Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1884)
- Date
- 1884-06-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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852 fufirt wurde. Herr Distriktsrabbiner Bamberger dielt die Festrede-, . die auf die Zuhörer einen unvcrlöschlichen Eindruck machte. Berlin, 24. Juni. Ein erschütterndes Ereignis;, welches sich am jüngsten Sonnabend Bormittag während des Gottesdienstes in der im Hause Linden- - strasze 50 befindlichen Synagoge der „wohlthätigen Gemeinde" vollzog, wird von der T.N. in folgender Weise geschildert. Aus Anlaß des siebenten Stiftungsfestes der Gemeinde hielt der Prediger Dr. Landsberger eine Festrede. Plötzlich machte sich eine unruhige Bewegung in den vorderen in der Nähe der Kanzel gelegenen Reihen bemerkbar. Der Prediger unterbrach seine Rede, stieg ein paar Stufen hinunter, kehrte dann wiederum auf die Kanzel zurück und verkündete Folgendes: „Meine Andächtigen! Ein schmerzlicher Augenblick ist gekommen; unser lieber Mitbruder und Gemeindeältester K. ist soeben gestorben'" Regungslos, mit gebrochenen Augen, jdas Haupt znrückgesenkt, lag der vierundachtzigjährige Greis da. Tiefe Ergriffenheit bemächtigte sich der Gemeinde; nach einigen Minuten forderte der Prediger auf, für den soeben Verschiedenen das Sterbegebet zu sprechen, und „Höre, Israel" rc. ertönte es in vielhundertstimmigem Rufe. Die Leiche sollte nun aus der Synagoge hinausgctragen werden — da begann der Todtgeglanbte sich plötzlich zu regen, die Angen aufzuschlagen und das Haupt zu erheben. Ein Schlaganfall hatte den Greis getroffen und ihn in einen Zustand des Scheintodes versetzt, welcher mehrere Minuten währte. Derselbe Greis, um dessen Tod bereits ein Sterbegebet entsendet worden, erholte sich, nachdem man ihn mit Wasser besprengt hatte, zusehends und wurde nach seiner Wohnung geschafft. Die unterbrochene Festpredigt wurde in Folge der allgemeinen Erregung nicht fortgesetzt. Trier, 21. Juni. Eine verehrliche Redaktion des „Israelit" ersuche ergebenst nachstehende thatsächliche Berichtigung des Artikels „Trier, 1. Juni" (Beilage von Nr. 46 Ihres Blattes) aufzunehmen: „Die israelitischen Schüler des Realgymnasiums zu Trier erhielten Freitag den 30. Mai zur Feier des Wochenfestes genau in derselben Weise Dispens von dem Schulbesuche, wie an allen übrigen israelitischen Festtagen; von diesem Dispens war kein einziger israelitischer Schüler ausgeschlossen. Dagegen wurde vom Ordinarius der V einem Schüler, welcher bereits D o n n e r s t a g R a ch m i t tag vom Unterrichte dispensirt sein wollte, um mit dem Zuge um 2 Uhr nach Hause zu fahren, diese letztere Dispensation (für Donnerstag Nachmittag) nicht gewährt. Dr. Ad. Dronke, Direktor des Realgymnasiums zu Trier. . Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, im Juni. Die hiesigen Zeitungen brachtet! neulich die Erhebung des Banquiers Moses Ritter von Waldberg in Bukarest in den Frciherrnstand. Dieses Ereigniß verfehlte nicht, große Sensation in allen Kreisen und speciell in den jüdischen zu machen. In Oesterreich gibt es nämlich nur 7 unter unseren Glaubensgenossen, denen vom Kaiser diese hohe Auszeichnung zu Theil wurde. Was Ihr gesch. Blatt speciell i'nteressiren wird, ist der Umstand, das; Baron von Waldberg, der vom Kaiser von Oesterreich, jvom König von Rumänien und anderen Monarchen vielfach ausgezeichnet wurde, bei seiner hohen socialen Stellung, trotzdem seine ausgedehnten Bernfsgefchäste ihn als Banquier viel in Anspruch nehmen, dennoch hinreichend Muße findet, auf literarisch-talmudischem Gebiete mit großem Erfolge thätig ist, wie sein Werk min bw mm mei *p beweist, das bei seinem Erscheinen von den jüdischen Gelehrtenkreisen mit großem Beifall begrüßt wurde. *) Freiherr von Waldberg liefert uns den Beweis, daß man einen Mann von hoher Stellung und Bildung sein kann, ohne mit den religiösen Traditionen seiner Borfahren zu brechen. AnS Böhrnett. 'Ihr Eorrespondent, welcher über „die Breslauer unter sich" im „Israelit" reserirt, erinnert an die Worte, welche Herr Dr. Vogelstein bei der Rabbinerversammlung in Augsburg gesprochen und erbringt mit denselben den Beweis, daß die Rabbiner in Berlin bei der Wahl ihres. Referenten an den „Löwen" gedacht haben. Worte jedoch sind nur leerer Schall und vergehen wie VVV4UUJ» Ich will die Leser Ihres Blattes mit einer That des Herrn Vogelstein bekannt machen, welche dessen Fähigkeit zum Referenten einer solchen Rabbinerversammlung klarer beweisen wird, als die in Augsburg gesprochenen Worte. Als Herr Bogelstein das Rabbinat in Pilsen inne hatte, starb am 'm 'w.n der Kaufmann R., welcher wohl nicht schlechter aber auch nicht bester war/ als die iibrigen jüdischen Kanfleute Pilsens. Er hielt ü"'i row seinen Laden offen und ließ sich auch durch eine Predigt im Geschäfte nicht stören. Auch im religiösen Wissen stand er den übrigen Kaufleuten Pilsens nicht nach, was so viel sagen will, daß er die Gebete in der Ursprache nicht lesen konnte. Der Verblichene wurde am 'mn nnsar beerdigt und Herr Vogelstein hielt beim Leichenbegängnisse, selbst- *) 2t nm. der:1t eb.: Es wurde diesem Werke auch im „Israelit" die wohlverdiente 'Anerkennung gezollt.