Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 46 (9.6.1884)
- Date
- 1884-06-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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769 israelitischen Gemeinde unter überaus zahlreicher Thcilnahme ans allen Kreisen der. Gesellschaft zur letzten Ruhe bestattet. Das größte Kontingent in der stattlichen Versammlung bildete die Berliner Anwaltschaft, in deren Mitte man die bekanntesten -Rechtsanwälte Berlin» erblickte. Auch die Handelswelt war durch ihre nahmhastcstcn Mitglieder vertreten. Die Gesellschaft der Freunde hatte ihr ältestes Ehrenmitglied, den Geheimrath Stenthal, entsendet. Nicht minder trug die Berliner Künstleruud Schriftstcllerwelt zur Vervollständigung des imposanten Tranergefolgcs ihren Theil bei. Der Vorstand und die Nepräsentanten-Vcrsammlung der jüdischen Gemeindewelch letzterer der Verstorbene angchört, waren vollzählig erschienen. Der Sarg wurde von Angehörigen und Freunden des Heimgegangenen zur Gebethalle getragen. Dann hielt der Rabbiner Dr. Frankl die Gcdächtnißrede, in der er das umfangreiche Wirken des Vollendeten auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, in der Pflege der Justiz, in dem Erstreben alles Schönen und Edlen zu würdigen wußte. Frankfurt a. M., 4. Juni. Wir haben bereits über die Legate berichtet, welche der jüngst verstorbene Dr. Odrell zum Vesten hiesiger Wohlthätigkcits- und Untcrstützungsanstalten testamentarisch aussetzte. Wir sind heute in der Lage, weitere Mitthcilungen zu machen, welche die Hochherzigkeit des Verstorbenen auf das Glänzendste zeigen. Da Herr Dr. Odrell nur ganz entfernte Seitcnverwandte'besaß, so bestimmte er sein ganzes großes Vermögen zu milden Zwecken, „damit-, wie seine eigenen Aeußcrungen lauten, „hieraus in Gegenwart und Zukunft Wohlergehen für meine Mitbürger ersprieße." Der Hanptbestandtheil des Nachlaffes soll nach Abzug der in diesen Blättern bereits mitgethcilten Vermächtnisse an Stiftungen und einer Anzahl Legate an Verwandte und ihm befreundete Persönlichkeiten zur Begründung eines Stipendienfonds für das Studium auf Universitäten, Akademien (auch Kunstakademien), polytechnischen und landwirthschaftlichen Schulen verwendet und als Stiftung zum Andenken der verstorbenen Eltern des Erblapcrs (Isaak Abraham Oppenheim scn. und dcffeu Ehefrau Nahel Oppenheim, geb. Cohen) bezeichnet werden. Diese Stiftung ist durch die israelitische Gemeinde, und falls diese nicht hierzu bereit sein sollte, durch den Magistrat der Stadt Frankfurt am Main zu begründen, welche zu diesem Zweck zu Erben eingesetzt sind. Die Stiftungskommission wird aus den Direktoren hiesiger Schulen und Kunstinstitnte sowie aus Mitgliedern der hiesigen angesehenen Bürgerschaft bestehen, womit der Testator in seinem Testamente und deffcn Nachträgen eine Anzahl Männer betraut hat. Ist diese Liste erledigt, so ist die Wahl der Verwaltung und dem Magistrat anheimgcgebcn. .Zu den von uns schon mitgethcilten Legaten ist noch zu bemerken, daß au Stelle des Allgemeinen Almoscnkastens, welcher nicht mehr besteht, der Armenverein mit 4000 M. tritt. Ferner erhält noch der Gesangnißverein 1*200 M. und der Verein zur Bekleidung bedürftiger israelitischer Schulkinder 3000 M. Das Gcsammtvermögen, das der Verstorbene Hintcrlaffen, beläuft sich aus ca. 900,000 M. Trier, i. Juni. Bezugnehmend auf die Notiz aus Minden in Nr. 3. d. Blätter, welche auf die eigenthümlichc Wandelung hinwcist, die sich betr. des Dispenses vom Schulbesuch am Sabbat bei der preußischen Negierung vollzogen zu haben scheint, bin ich in der Lage auch von hier einen Beitrag liefern zu können. Während den israelitischen Schülern des Gymnasiums vor dem Wochcnfeste seitens der Schule mitgetheilt wurde, sie seien von dem Schulbesuch befreit, wurde den Schülern des Realgymnasiums zum' erstenmale ihre .dahin gehende Bitte abgeschlagen. Einem Schüler, dem die Erlaubniß bereits ertheilt war, wurde sie von dem Klassenlehrer wieder mit dem Ansdruck seines Bedauerns entzogen, weil die Negierung verfügt habe, den israelitischen Schülern keinen Dispens für ihre Feiertage zu bewilligen. Sind die Intentionen, welche in Nr. 42 des „Israelit" entwickelt sind, wirklich diejenigen der Negierung, dann wäre cs interessant zu wissen, ob auch anderen Orten Aehnliches vorkam. Im bejahenden Falle wäre es geboten die einzelnen Fälle zusammen zustellen und zürn Gegenstände einer Beschwerde zu: machen. — Bemerken will ich noch, - daß das hiesige Gymnasium staatlich, das Ncalgymnasinm aber eine städtische Institution ist. (Siehe im Hauptblatt den zweiten Artikel von „Berlin, 6. Juni".) Saarwelliugen, Negbz. Trier, 27. Mai. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde hier die verschlossene Thürc des etwas vom Dorfe entfernt liegenden israelitischen Friedhofes gcwaltsamerwcise zertrümmert und auf demselben nicht weniger als zehn Grabmonumcnte umgeworfcn und beschädigt. Möchte es gelingen, die Urheber dieser Rohheiten zu ermitteln und sie der gerechten Strafe zu überliefern. Oesterr.-Ungar. Monarchie. X. 0t. Prag, 2. Juni. Oberrabbiner Hirsch hat seine Tochter mit l)r. Ehren treu aus Mainz verlobt. Derselbe ist ein ehemaliger Schüler des Oberrabbiners und hat seine Studien weiter in Preß-