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Der Israelit · 1884-06-09 · Heft 46 (9.6.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 46 (9.6.1884)
Date
1884-06-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Juden in vollster Stärke aufwuchern lies;, während j noch nicht der flcriußftc Anhaltspunkt für eine An-! klage snbstantiirt twrlag. — Mendelssohn fährt am! angeführten Orte fort: „Aufrichtige Gemüther! können vielleicht durch die Gründe des Rabbi Manaffeh, und noch mehr durch den schrecklichen Nenngungseid. ' den er im dtamen des ganzen Judcnthum ablegt,! und den ich mit reinem Gewissen hier nachsprcche, auf bessere Gedanken gebracht werden. Indessen sind alle Grunde und Eidschwürc fruchtlos, wenn der Gegner nicht hören will, wenn sich Nebenabsichten der Ucbcrfnhrung widersctzen, oder wenn das Gemiith so sehr von Vorurtheilen befangen ist, daß man den Gcgengründen nicht die erforderliche Aufmerksamkeit zuweuden mag. Man kann einem verjährten Vornrtheile alle Wurzeln durchschneiden ohne ihm die Nahrung gänzlich zu entziehen. Es saugt solche allenfalls aus der Luft." Heute muß für die aufgeklärte öffentliche Meinung, die Preffe, jeden solchen Fall, wie die Skurzer Affaire benutzen, um ihre Pflichten zu erfüllen, die derjenigen gleicht, welche im Mittelalter die Päpste Gregor IX (1235) und Jnnocenz IV (1217) mit ihren Butten verfolgten, welche ausdrücklich verboten, die Inden wegen dieser fabelhaften Beschuldigung zu verfolgen. Ist von dieser Warnung seiner Kirche dem Ortspriester von Skurz nichts bekannt, so wenig, daß er cs an der nöthigcn Aufklärung fehlen ließ? Wir wollen ihm und allen, gegenüber den fanatisirten Bauern, denen die Eultur, Wahrheit und Recht noch etwas mehr werth sind, als die Rohheiten des Antisemitismus, die Entsteh u n g su n d E n twickelungsgeschichte jenes Aberglaubens kurz in's Gedächtniß zurückrufen. Papst Sirius V kannte diese noch, als er nach gepflogener genauer Untersuchung über den Tod des angeblich von den Juden zu religiösen Zwecken ermordeten heiligen Simeon von Trient, ausdrücklich verbot, denselben heilig zu sprechen und befahl, die Juden von Trient deßhalb in Ruhe zu lassen. Leider waren — wie das bekanntlich öfters vorgekommen, — man lese nur Joseph ha Eohen's Emeck habochoh — schon viele verbrannt und ermordet. Auch heute noch hat jede Religion alle Ursache, dieses verderblichste aller abergläubischen Mährchen, die Blntbcschuldigung, überall, wo es auftauchte gleich im Keime zu bekämpfen und durch Aufklärung des wahren Sachverhalts zu beseitigen. In der Skurzer Affaire warten wir nun bereits seit dem 21. Januar auf eine Lösung. (Fortsetzung folgt.) Zeitmrgsrrachrichtptt und Correspoirdenzen. Deutschland. Eppingen (Baden), 1. Juni. Wie das Verordnungsblatt vom Großherzogl. Bad. Oberrath der Israeliten in Nr. 2 berichtet, find in unserem Lande 157 isr. Gemeinden Und 21 Mohelim, in Bühl und Karlsruhe je 2, in großen Bezirken, wie Sinsheim und Neckar-Vischofsheim rc., nicht einer; imVerhältuiß so vieler Orte sind es viel zu wenig Mohelim, . was sich sehr häufig fühlbar macht, und ist um so uiehr Abhilfe nöthig, da' die meisten Mohelim schon bejahrte Männer sind. In manchen Orten könnten verniögende und religiöse Leute darauf hinwirken, daß wenigstens eines der Kinder sich diesem heiligen Berufe widme; auch durch Unterstützung von Seiten dcrChebroth, die es in allen Orten gibt, könnte man cs manchem würdigen Armen ermöglichen, sich diesem Berufe zu widmen. Die Mohelim selbst sowie die Synagogenräthe dürsten auch mehr thun, um dafür Sorge zu tragen, Mithelfer und Nachfolger zu erhalten. Auch die finanzielle Verwaltung mancher Gemeinde ist nicht in rosigen Zuständen, da in vielen Gemeinden weder Voranschlag noch Gemeindcrechnung vorgelegt wird, und häufig Chebroth- und Fondsgelder, von den Alten zusammengelegt, zu laufenden Ausgaben benützt werden. Ebenso befindet sich die Schule manchmal nicht in den besten Händen. Vom Oberrath wurden als Minimum 6 Stunden wöchentlich für den Religionsunterricht bestimmt; es solle aber der Lehrer derart besoldet werden, daß 10 Stunden hierfür benützt würden. Aber es gibt Lehrer, die nicht einmal 6 Stunden gehörig ausnützen, da dieselben während des Unterrichts noch Rechnungen stellen und Agenturen besorgen; manchmal gar nicht und vielfältig unregelmäßig den Unterricht vornehmen, die Kinder nach Belieben fehlen lassen. Stundenpläne werden nicht aufgehängt; kommt hernach tut Jahre einmal der Rabbiner zur Prüfung (aber nur in die Orte, die ihn bestellen), so wird zuvor etwas mechanisch auswendig gelernt, und der Rabbiner will nicht wehe thun, er berichtet über guten Stand der Schule, und so kommt es häufig vor, daß Kinder von 10 Jahren kaum lesen, aber nicht die Gebete übersetzen und noch weniger hebräisch schreiben können. Wir haben diese Schäden der Oeffentlichkeit übergeben, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken und die Abhilfe auzubahrrem Berlin, 2. Juni. Heute Mittags 12 Uhr wurde Jnstizrath Leivin auf dem alten Friedhof der

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