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Der Israelit · 1884-06-05 · Heft 44-45 (5.6.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 44-45 (5.6.1884)
Date
1884-06-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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736 legte uns die Pflicht auf, der Korbflechterei in unserer Wcrkstättc eine erhöhte Sorgfalt zuzmveudeu, bas Lehrziel in diesem Zweige des technischen Unterrichtes zu erweitern und die Methode nach dem Vorbilde des technologischen Gewerbe-Museums umzugestalten. Auch in der Bürstcnbinderei hat unser unermüdlicher Werkmeister Josef Holzmann insbesondere durch die Anwendung neuer, von ihm für den Gebrauch von Blinden eingerichteter Instrumente wesentliche Verbesserungen herbeigeführt, welche die Leistungsfähigkeit der jungen Handwerker bedeutend erhöhen und der Bürstenbinder«, die sich immer mehr als ein vortheilhaftes Gewerbe für Blinde erweist, einen neuen Aufschwung verleihen. Diese Instrumente esMarben sich auf der Ausstellung des Blindenlehrer-Eongresses in Frankfurt am Main im Jahre 1882 die lebhafteste Anerkennung der Fachmänner und fanden in mehreren Instituten Eingang; die neueröffneten Werkstätten der „Societö des atcliers d'sveugles" in Marseille und die „Ecole professionelle d^MeWleZ" M Paris hatten wir mit Collccliv-Einrichtimgen für Bürstenbindern zu versehen. ~ . Der technische Unterricht bat zum Gegenstände: das Bürstenbinden, das Korb- und Soffelflech len, das Mattenschlagen und das Rouleauxlveben. Wer an einem Arbeitstage in die Werkstätte unseres Institutes tritt und das frohbüvegte Leben, welches unter den jungen, blinde» Handwerkern herrscht, den freudigen Pflichteifer der Vorgeschrittenem das Nachstreben der Anfänger und die gespannte Aufmerksamkeit der Lernenden beobachtet, der wird die Neberzeugnng gewinnen,, das; an dieser Statte eine der bedeutungsvollsten Erziehungs-Arffgabe vollbracht wird, indem hier nicht allein alle Fähigkeiten des blinden Zöglings ausgebildet werden, welche ihn zum nützlich wirkenden. seWLändMn Menschen machen, sondern auch alle Tugenden, welche Hu mit Selbstvertrauen und Selbstachtung erfüllen Md Hm _ eine der kräftigsten Stützen für seinen. Leöensgang bieten. Bezeichnend für den bedeutenden erziehlichen Einfluß, welchen die Werkstättc ansübt, ist gewiß der Umstand, daß selbst blinde Kinder, welche vor ihrem Eintritte in die Anstalt das traurige Geschäft eines Bettlers geübt haben und darum MmUs zedor Awrrblichcn Beschäftigung abhold warcs. durch bk Arbeitsfrei!- digkcit ihrer Gcuoffcn rasch arrd dsurrvd für die Arbeit gewonnen wurden. Die Werkstättc bietet, wenn sie im Geiste des PckÄoMchru Erzichnngsvrinzipes anfgefaßt und geMet wird, dem blinden Kinde die Gelegenheit, die ehrenhaften Gesinnungen, welche das Ergebnis; des erzichlichen Unterrichtes sind, durch die That.zu üben, und so wird dieselbe nach den verschiedensten Richtungen zu einer Vorschule des Lebens. Auch die materiellen Erfolge, welche durch den technischen Unterricht erzielt wurden, waren erfreulich. Der Erlös für verkaufte Waaren betrug: iin Jahre 1881 fl. 2769.46 „ „ 1882 „ 3146.47 „ „ 1883 „ 2961.22 Tie Gcsannntersparniffe der Zöglinge, welche n der niederösterreichischcn Sparkasse angelegt sind, betragen fl. 3118.63; auf die derzeit im Institut befindlichen Zöglinge, entfallen hiervon fl. 900.10. Die älteren Zöglinge wurden in der einfachen Buchhaltung unterwiesen und so befähigt, ihre geschäftlichen Ausschreibungen ordnungsmäßig einzurichten. Als einen weiteren segensreichen Erfolg unserer Werkstätte betrachten wir es, daß es uns gelungen ist, jungen Leuten, welche durch Erblindung aus ihrem Wirkungskreise gerissen worden sind, dadurch wieder zu einem Erwerbe zu verhelfen, daß sie in unserem Institute ein Handwerk erlernten. Die weiblichen Handarbeiten hatten einen recht guten Erfolg. Die blinden Mädchen haben - km t Stricken, Hackeln, Netzen und Nähen erfreuliche Fortschritte gemacht; das Maschinennähen konnte aus Rücksicht auf die Körperbefchaffenheit der blinden Mädchen erst in diesem Schuljahre wieder in Angriff genommen werden.' Die weiblichen Handarbeiten haben den Zweck, die Brauchbarkeit der blinden Mädchen für den Haushalt zu erhöhen, Mußestunden nützlich auszufüllen und einen Nebenerwerb zn ermöglichen; den Lebensunterhalt sollen unscrere Mädchen gerade so wie die Knaben durch die Ausübung eines Handwerkes — der Bürstenbinderei, der Korb- und Sesselflechterci und des Roulcauxwebens — finden. Dem Leben des Hauses wird besondere Weihe durch die verständnißinnige Weise verliehen, in welcher die Zöglinge die religiösen Feste begehen. Au Sabbat und Festtagen wird im Betsaale ein feierlicher Gottesdienst abgchalten, welcher am Neujahrs¬ und .Versöhnungstage ein öffentlicher ist, wodurch den Zöglingen Gelegenheit geboten wird, ihre Andacht mit einer Gemeinde zn verrichten; das Chanukascst, an welchem die blinden Kinder reichlich beschenkt und bewirthet werden, ist ihnen ein wahres Freudenfest. Pesth, 4. Mai. Die Ober-Staatsanwaltschaft erhielt gestern vom Gerichtshöfe inNyiregyhaza das llrthcil des Obersten Gerichtshofes im Tisza-Eszlarer Proceffe zngcstcllt. Unter einem wurden die vorpor»

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