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Der Israelit · 1884-06-09 · Heft 46 (9.6.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 46 (9.6.1884)
Date
1884-06-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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764 liier beerdigten Herrn Joseph Oppenheim hat Mk. 20,000 zur Vertheilung an hiesige Wohlthätigkeits- Anstalten ohne Unterschied der Confession überwiesen. Pesth. Die Generalversammlung des isr. Frauen- Vereins fand vorige Woche unter dem Vorsitze der Präsidentin Frau Johanna B i s ch i tz statt. Dem vom Vereinssekretär Herrn Gabor Friedmann verlesenen ausführlichen Jahresberichte entnehmen wir folgendes: Im abgelaufenen Verwaltungsjahre wurden als ambulante Unterstützungen 6833 jT. 90 kr., als monatliche Stipendin 4239 fl. als vierteljährige Zinsbeiträge 3891 fl., als Unterstützungen fürexterne Waisen 1691 fl., als Unterstützungen an Wöchnerinnen 264 fl., als Unterstützungen an Hebammen zu Nigorosentaxen 15 fl. und als Heiratsausstattungsbeiträgen 55 fl. — zusammen daher 16988 fl. 90 kr. vertheilt. Die Einnahmen der Frauenvereins - Unterstützungsabtheilung betrugen fl. 14925 18 kr.; es resultirt daher ein Defizit von 2063 fl. 72 kr., welcher Betrag dem Fond abgeschrieb'en wurde. Im Mädchen - Waisenhause dieses Vereins wurden 48 Kinder, im Waisenasyle desselben hingegen 18 Kinder erzogen und betrugen die Einnahmen für beide Anstalten 13111 fl. 47 kr., die Ausgaben 15547 fl. 47 kr.; es resultirt daher ein Defizit von 2436 fl. Die Verpflegung und Erziehung eines Kindes stellt sich durchschnittlich auf 224 fl. 90 kr. im Waisenhause und auf 170 fl. 6 kr. im Waisenasyle. Die dritte Wohlthätigkeitsanstalt des Pesther isr. Frauenvereines ist die Armen - Speiseanstalt; dieselbe ist bereits in den weitesten und berufensten Kreisen der rückhaltslosesten Anerkennung Lheilhaftig geworden und hat sich auch in dem abgelaufenen Jahre — nachdem während des ganzen Jahres keine andere Volksküche geöffnet war — nicht nur als ein unentbehrliches Bedürfniß der Hauptstadt, sondern während des Winters als eine wahre Wohlthäterin der armen Volksklasse erwiesen. In der Zeit vom 1. April 1883 bis 1. April 1884 speisten daselbst 64793 Personen ohne Unterschied der Eonfession; davon gänzlich gratis 9323 Personen. Den ärmern Hörern des Landes-Nabbinerseminars wie auch der isr. Lehrer-Prävarüüdie wurde« während derselben Zeit 7783 Portionen Mittagsessen verabreicht. Die Verwaltungskosten dieser Anstalt, deren Einahmen 7927 fl. 44 kr. und der Ausgaben 8355 fl. 71 kr. betrugen, ergaben ein Defizit von 426 fl. 27 kr. Der Verein besaß im abgelaufenen Jahre 1365 Mitglieder u. ßw. 836 beim Frauen- Verein mit: 5031 fl., 451 beim Waisenhause mit 3038 fl. und 77 bei der Speiseanstalt mit 390 ff.; usammen daher mit 8728 fl. Jahresbektragsgeühren. Das Neinerträgniß der zur Deckung der Waisenhaus-Ausbauschuld veranstalteten Lotterie konnte bei Schluß dieses Verwaltungsjahres noch nicht endgiltig festgestellt werden, und wird diese Einnahmsziffer erst in die nächste Bilanz ausgenommen Werden. Wir können unfern Bericht nicht schließen, ohne dem Dankesvotum, welches Professor Lederer im Namen vieler MiMeder dem Vorstände des Vereins» speciell aber der Frau Präsidentin, Frau Johanna Blschitz darbrachte, unsere aufrichtigste Zustimmung zu geben. Möge es den Armen und Waisen vergönnt sein, sich noch lange. Jahre der Unterstützung des Vereins erfreuen zu können. Rumänien. Bukarest. Die „Buk. Ztg." vom 21. Mai bringt an ihrer Spitze folgenden Leitartikel: ,,Das Gesetz, welches den ambulanten Handel verbietet, ist in Kraft getreten und die Thätigkeir nicht nur Derjenigen, welche ihre Waare von Haus zu Haus trugen, sondern auch jener Personen, welche dieselben auf festen Stande Plätzen, unter Hausthoren, in Gängen oder Buden feilboten, wurde eingestellt. Wohl wußten alle diese Händler schon seit 2 Monaten, welcher harte Schlag ihnen drohte, allein sie hofften noch immer, daß man bei der Ausführung dieses Gesetzes human Vorgehen, will sagen, daß man sich an compententer Stelle entschließen werde, den Termin der Jnkrafttretung desselben auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen, um es den Betroffenen zu ermöglichen, sich nach und nach eine andere Existenz zu suchen. Man glaubte dies um so mehr erwarten zu dürfen, als es ja bekanntlich auch solchen Menschen, die einen höheren Bildungsgrad aufwcisen, und selbst wenn sie ein bestimmtes Fach innehaben, nicht immer leicht wird, ihr Fortkommen zn finden, geschweige denn Leuten, die nichts gelernt haben und die auch schon zu alt sind, um noch etwas erlernen zu können. In der Voraussetzung einer weiteren Vertagung der Jnkrafttretung des erwähnten Gesetzes hat man sich jedoch getäuscht, die drakonischen Bestimmungen desselben wurden vielmehr im ganzen Lande mit der größten Strenge durchgeführt und nahezu 20.000 Menschen, darunter zahlreiche Familienväter, ja selbst Wittwen, die sich und ihre Kinder kümmerlich ernährten, sind plötzlich an den Bettelstab gebracht. Es ist nicht nöthig, daß man an sich selbst erfahren habe, was Noth heißt und was es bedeutet, wenn ein Vater seinen Kindern kein Brod mehr geben kann, um sich einen Begriff zu machen, welch unsägliches Elend gegenwärtig in Tausenden von ärmlichen Wohnungen

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