Ohren nicht. Hatte er recht vernommen? Baron Löwcnheim wollte zum Judenthum znrückkehren? Jetzt dachte er nicht mehr daran, den Kranken zu schonen und ließ sich von ihm Alles erzählen, was er von dieser Angelegenheit wußte. Das geschah nun unter großen Umschweifen und im polnisch-jüdischen Jargon. Wir wollen damit die Geduld unserer Leser nicht ermüden und den Inhalt der Erzählungen des Kranken im Zusammenhänge wieder geben. Wir haben bereits oben von der Reise des Barons von Löwenheim und seiner Gemahlin nach Berlin und deren Zusammentreffen mit Bruno von Wolkenberg berichtet. Es mußte zu gar heftigen Scenen zwischen den beiden Schwägern gekommen - sein. Wie man sich erzählte, hatte Agathe die Partei ihres Bruders ergriffen und den Baron für die Ausschweifungen ihres Bruders verantwortlich gemacht, da dieser seine Tochter nicht gezwungen hatte, dem jungen Manne ihre Hand zu reichen. Der Baron hingegen gab seiner Freude unverhohlen Ausdruck, daß seine Tochter sich dem Geschicke, mit einem so elenden Menschen verknüpft zu werden, durch die Flucht entzogen habe. Da sei Wolkenberg wüthend geworden und habe seinen Schwager zum Duell herausgefordert, und als dieser mit Verachtung den Zweikampf mit einem Verbrecher, einem Wechselfälscher, verweigert, habe ihm Bruno ins Gesicht geschlagen und ihn furchtbar mißhandelt; die Baronin aber habe ihrem Gatten ins Gesicht gespuckt und den auf dem Boden liegenden mit Füßen getreten. Der Baron sei darauf allein nach D. zurückgekehrt, während seine Gemahlin in Berlin geblieben. Beide Gatten hatten darauf die Scheidungsklage eingereicht und wie man höre, stünde die Scheidung bevor. Der Baron aber habe sich eine Audienz beim Landesfü.sten erbeten und um die Erlanbniß nachgesucht, zum Glauben seiner Väter zurückkehren zu dürfen, und , diese Erlanbniß sei ihm huldvollst ertheilt worden. Dann sei der Baron nach Altona gefahren, um daselbst das vorgeschriebene Tauchbad zu nehmen und sich vom dortigen Oberrabbiner, damals Rabbi Jakob Cttlingcr v"r, eine entsprechende Buße auflegen zu lassen. Das waren merkwürdige Neuigkeiten! Wahrscheinlich waren sie bereits von Angust's Eltern nach Wien berichtet werden; allein der Brief hatte ihn dort nicht mehr erreicht. Als Liffauer sah, daß für die Pst ege des armen Kranken genügend gesorgt war, verließ er ihn und

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