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Der Israelit · 1884-06-09 · Heft 46 (9.6.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 46 (9.6.1884)
Date
1884-06-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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760 sorgfältig beobachten, während sie im Umgänge mit den Nebcnmenschen höchst unangenehm werden können, Menschen, die sich in das Tallis hüllen, die Tephillin küssen, genau die Zeit innchalten, nach deren Verlauf sie nach genossenen Fleischspeisen Milch nehmen dürfen, dabei aber ohne Erbarmen und Mitleid für ihre Nebcnmenschen, boshaft, zänkisch, rechthaberisch, ihren Nebenmenschen manche böse Stunde bereiten. Daß man sich selber von einem solchen .Nachbar fern halte, bedarf der Mahnung nicht. Es gibt aber Andere, die durch den Nus der Frömmigkeit angczogen, die Nachbarschaft eines solchen Mannes aufsuchen möchten. In Bezug darauf inahnt der weise Nittai: Halte fern (nicht nur Dich, sondern alle Welt) von einem bösen Nachbar! — Nun aber könnte Jemand meinen, daßer sich einem Frevler, der Gottes Gebote mißachtet, der kein Tallis anlegt und keine Tcphillin, der die Speisegesetze und die Sabbatvörschriften verletzt, anschließen dürfe, wenn dieser gegen seine Mitmenschen gut, liebevoll und freundlich ist — daher ruft uns Nittai warnend zu: yaro -pnnn in keinem Falle darfst Du einen Menschen zum Genossen Dir wählen, der Gottes heilige Gebote mißachtet. . Meine nicht, daß Du mit dem Frevler Freundschaft halten könntest; ohne von ihm zu lernen, ohne sein Thun nachzuahmen, ohne Dich von seinen Ansichten beeinflussen zu lassen! Und wenn es dem Frevler noch so gut geht und wenn er aufblüht in Reichthum, Kraft und Gesundheit■nujnsn p awnn rrn, glaube nicht, daß die Strafe ausbleibt; sie wird sicher kommen und den Frevler treffen, sowie Denjenigen, der sich ihm angeschlossen hat. Wir haben bereits im vorigen Capitel erwähnt, daß wir in den Worten Nittais einen'Hinweis auf die damaligen Zeitverhältnisse finden. In seinen Tagen war es, daß die Sadducäer ihr Haupt erhoben. Von Tag zu Tag gewann diese Secte an Bedeutung und Ausdehnung. Die Anhänger, derselben glichen in vielfacher Beziehung den sogenannten Reformern in unserer Zeit. Sie verletzten Gottes Gebote, glaubten nicht an Belohnung und Bestrafung in jenseitigen: Leben. Der Genuß der irdischen Güter schien ihnen der einzige Lebenszweck. Naturgemäß waren es auch damals vorzugsweise die Neichen und Vornehmen, welche sich dieser Secte anschlosien. Es liegt in der menschlichen Natur, daß man sich gerne den Neichen und Vornehmen anschließt. Deßhalb erhebt der Weise warnend seine Stimme und ruft: yarD “ünnn rm Schließe Dich unter keiner Bedingung Demjenigen an, der Gottes Gebote verletzt, selbst dann nicht, wenn er nur ein einfacher yan und nicht auch ein jn van ist, das heißt, wenn er auch seine Frevelthaten nur Gott gegenüber übt und seinen Nebenmenschen nichts Böses erweist. Und wenn dieser Entweiher des Sabbats, dieser Verletzer der Speise- und Ehegesetze stets zunimmt an Reichthum, Macht und Ehre, so laß Dich dadurch nicht täuschen. Gar langmüthig ist der allgütige Gott; doch nicht wird die Strafe ausbleiben; denn cs gibt noch ein anderes Leben, in welchem der Fromme seinen Lohn und der Frevler seine Strafe erhält. Der fromme König von Juda, Jehoschaphat, wandelte in den Wegen Gottes und that stets, was recht und gut ist. Und Gott war ihn: gnädig und rettete ihn aus der Hund seiner Feinde und beglückte seine Regierung gar sehr. Da schloß Jehoschaphar ein Bündniß mit Achasjahu, dem götzendienerischen Könige von Israel, und sie verbündeten sich zu einem gemeinsamen Unternehmen. Da trat der Prophet Gottes vor Jehoschaphat und sprach: r^yv tfN-'i lrwrix Dy -p^nnm „Da Du ein Bündniß geschloffen mit Achasjahu, so hat Gott Dein Vorhaben vereitelt." — Und so geschah es. Jn Bezug auf die Schlußworte Nittais wollen wir noch die Erklärung Raschi's anführen. Derselbe sagt: nuy-oBn;o irtonn 7rn Vertraue nicht auf Ansehen, Macht und Ncichthum, wie wenn Du dadurch dem drohenden Unglücke entgehen könntest, wie es heißt (Sprüche C. 28. V. 14) "pan -inso cik narse „Heil den: Manne, der stets ängstlich besorgt ist." — Dagegen aber, wenn Du von: Unglücke betroffen bist, tPN'nn vrr, so verzweifle nicht! Gar leicht und bald kann der allmächtige Gott Deine verzweiflungsvolle Lage zum Guten wenden, wie es heißt (Jesaias C. 59. V.l.) y’anno 'n -p 'ms? p „Siehe nicht zu kurz ist die Hand des Ewigen, um zu helfen." (Fortsetzung folgt.) Ire Wreskauer unter sich. Berlin, den 13. Siwan. Daß die Herren, welche unter dem stolzen Narnen „Versammlung der Rabbiner Deutschlands" sich hier gestern und vorgestern versammelt hatten, sich gründlich blamiren würden, habe ich schon in meinem Bericht von natyi an dieser Stelle vorhergesagt. Daß es aber in dem Maaße geschehe, wie es thatsächlich der Fall war, hätte ich selbst nicht geglaubt. Wie jener Virtuose, der durch einen Dintenklecks. das Kunststück fertig brachte, schon bevor er zu schreiben anfing, einen Fehler zu machen, so ist es der Versammlung der Rabbiner Deutschlands gelungen, sich unauslöschlich zu blamiren, ehe sie noch den Mund öffnete. Wer die Behauptung unmöglich hält.

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