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Der Israelit · 1884-06-26 · Heft 51 (26.6.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 51 (26.6.1884)
Date
1884-06-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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beit ist. — Eine andere interessante Illustration ist die Abbildung des noch heule erhaltenen Wohnhauses Rabbi Amnous in Mainz des bekannten im elften Jahrhundert lebenden Verfassers des np*n njn:*=Öcktc§. Die interessante Geschichte dieses Gebetes wird in schlichter, ergreifender Weise S. 72 ff. erzählt. Von den sonstigen Erzählungen enthält der Kalender „Das Gemeinde-Kind" von N. Keller, welche bei dem Feuilleton - Ausschreiben lobend erwähnt wurde; ferner eine humoristische Erzählung : „Ga m s u l e t o w a" von Ion. Le hmann, und endlich „Die drei Schödim" von EarlL. Eingclcitet wird der Kalender durch Kalender- Bctrachtung^en" von RabbinerDr. Ehrmann,. die uns in ansprechender Form eine Fülle tiefer Gedanken vorsührcn .über die jüdische Anschauung des Lebens in seinen freudigen und trüben- Wechselsällen, anknüpfend an verschiedene Bibclverse und rabbinische Aussprüche, aus denen uns in überraschend sinnreichen Deutungen der Geist des überlieferten Judenthnms nach Talmud und Schulchan-Aruch im glänzenden Lichte der Wahrheit entgegenstrahlt. Außerdem sind dem Kalender noch Gedichte, talmudische Sinnsprüche, Bonmots und Anccdoten beigegeben, für deren Lectüre auf den Kalender selbst verwiesen werden muß. — An specisisch kalendarischen Neuheiten sei noch die kunstvoll gearbeitete Darstellung eines Zifferblattes erwähnt, welches den Stand der Uhren verschiedener Städte bezeichnet, wenn es in Berlin 12 Uhr ist. Sehr interessant und von praktischem Vortheile ist auch eine Tabelle, welche den Eintritt der Nacht an Sabbat-, Fest- und Fasttagen für viele deutsche und außerdeutsche Städte angibt. Während das Kalendarium anderer jüd. Jahrbücher von nur localem Werth ist, hat es der Jsraclitkalendcr durch diese Tabelle möglich gemacht, daß sein nö in fast allen Gegenden des deutschen Reiches benutzt werden kann. Als werthvolle praktische Beigabe seien noch die nach Hunderten zählenden Inserate erwähnt, welche über die Bezugsquellen aller für das tägliche jüdische Leben unentbehrlichen Gegenstände zuverlässige Auskunft geben. Trotz aller dieser Vorzüge beträgt der Preis dieses Kalenders auch in diesem Jahre nur fünfu nddreißig Pfennige. Dieser Vorzug vor allen andern wird ihm auch dieses Jahr wieder weite neue Kreise eröffnen, und ihm überall eine billige Beurtheilung sichern. -n'b jn nwrn .7>"v> tz'» d'd p'2' Ol'v Ol' Mlvd Trier. Michel Levh. Jüdische Pessimisten von S. Schweinburg Dr. pil. Eine Broschüre. Bei D. Löwy II Praterst. 42. Wien. Pessimismus im Judenthum! Das klingt eigentlich eben so komisch, wie wenn man sagen wollte Atheismus im Judenthum oder dergl. mehr; denn der Pessimismus als philos. Weltanschauung, der die Erde nur als Jammerthal ansieht und deffen Endgedanke cs ist, sich so früh als möglich von der Last des Lebens zu befreien, steht zn demJudenthume, dem Vertreter und wohl auch dem Erzeuger des Idealismus (Vergleiche Schoppenhauers Angriffe gegen das Jndenthum) geradezu im Gegensatz. Schon einer der ersten Verse unserer Bibel: (1, 1, 31) "IKB nsm non to nst '-ttst kv* „Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siche, eS war sehr &utM; verbannt jede pessimistische Weltanschauung aus dem Judenthume. Einen ähnlichen Gedanken finden wir auch von dem Verfasser obiger Brochüre ausgesprochen: „Denn was die deutsche Philosophie als Formel und Baustrahl gegen den Pessimismus gesunden Hachen will, was der kategorische Imperativ uns als rechtes Mittel zur Hebung anbrkngen soll, das haben schon vor mehr als 2000 Jahre jüdische Denker ausgesprochen." Um. so mehr muß es uns daher wundern, wenn Verfasser an der Hand der jüdischen Schriften Nachweisen will, daß sich der Pessimismus in das Judenthum cingeschlichen habe. Am meisten Stoff hiezu geben ihm Hiob und Kohelet. Die Stelle in Hiob (C. 5, 7), die Verfasser zuerst in das Felde führt, ist in der angeführten unrichtigen Uebersctznng „der Mensch ist zum Leiden geboren", freilich eine pessimistische, doch hören wir, wie sie von Rabbenu Obadja Seforno, dem Lehrer Reuchlins erklärt wird. „Der Mensch ist zur Mühseligkeit geboren, aber die Söhne des Feuers erheben ihre Flügel." Der Mensch ist dazu geboren, sich ständig zu bemühen, Gott ähnlich zu werden, fährt er in seiner Erkärung fort, aber die Leidenschaften wollen dies nicht zulassen, und erheben ihre Flügel; jedoch der Mensch muß ringen, bis er diese Leidenschaften überwinden kann, bis er sich zu der Höhe emporschwingen kann, Gott ähnlich, ein Mensch im Ideal, zu werden. Ist das Pessimismus? Und wenn Kohelet ansruft: „Alles ist nichtig und vergänglich, deßhalb fürchte Gott, halte seine Gebote; denn dies ist die Grundlage aller Existenz," (C. 12, 13) so bedarf es wohl kaum eines Commcntars, um darunter zu verstehen, daß alles nichtig ist auf Erden, daß man deßhalb in Gottes Wegen wandeln soll, um des jenseitigen, geistigen Lebens theilhaftig zu werden. Ist das auch Pessimismus? Im weiteren Verlauf der Broschüre werden Stellen in's Feld geführt, bei denen uran mit dem besten Willen keinen Pessimismus finden kann. R. Lcvitas sagt: „Dies ist der Weg der W ks-

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