Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 44-45 (5.6.1884)
- Date
- 1884-06-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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734 gegen die Inden Luft '.nachte. Die wenigen Jahre der bürgerlichen Freiheit und Gleichheit hatten die Juden das Entwürdigende der alten Fesseln, die man überall für sie wieder hcrvorsnchte, doppelt und dreifach schmerzlich empfinden lassen. Ucberall standen die Schergen der Rohheit und Gewalt bereit, um im Namen der Dcutschthümelei, wie sie sich damals breit machte, die ''von den Franzosen den Inden zuerst Anerkannten Menschenrechte ihnen wieder zu entreißen. Die menschenwürdige Stellung im Staatsleben anzustrebcn, sie zu erhalten und für ihre Erhaltung in Schrift und Wort zu kämpfen, diese natürlichen Regungen des Selbsterhaltungstriebs wurden den Inden als Liebäugeln mit den Franzosen und als eine Verleugnung ihres Dcutschthums Ungerechnet. Es war leider keine abergläubische Gcspensterfurcht, wenn die Juden damals an die Möglichkeit glaubten, daß die alten Gespenster der Ghetti's, des Leibzolls, der gelben Tuchfleckcn auf der freien Männerbruft, wieder concrcte Gestalten annehmen, wer will es ihnen in solcher Lage als Verbrechen anrechnen, wenn sie selbst den Strohhalm nicht verschmähten, um ein Rcttnngsscil daraus zu flechten, wenn sie Alles aufbotcn, mit vor aller Welt zu bekunden, daß zwischen ihnen und ihren Mitbürgern kein Unterschied bestehe, daß sie selbst zur Orgel griffen, um damit Zusagen, sie verehren denselben Gott auf dieselbe Weise, wie er von ihren christlichen Mitbürgern verehrt wird?! „Ich nicht, ich gewiß nicht," unterbrach ich den in Eifer gcrathenen Freund, indem ich ihm innig die biedere Rechte drückte. „Ich finde cs ganz begreiflich, ja ich finde es ganz gerechtfertigt, wenn man vor die Alternative gestellt wird, von den Ehristen. entweder Ghettos, Leibzölle und Kleiderstcckcn im Leben, oder eine Geschmacklosigkeit in der Synagoge anzunchmcn, daß man sich für die letztere entscheidet. Aber ich begreife auch, daß es große ansehnliche Kreise innerhalb der Jndenheit gibt, die diese Ansicht nicht theilen und sie scharf bekämpfen. Ich begreife dies um so mehr, als die trüben Erfahrungen der jüngsten Jahre doch auch den eingefleischtesten Orgelpanegyrikcr überzeugt haben müssen, wie wenig die Verchristlichung des israelitischen Cultns cs vermocht hat, den Judenhaß zu unterdrücken. Wenn man die Juden haßt, weil sie Juden sind, so können sie durch Einführung von Orgeln sagen: was uns zu Juden macht, ist die Eigenart mit der wir Gott verehren, wie cs in den Kirchen geschieht, also hat der Haß keine vernünftige Begründung. Wenn man aber die Juden haßt, weil sie Semiten sind, was dann? Semite bleibt man, wenn man auch alle Synagogen mit Orgeln tapezieren würde, wenn jeder jüdische Finanzbaron sich ein ganzes Orgel-Register in seiner Villa ansstellt. Semite bleibt man, wenn man sich nicht die Nase abschneidcn und die orientalische Gluth der schwarzen Augen auslöschen läßt, mit der Euch der liebe Gott, als seine Avant - Garde, ausgezeichnet hat. Wahrlich, jener ammonitische König, der mit den Kindern Israels ein Vündniß schließen wollte, wenn sie sich alle ein Auge ansstechcn lassen, war doch noch um 200 pEt. gnädiger als die Herren Anti-Semiten, die beide Augen und noch die Rase fordern." (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenze». Deutschland. Frankfurt a. M., im Mai. Wenn auch unliebsamer Weise verspätet, halten wir es doch für unsere Pflicht noch nachträglich des am 9. Nissan d. I. dahier verschiedenen Lazarus Eschelbach er aus Hardheim in Baden an dieser Stelle zu gedenken. Schon von frühester Jugend an war er an rastlose Thätigkeit gewöhnt und obschon zum Geschäfte erzogen und durch die Verhältnisse sehr davon in Anspruch genommen, gab er sich dennoch eifrigst dem Studium der Thora und des Talmuds hin. Nach rastlosem Schaffen und Wirken und redlich bemüht um das Wohl einer zahlreichen Familie, wobei er sich durch größte Rechtschaffenheit und Ehrenhaftigkeit die Liebe und Achtung nicht allein seiner Glaubensgenossen, sondern von Seiten aller, die mit ihm in Berührung kamen, erworben hatte, zog er endlich, nach dem Tode seiner Frau und selbst leidend nach Frankfurt a. M., um den Abend seines Lebens bei mehreren feiner Kinder, welche zuvor fast alle fern von der Heimath waren, beschließen zu können; hier füllten rrat OHDn ro-’Dii miajn' seine ganze Zeit aus und er fand darin auch jederzeit die höchste Befriedigung. Zur frühesten Tagesstunde fand man ihn beim Lernen und obgleich ihm bei seinem gebrechlichen von Arbeit und Alter geschwächten Körper das Gehen sehr schwer siel, so unterließ er es doch nicht, solange er cs nur mit Aufwand aller Kräfte vermochte, jeden Tag die Synagoge Morgens und Abends regelmäßig zu besuchen. Leider blieb dem edlen Greise auch der bittere Kummer nicht erspart, daß ihm ein einziger hoffnungsvoller und braver Sohn, nachdem er denselben hatte lauge und schwer leiden sehen müssen, im blühenden Alter von 26 Jahren entrissen wurde. Diesen schweren Schlag ertrug der alte Vater zwar mit frommer Ergebung, aber er vermochte ihn nicht zu überwinden und so folgte er ein Jahr darauf, dem Sohne in ein besseres Jenseits nach. .-r"2"rr"r"c,