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Der Israelit · 1884-06-12 · Heft 47 (12.6.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 47 (12.6.1884)
Date
1884-06-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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den. Im Jahre 1850 gründete er eine Niederlage in Sidney und in-den folgenden Jahren dehnte er den Export seiner Produkte auf die Haupthandelsplätze von Südamerika aus. Von 1858 an betrieb er den Export nach, China, errichtete im Jahre 1859 ein Waarenlagcr in Yokohama und erhielt 1860 die Bewilligung für den Import seiner Artikel in ganz Rußland. So beherrschte er thatsächlich mit seinen Erzeugnissen den Weltmarkt, und erst allmählich ist es der französischen uod englischen Industrie gelungen, ihren Producten neben den Pollak'schen Fabrikaten in den außereuropäischen Ländern Absatz zu verschaffen. Von seinen Fabriken gingen die meisten Erfindungen und Verbesserungen in der Zündwaaren-Erzcngnng aus, die dann allgemein nachgcahmt wurden und seine Züudwaaren sind in allen Ausstellungen mit den ersten Preisen prämiirt worden. Die Hauptfabriken Pollak's für die chemische Fabrikation waren in Prag, Budweis und Wien; durch die Zweig-Etablissements in Christiansberg, Maderhausen und Wodnitza verschaffte er nicht nur dem Holzreichthume des Böhmerwaldes lohnenden Absatz, sondern auch der armen Gebirgsbevölkeruna jener Gegenden reichlichen und stetigen Verdienst. In feil em Humanitären Wirken bekundete sich zugleich das Verstäudniß und Interesse, welches er für die Förderung der Volksbildung und der wissenschaftlichen Studien hegte. Schon in früheren Jahren gründete er Schulbücherstiftungen in seinem Geburtsort Wscheraditz, in Smichow und Budweis, in Schärfling und in Wien. Eine Stiftung von 3000 fl. Kapital bestimmte er' für Söhne österreichischen Militärs. In Wscheraditz dotirte er eine zweite Lehrerstelle an der dortigen Volksschule. Ein großartiges Denkmal, mit. welchem sein Name stets ehrenvoll verbunden bleiben'wird, ist endlich das Nudolphinum in Wien, welches er zur Erinnerung an die Geburt des Kronprinzen errichtet hat. Es ist dies bekanntlich ein Stiftnngshans, in welchem alljährlich 75 Hörern des Polytechnikums nicht nur freie Wohnung und Verpflegung, sondern auch alle Hilfsmittel und Behelfe für ihre Studien in liberalster Weise unentgeltlich geboten werden. Das Gebäude wurde am 19. Dccember 1668 in Gegenwart des Kaisers und des Kronprinzen eröffnet. Schon viele ausgezeichnete Schüler der Wiener technischen Hochschule haben ihre Studien, zu denen ihnen die eigenen Mittel fehlten, im Nudolphinum absolvirt. Me trefflich dieses Institut eingerichtet ist, beweist der Umstand, daß dasselbe ein eigenes Laboratorium für 15 Studirende der Chemie enthält. Abgesehen von den hohen Kosten des Baues und der Einrichtung, hat der Stifter ein Kapital Volk 160,000 fl.. für die Erhaltung der Anstalt gewidmet und die Zinsen von weiteren 5000 fl. zu Prämien für Hörer der Technik bestimmt, welche während ihrer Studien hervorragende Leistungen in der Physik oder Chemie aufzuweisen haben. Seine letzte humanitäre Stiftung— ein Kindergarten in Baden für hundert Kinder ohne Unterschied der Confession — sollte er nicht mehr in Wirksamkeit treten sehen. Die Anstalt, für deren Errichtung er im heurigen Frühjahre einen Bauplatz in der Lessinggasse ankaufte, ist jetzt im Ban begriffe». Für seine Verdienste auf industriellem Gebiete und für sein humanitäres Wirken hat Pollak im Jahre 1858 den goldenen Verdienstorden mit der Krone, nach der Londoner Ausstellung von 1862 denFranz- Josephs-Orden und nach der Errichtung des Rudolphinums im Jahre 1868 den Orden der Eiserne» Krone dritter Classe erhalten, auf Grund dessen er 1869 in den Adelsstand mit dem Präticate „v. Nudln" erhoben wurde. Sein Ableben ist heute Morgens dem Kronprinzen Rudolf als Protektor des Nudolphinums angezeigt worden. Vom Gebäude dieser Stiftung weht zum Zeichen der Trauer über den Verlust des Gründers eine schwarze Fahne. Kronprinz Rudolf hat aus Anlaß des Ablebens des Fabrikbesitzers A. M. Pollak Ritter v. Rudin folgendes Beileids-Telegramm an den Sohn des Verstorbenen gerichtet: Herrn Alfred Pollak Ritter v. Rudin in Baden bei Wien! Ich habe mit tiefster Betrübniß das Hinscheiden Ihres Herrn Vaters vernommen und beklage mit Ihnen den Verlust eines Mannes, für dessen patriotische Gesinnung und wahre Humanität ich von frühester Jugend stets die höchste Achtung gefühlt habe. Emfangen Sie mein aufrichtigstes Beileid. Rudolf. Wien. Ein Erlaß der Oberpostdirektion ist jüngst den Vorständen der einzelnen, dieser Centralstelle untergeordneten Postämter und Bureaux zugekommen. Diesem Circulare zufolge, hat der Handclsminister sich in Entscheidung einer im Namen sämmtlicher Postbedicnsteten mosaischer Religion gestellten Bitte bestimmt gefunden, anzuordnen, daß sämmtliche Postbedienstete (Beamten und Diener) genannter Confession an den zwei Tagen des israelitischen Neujahres und am Versöhnungstage von jeder Dienstleistung befreit werden sollen. Wien. Herr Wilhelm, Ritter v. Gutmann, hat seiner Vaterstadt Leipnik 25000 fl. zur Errichtung eines Waisenhauses geschenkt. _ Pesth. Der König hat unserm Glaubensgenossen, Herrn Rudolph Schmied! in Diöndiösch, den goldncn Verdienstorden verliehen, weil er bei einer Entgleisung eines nach . Bukarest abgegangenen Zuges mit eigener Todesgefahr die Rettung mehrerer Passagiere bewerkstelligt hat. Die Behörden seiner Ge-

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