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Der Israelit · 1884-06-09 · Heft 46 (9.6.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 46 (9.6.1884)
Date
1884-06-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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762 dem Spruche N. Josuas: „Auch die Frommen der Völker haben Antheil an der ewigen Selige keil." — Diese Lehrsätze sind die Grundbestim» mungen für die interkonfessionelle Stellung des Judenthums. — Wenn indessen dem gegenüber in dem ausgedehnten jüdischen Schriftthume Aussprüche sich vorfiuden, welche sich nicht zu dieser idealen Höhe erheben, so sind dieselben als Meinungen Einzelner zu betrachten, welche durch den . Druck der Zeiten hervorgernfen wurden, und welche keine verbindende Kraft besitzen." . Da dieser letzte Satz eine handgreifliche Unwahrheit, eine offenbare Verleumdung des Talmud und, seiner Autoren enthält, so wird voraussichtlich noch mehr wie einmal daraus zurückznkommen zu sein- — Zunächst werden ihn die Antisemiten schon ausbeuten, vielleicht aber tritt auch an die Semiten die Pflicht heran, diese Rabbiner-Versammlung und ihre öffentliche Erklärung von den Nockschößen zu schütteln. Wahrlich, der Talmud hat schon viel unter dem Unverstand und der Verblendung seiner Beurtheiler zu leiden gehabt, daß aber 68 Rabbiner als vorgebliche Anwälte des Talmud sich zusammenthun, um auf ihren Clienten einen solchen Stein zu werfen, das ist ein himmelschreiender Frevel, das ist ein nnyo rpnt> >2' i'xw. Ich mag bei diesem Jammer nicht länger verweilen, mir gellt das laute „Bravo" noch in den Ohreil, das die Versammlung Herrn Dr. Maybaum, als er diese Fassung motivirt hatte, zurief. L a n d a u-Dresden beantragte nun den Entwurf, an dem die Commission bis Nachts 3 Uhr gearbeitet habe, durch Aklaintiou anzunehmen, zu größerer Freudigkeit nach Innen, und zu größerem Erfolg nach Außen. Statt nun zu fragen: „erhebt sich Widerspruch gegen diese Form der Abstimmung?" fragt der Präsident einfach, wer für diese Fassung der Erklärung wäre, und überrumpelte so — absichtlich oder unabsichtlich — die Gegner der Fassung, so daß sie einstimmig angenommen wurde. Es folgte nun eine halbstündige Pause, nach deren Beendigung einige Bemerkungen über das Festesten gemacht wurden. Da erhebt sich plötzlich Kroner-Erfurt, und erklärt, einen Zettel vor sich haltend: Im Namen meiner Gesinnungsgellossen fühle ich mich zu der Erklärung gezwungen, daß wir nur, um die Einigkeit nicht zu stören, bei der Abstimmung nicht Widerspruch erhoben haben, daß wir aber durch den letzten Satz der These, uns in unserem Gewissen beengt fühlen und daher.... Hier unterbrach ihn der Präsident mit der Bemerkung, daß der Alltrag bereits angenommen sei, weshalb die Erklärung gegenstandslos und unstatthaft erscheine. In Folge dessen entstand nun tlimultuarische Aufregung, in Mitten welcher sich Kroner noch einmal erhob und tu seinem und seiner Gesinnungsgellossen Namen erklärte, unter diesen Umständen die These I nicht unterschreiben zu können. — Ob eres nachträglich doch noch gethan hat, weiß ich nicht, jedenfalls wird die Scene im officiellen Bericht vertuscht werden, weshalb ich etwas ausführlicher dabei war. — Doch war dies nicht die einzige Meinungsverschiedenheit auf dieser alle religiösen Differenzpunkte ausschließeilden Versammlung. (Fortsetzung folgt) Zeitungsnachrichten und Evrrefpondenzen. Deutschla n d. Berlin, den 3. Juni. Es ist eine Trauerbotschaft, die ich Ihnen heute mitzutheilen habe; Rabbi Bär Zomber ist nicht mehr. Am Tage nach dem Wochenfeste wurde er seiner trauernden Familie und seinen vielen Freunden und Verehrern durch den Tod entrissen. Der Heimgegangene war einer der bedeutendsten Talmudgelehrten unserer Zeit. Jin Jahre 1821 in Lask (Rußland) geboren, wurde er schon früh von seinen Eltern zum Thorastudium ungehalten und setzte später seine Studien unter der Leitung des berühmten Rabbi Joseph Spiro V't in Jnowrazlaw und des nicht minder berühmten Rabbi Jakob Etli nger. b"r in Altona fort. Nachher besuchte er die llnivcrsitäten Würzburg und Berlin. An letztgenanntem Orte verheiratete er sich und ernährte sich durch Ertheilung von Unterricht, bis er 1871 als Rabbiner am Beth Hamidrafch angestellt wurde. Nicht lange jedoch sollte er sich der endlich erlangten festen Anstellung erfreuen. Durch einen unglücklichen Fall zog er sich eine Verletzung am Beine zu, von der er sich nie wieder gänzlich erholte. Heute wurde der edle Mann unter großer Betheiligu .'.g zu Grabe getragen. An der Bahre sprach zuerst Herr Rabbiner Dr. Hild esh eimer in beredten Worten nachweisend, wie der Verewigte die drei Säulen des Weltalls: Die Gotteslehre, den Gottesdienst und die Menschenliebe aufrecht erhalten. Auch Herr Rabbiner Dr. Salomon C och n und Herr Dr. A. Berliner, sowie ein Schüler des Verstorbenen, HerrRabbinatskanditat Ellbogen gaben der allgemeinen Trauer den geziemenden Ausdruck. (Auch wir beklagen den Verlust eines theuren Freundes und einstigen Studiengenoffen. Der Verewigte hat durch einige werthvolle Schriften Zeugniß von seiner großen talmudischen Gelehrsamkeit abgelegt; wir nennen seine Abhandlungen über dieRaschicommentare zu Moäd Katan und Nedarim. n"a"H":“n—Red.)

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