Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1884)
- Date
- 1884-06-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sie sich noch, daß ich einst zu-Ihnen sagte, ich würde, wenn Sie an der Hand meiner Tochter meinen Segen erbitten, Ihnen denselben nicht versagen? Ich glaube, der Moment ist jetzt gekommen." Als August dies vernahm, wollte er ans Bernhardine zustürzen. Diese aber war schon ihrem Vater um den Hals gefallen und rief: „Herzenspapa, habe Dank, unendlichen Dank für dieses beglückende Wort!" Wir könnten nunmehr unsere Erzählung schließen, da wir jedoch ans Erfahrung wissen, daß unsere geehrten Leser und namentlich unsere liebenswürdigen- Leserinnen wissen möchten, wie es den Personen, deren Lebensschicksale ihre Interesse erregt haben, weiter ergangen, so wollen wir noch Einiges-hin-', znfügen. Daß August und Bernhardine ein glückliches Paar geworden, brauchen wir wohl nicht erst zu sagen. Auf dem großen Rasenplätze vor der Villa Löwcnheim spielen jetzt an schönen Sommertagcn ihre Kinder und bekommen dann oft genug erzählt, wie ihr Papa einst von der bösen Bonne Fleure, die ihn für einen Gassenjungen gehalten, hinansgejagt worden sei. Mit wahrhafter Herzensfreude sieht Frau Bndwcis zu, wie ihre Urenkel sich im ^Garten tummeln. Sie hat ihr Gut verkauft und ist zu ihrer geliebten Enkelin gezogen, von der sie sich nicht mehr trennen wollte. — August hatte es abgelehnt, in das Geschäft seines Schwiegervaters einzutreten, er fühlte keinen Beruf zum Banguier. Dagegen ist er bei der Firma Philipp Baumann 'u. Comp, geblieben, die unter seiner Leitung einen ganz bedeutenden Aufschwung genommen. Trotzdem wird die Firma Löwcnheim nicht erlöschen. Wie sehr auch der Baron sich sträubte, August und Bernhardine ließen ihm keine Ruhe, bis er einwilligte, einen neuen Ehebund zu schließen. Es war natürlich eine Tochter Jnda's, die er heimführte. Diese wurde ihm nicht nur eine treue und liebevolle Gefährtin, sie gebar ihm auch einen Sohn, den künftigen Erben leines Titels und seines Geschäfts. — Salomon Solinger und seine Gattin sind hochbeglückt durch das Glück ihrer Kinder; Friederike und Frau Budwcis sind die intimsten Freundinnen, die sich täglich sehen und sprechen müssen. „Wer hätte das gedacht, liebe Friederike," sagt Frau Sarah häufig, „als Sie damals nach dem Tode meiner Tochter mir die Erguickungsmahlzcit brachten, daß sich die Angelegenheiten hier im Hause so günstig gestalten würden." „Ja," pflegte dann Frau Solinger zu antworten, „mein guter Mann hat Recht, wenn er sagt: Nur standhaft das Gute und Rechte gethan, und der allgütige Gott wird schon Alles zum guten Emde führen!" Agathe von Löwenheim, geborene von Wolkenberg, die von ihrem Gatten eine einmalige Absindungssumme von einmalhunderttausend Thaleru erhalten, hat ebenfalls einen neuen Ehebund mit einem hochadcligen ältern Herrn geschlossen. Da ihre Kirche ihr Schwierigkeiten entgegenstellte, so ist sie zum protestantischen Glauben übergetreten. Sie ist gegr,ewärtig eine eifrige Anhängerkn des Herrn Hofpredigers Stöcker, und wenn sie zu antisemitischen Zwecken ihren Beitrag gibt, so pflegt sie mit wahrer Herzensfreude zu betonen, daß ihre Spenden aus dem Vermögen eines jüdischen Banqukers ihren Ursprung herleiten. : Bruno von Wolkenberg konnte sich ans dem Leben, in das er in Berlin hineingeriffen war, nicht mehr emporrasfen. Da brach der deutsch-französische Krieg aus, für Bruno ein wahrhaftes Glück. Er wurde wieder einberufen und starb in der Schlacht bei Wörth den Tod fürs Vaterland. So nahm denn das altberühmte Geschlecht der Wolkenberg ein ruhmvolles Ende. AM— In der nächsten Donnerstag erscheinenden Nummer beginnt die BerSffentlichung der PreiS-Novelle. Räthsel. Mein Wort nur drei, und dennoch welche Fülle Der schönsten Liebe ruht in dieser Hülle; Zu ehren, zu erfreu'« ihn fort und fort Befiehlt das Herz, befiehlt das Gotteswort. Dem Auge Kraft verleihet meine Zweite, Ein Zeichen ift's von manchem bitt'ren Leide; Doch selten gern entbehrt man seines Scheins, Dem Ganzen aber war die Zweite eins. Don Ideen »ach gleich eingesendet von: Rabbiner Tr I. bisner, Neustupow. Heinr. Herz, Hall. A. — h-Stutrgatt. Auslösung ersolgl in Nr. 53. Tie Namen der richtig Lösenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Vormittag den I. Juli »gegangen, in der sollenden Nummer verösjentticbr. Auflösung des Räthsels ans Nr. 49: HtfK (Frau). — (Feueropfer). Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erscheint in der nächsten -Nummer. Hierzu zwei Beklagen. Verantwortliche Redaclwn: I)r. Lehma»» m Mainz. — Verlag und tfypri>Uioii des .ISiaelit* grobe Bleiche 45. I. Goti»leden't Vuchdnuterei (Mainzer Anzeigers.