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Der Israelit · 1884-06-05 · Heft 44-45 (5.6.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 44-45 (5.6.1884)
Date
1884-06-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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(37 delicti kr Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt und werden dieselben — es sind Knochenrcste der Dadaer Leiche — dem anatomischen Institute in Pesth übergeben werden. Die Ober-Staatsanwaltschaft erthcilte zugleich dem Nyiregyhazaer Staatsanwalte die Weisung, die Exrotulirnng sämmtlicher Acten in diesem Monstreprozepe zu verlangen und dieselben der Ober-Staatsanwaltschaft zuzusenden, damit gegen die schuldtragenden Organe der Untersuchung das Verfahren eingelcitet werden könne. Krakau, 28. Mai. Die hiesige mcdicinische Facultät hat bereits dem Strafgerichte ein sieben Vogen starkes Gutachten über die Todesart der Franzisca Mnich überreicht. Dem Vernehmen nach herrschte zwischen dem Referenten desselben (der in vielen Punkten mit dem diesbezüglichen, dem Obersten Gerichtshöfe vorgelegten Gutachten des Wiener Profeffors Hofmann übereinstimmte) und den Mitgliedern der gedächten Facultät eine wesentliche Meinungsverschiedenheit, in Folge desicn der Referent von seiner Funktion zurücktreten wollte. Da die Anklageschrift noch nicht verfasst und der Staatsanwalt Ergänzungen, betreffend den Plan des Thatortes, zu verlangen beabsichtigt, ist es zweifelhaft, ob die Schlnßverhaiidlung in der Iuni-Cadenz stattsinden wird. etzt sterben Feuilleton. Kur standhaft! XLV. Mit rasender Schnelligkeit fuhr der Eourrierzug dahin. In einem Eoupk erster Klage säst August Litauer; er war ganz allein, und es war ihm lieb, das; er allein war; so konnte er ungestört seinen Gedanken nachhängen. Was Alles hatte er in den jüngstverflogcnen Wochen erlebt! Frau Budweis war, nachdem sie von ihrem Augenleiden vollkommen genesen, mit ihrer Enkelin nach ihrem Gute zurückgekehrt. August hatte die Damen dorthin begleitet und stand jetzt im Begriff, nach Hause zu reisen. Die Geliebte hatte ihm versprochen, unter allen Umständen, die Seine zu werden und nicht zu rasten, bis der vermuthliche Widerstand ihres Vaters besiegt sein würde. August fühlte sich unaussprechlich glücklich. „Herr mein Gott", sprach er in seinen Gedanken, „wie kann ich Dich genug loben und preisen für Deine gnädige Fügung.! Meines Herzens heißesten Wunsch hast Du erfüllt, und wenn ich sollte." Plötzlich erfolgte ein furchtbarer Ruck. August wurde von feinem Sitze anfgcschlendert und zu Loden geworfen. „Gott im Himmel", rief er, „das ist ein Zusammenstoß!" Er stand auf und fühlte sich unverletzt. „Gelobt sei Gott", sprach er, „der mich dem Verderben nicht hat preisgcgcben!" Er öffnete dasConpöe und sprang hinaus. Ein furchtbares Bild der Zerstöumg bot sich seinen entsetzten Blicken. Der Eourrierzug war mit einem andern Zuge znsammengestoßcn. Die Locomotive und die vordcrn Wagen beider Züge waren zertrümmert. Herzzerreißendes Jammergeschrei erfüllte die Lüfte. Verwundete krochen ächzend und klagend aus den Trümmern hervor. Einzelne menschliche Körpertheile lagen zerstreut umher. Blut floß in Strömen. Sinnlos rannten die Unverletzten hin und her. Nur wenige Besonnene, unter ihnen August Lisfauer, suchten zu retten und zu helfen. Die Trümmer der zerbrochenen Wagen wurden, soweit es möglich war, hinweggeräumt, Schwerverwundete wurden von den sie beengenden Wagentheilcn befreit und ins Freie getragen. August war ganz von Blut überströmt. Roch mehr als der Eourrierzug hatte der aridere Zug gelitten. August begab sich dorthin. Es war ein schrecklicher, grausenerrcgender Anblick; Mütter suchten unter Ausrufungen der fürchterlichsten Verzweiflung ihre Kinder, Kinder riefen jammernd nach ihre» Eltern. Hier gab es noch mehr zu thun als bei dem Courrierzuge. Glücklicher Weise waren einige Aerzte im Zuge gewesen und unverletzt geblieben, die sich der Schwcrvcrwundeten annchmen foimteii. Aus einem benachbarten Dorfe eilten die Bauern herbei. Tragbahren wurden hergcftellt, Verbandzeug herbeigcbracht. Lissauer ging den Acrstcn zur Hand und suchte zu helfen, wie er nur konnte. Da hörte er seinen Namen rufen; er drehte sich um. Auf dem Rasen lag ein armer Pole, dem das rechte Bein zerquetscht war. August eilte zu ihm hin. „Lemaan haschem!" rief der Unglückliche, „Helsen Sie mir, Herr Lipauer, habe ich doch erst Schabbcs gegessen bei Ihrem Vater, dem guten, gebenschten Herrn Salomon Solinger!" August rief einen der Aerzte herbei, der das Bein des Verwundeten untersuchte. „Es ist nicht so sehr schlimm", sagte der Arzt, „wenn die Splitter eilig entfernt und die Wunde bald gereinigt wird. Sonst freilich kann leicht der! Brand hinzutreten und der Mann ist verloren."

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