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Der Israelit · 1884-06-05 · Heft 44-45 (5.6.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 44-45 (5.6.1884)
Date
1884-06-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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735 Dtrafibrirg im Elsaß. In Nr. 43 Ihres gcsch. Blattes bringen Sie eine Korrespondenz, die über eine ftattgchabtc Schnleinwcihung berichtet. Wenn es darin heißt: .Herr Dr. Staripolsky hielt dann die Einwcihungsprcdigt, die auch seine letzte in unserer Gemeinde war", so will das nicht besagen, daß er überhaupt n;n keine Predigten mehr halten könne, sondern nur, daß er seine Stelle als Rabbiner jener Gemeinde niedcrgelegt habe. Nach wie vor entfaltet Herr Dr Staripolsky in hiesiger Stadt sein wohlthätiges Wirken für echtes Jndcn- Lhum. Die von ihm gegründete Religionsschule erfreut sich bereits einer Zahl von fünfzig Schülern und liefert schöne Resultate. An dem «nm -y.yv, den Herr Doktor viermal die Woche abhält, bethciligen sich mehr als ein i\jq eifriger Männer und Jünglinge, sowohl Kaufleute als auch Studenten der hiesigen Universität. Ihre gcsch. Leser wird cs gewiß freuen, hieraus zu erfahren, daß das „Lernen" sich nun auch hier eine Heimstätte, gegründet hat. — ml— Ocstcrr.-Ungar. Monarchie. Wie». Der Abgeordnete Aufpitz hat sich bei der Debatte über das neue Gcwcrbegesetz das Verdienst erworben, mit scharfen Worten dem Antisemitismus zu Leibe gegangen zu sein. Man wird dies um so höher anschlagen müssen, wenn man sich bewußt ist, mit welch' elementarer Kraft sich die Doctrin in den Hallen sogar des Parlamentes zur Geltung zu bringen gesucht hat. Die unerhörten Angriffe, deren sich die Juden in der letzten Zeit von * einer /Seite zu erwehren hatten, haben es längst gerechtfertigt, daß ihnen mit Energie cntgcngetrcten wurde. Es ist eine der verwerflichsten Maximen unserer antisemitischen Wortführer, daß sie tief in das Leben einschneidende Tagesfragen, welche in begreiflicher Weise die Massen des Volkes berühren, mit der Judenfrage verquicken, um so die gehörig präparirten Gemüther für ihre Sache zu gewinnen. Wien. Dem Bericht über das israelitische Blindcn-Jnstitut auf der Hohen Warte bei Wien, für die Jahre 4881, 82, 83 entnehmen wir: In diesem Zeiträume erhielten 45 Zöglinge — 35 männliche und 10 weibliche — Erziehung und Unterricht. Derzeit befinden sich 37 Zöglinge in der Anstalt. - Auch in dem letzten TricnUium haben mehrere Zöglinge, und zwar 6 an der Zahl, die Anstalt verlassen, um im practischen Leben die Keimtnissc und Fertigkeiten zu verwerthen, welche sie in der Anstalt sich angeeignet haben. Bon den Zöglingen, welche in früheren Triennien, in den Jahren 1877, 1879 und 1880 ausgetreten sind, können wir berichten, daß dieselben. mit Fleiß und Erfolg der Ausübung ihres Handwerkes obliegen und sich in jeder Beziehung einer mustergiltigen Lebensführung befleißigen. Die Ergebnisse, welche wir von der Thätigkeit der in unserer Anstalt ansgebildeten Zöglinge verzeichnet haben, bestärken uns neuerdings darin, als das höchste Ziel unserer Anstalt die Heranbildung von Menschen anzustreben, welche für den Kampf des Lebens mit wahrhaft religiösem Sinn, mit ehrenhaften Grundsätzen, mit gründlichem, veredelndem Wissen und mit der Fähigkeit ausgerüstet sind, durch die Ausübung eines Handwerkes mit dein täglichen Brote. auch die achtungsvolle Thcilnahme alle'- guten Menschen zu erwerben. Die im Institut bisher geübte Lehrmethode immer wirkungsvoller zu gestalten , insbesondere das Wissen der blinden Kinder, ans realen, selbstständig erworbenen Vorstellungen -zu begründen, ihre.Darstellungsgabe und ihre manuelle Fertigkeit zu entwickeln und zu erhöhen, war die Alffgabe aller, welche sich am Unterrichte bctheiligten. Zu diesem Zwecke wurde die Lehrmittelsammlung nach Kräften vermehrt, wurde die Bibliothek bereichert, wurden die Zöglinge angehalten, in Haus und Garten, insbesondere aber auf den Werkstätten der verschiedenen Handwerker Beobachtungen anznstcllen und Anschauungen zu gewinnen. Zu diesem Zwecke, erfuhr auch der Lehrplan durch die -Einführung des Handfertigkeits- Unterrichtes eine Erweiterung. Dieser Unterricht hat in der Blindenschule die Aufgabe, den Mangel nachahmcndcr Thätigkeit der blinden Kinder durch methodisch geregelte Belehrungen und Hebungen auszngleichen, er zielt auf die Entwicklung, Hebung und Ausbildung der manuellen Geschicklichkeit, insbesondere in Beziehung auf den Gebrauch der wichtigsten Werkzeuge und auf die Bearbeitung der verschiedenen Materialien ab; er verleiht dem blinden Kinde eine wirkungsvolle Vorübung für.die technischen Arbeiten, durch welche der Zögling die Erwerbsfähigkeit erlangen soll, und für 'welche diese Art des Handfertigkeits-Unterrichtes die unentbehrlichen Voraussetzungen schafft. Modcllircu und Zeichnen, welche seit Jahren in unserer Anstalt als selbständige Disciplincn betrieben werden, bilden einen wesentlichen Thcil dieses Unterrichtes. Tic Gegenstände des literarischen Unterrichtes sind: Religionslchre, biblische Geschichte, hebräisch Lesen und Uebersetzcn, deutsche Sprache, Rechnen, geometrische Formenlehre, Naturgcrschichtc, Naturlchre, Geografie und Geschichte, Zeichnen, Modellircn. Die bedeutende Entwicklung, welche die Korbwaaren-Jndustrie' in Oesterreich durch das technologische Gewerbe-Museum in Wien genommen hat,

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