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Der Israelit · 1884-06-05 · Heft 44-45 (5.6.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 44-45 (5.6.1884)
Date
1884-06-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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738 „„LieberHerr Doktor"", sagte August, „„helfen Sic dem Manne! Es. ist ein alter Bekannter von mir, den ich schon seit meiner frühesten Jugend kenne."" Der Arzt machte sich ans Werk; die Wunde wurde gereinigt; ein in der Nähe befindlicher Bach lieferte das nöthige Wasser. „So," sagte der Arzt, „jetzt werde ich einen Nothvcrband anlegen. Dann lassen Sie den Mann ins Dorf tragen und zu Bette bringen. Ich werde nachher hinkommcn und den Verband erneuern. Ich denke, in acht Tagen wird der Mann seine Reise fortsetzen können." Eine Tragbahre war bald beschafft, und der Verwundete wurde ins Dorf getragen. Lissauer begleitete ihn. In dem einzigen Wirthshause des Dorfes war kein 'Raum mehr; es lag alles voll mit Schwerverwundeten. Auch die Bewohner der stattlichen Bauernhäuser gaben vor, keinen Raum mehr zu haben. Sie hofften, andere Gäste zu bekommen und weigerten sich deßhalb, den armen, polnischen Juden aufzunehmen.: So wurde der Unglückliche durch das ganze Dorf getragen. Am andern Ende desselben bemerkte August an dem Thürpfosten eines ärmlichen Hänschens eine Mesusah. „Gottlob", sagte er, „hier wohnen Juden." Er trat ein. Eine ärmlich gekleidete Frau, mit einer schwarzen Sammetbinde um die Stirne, kam ihm entgegen. „Liebe Frau," sagte August, „ich bringe hier einen Schwerverwundeten. Nehmen Sie ihn ans, es soll Ihr Schaden nicht sein." „„Ach Gott"", entgegnete klagend die Frau, „ich bin eine arme Wittwe und habe nur ein einziges Bett!" „Geben Sie dieses einzige Bett dem Kranken! Ich gebe Ihnen Geld, damit Sie sich ein anderes verschaffen können!" Auf einen Wink Lissaucrs trugen die Bauern den Verwundeten, der laut ächzte und stöhnte, in das Hänschen und legten ihn in das Bett. August belohnte sie reichlich. Bald nachher kam der Arzt. Von der nächsten Station hatte man Aerzte und Verbandzeug geschickt; so war er am Schauplatze des Unglücks entbehrlich geworden. Nochmals untersuchte der menschenfreundliche Doktor die Wunde, reinigte sie mit großer Sorgfalt und legte den festen Verband an. „So," sagte er. „Sie können diesem jungen Herrn nicht genug danken; er hat Ihnen das Leben gerettet. Bleiben sie ruhig im Bette und nehmen Sic kräftige Kost. Am dritten Tage wird. sich ein wenig Wundfieber einstellen, das hat aber nichts zu bedeuten. Nach neun Tagen dürfen Sie aufstehen und den Verband abnehmen. Dann werden Sie vollkommen genesen sein." Der Arzt wies jede Belohnung zurück und entfernte sich, von den Segenswünschen des Kranken begleitet. August gab der Wittwe eine Summe Geldes, damit sie sich ein anderes Bett und dem Kran-' ken die nothwendige Pflege, verschaffe. „„Herr Lissauer"", sagte der Verwundete, „„wie werde ich Ihnen können danken genug, daß Sie mir haben gerettet mein Leben! Ohne Sie wäre ich gekommen um auf dem Feld wie ein Zwi schowür, wie ein Hirsch, der da hat gebrochen sein Bein!"" „Halten Sie sich ruhig, Rabbi Pinchas! Was ich gethan, war nicht mehr als Schuldigkeit. Sind wir doch alte Bekannte!" „„Ja, habe ich doch gefunden gute Aufnahme immer in Ihres Vaters Hans, und waren Sie doch schon ein herzig Jüngle, wie Sie waren eben Barmizwoh!"" „Sie waren Samstag in D.? Ich bin feit lange fort. Was gibt eö Neues in meiner Heimath?" „„Viel, viel Neues! Ich wer Ihnen verzählen! Sie werden hören und staunen!"" (Fortsetzung folgt.) Räthsel. Viel' große Männer habe ich errungen. Und ich bezwang so manches starke Eorps, Aus tiefem Herzen heiß hervorgerungen, Steig' ich zum hohen Himmel schnell empor. Raubt Dir die Angst, dieNoth den süßen Schlummer, Bist Du gebeugt, zermalmt, verzweifelst Du, Zerqnält Dein He^ ein dumpfer, schwerer Kummer, Und ich erschein' — und mit mir kömmt die Ruh'. Auslösung erfolgt in Nr. 47. Tie Namen der richtig Losenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Vormittag den IN. Juni zngegangen, in der folgendenNummer verönentlichr. Auflösung des Räthsels aus Nr. 42: ~v\ Der Redliche, '"en, Der Eommentator. Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: I)r. Lehmann in Mainz. — Verlag und (krpedition des „Israelit" gr. Bleiche 4L. I. GvllSleben's Buchdruckern (MainzerAnzeiaer).

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