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Der Israelit · 1884-06-05 · Heft 44-45 (5.6.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 44-45 (5.6.1884)
Date
1884-06-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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r33 einen schlechten Menschen gehalten, als ich Dir den Lohn verweigerte. — Nicht doch, antwortete der ehemalige Diener, ich habe nicht einen Augenblick an der Wahrheit Deiner Worte gezweifelt. wiewohl der ankere Anschein ihnen zu 'widersprechen schien. — „In der Thal," sagte der Herr, „ich war an jenem Tage ein armer besitzloser Mann. Um meines Sohnes Hyrkanos willen, der sich weigerte, sich mit dem Studium der. Thora zu beschäftigen, hatte ich ein Gelübde gethan und all mein Vermögen dem Heiligthume geweiht. Nun aber haben meine Geringen mir das Gelübde gelöst, da es. ein übereiltes war, und da ich wieder Herr meines Vermögens geworden, habe ich mich beeilt, meine Schuld bei'Dir abzutragen. Wie Du mein Thun mit Wohlwollen beurtheilt hast, so möge Dir Gott, einst ein gnädiger Richter sein!" (Forts, folgt.) ßhristliche Stimmen über die'Verwendung der Hrgek beim Gottesdienste. B0N Paul Frischung. IV. Das; mein Freund seine Ansicht über die Verwendung des Orgelspiels beim Gottesdienste vollständig aufgegeben und die meinige aeceptirt hat, ist bereits oben bemerkt worden. Indem ich diese Umwandlung hier coustatire, mutz ich jedoch bekennen, das; derselbe weniger durch meine Argumente, als durch die zufällige Anregung an und für sich veranlagt wurde, welche ihn bestimmte, selbst über die Sache nachzudenken und sich so sein eigenes Urtheil zu bilden. Sein schwärmerisches, wahrhaft religiöses Gemüth glaubte in der That, den Gottesdienst, dessen Führung ihm nun seit länger als zwei Dceenuien in einer der größten israelitischen Gemeinden obliegt, erfahre durch die Begleitung des Orgelspiels eine Hebung und Veredlung. Die Einführung der Orgeln in die Synagogen war seit dem ersten Viertel unseres Jahrhunderts und der streng kirchlichen Richtung, die nach 1815 immer intensiver auftrat, eine Forderung der Zeit geworden, der man nur gedankenlos zu folgen brauchte, um ebenfalls ans der Höhe der Zeit und ihren Forderungen zu stehen. Bedenkt man, daß in diese Zeit auch die Kämpfe um die Emancipation der Israeliten fielen, daß, wenn dann die „Unreife" der Israeliten für die bürgerliche Gleichberechtigung von den Gegnern geltend gemacht wurde, dies ausgesprochener und unausgesprochener Maßen immer mit einem Hinweis auf die „Jndenschnl" geschah, so lag das Bedürfnis; seitens der Israeliten nahe, ihren Gottesdienst ein demjenigen ihren christlichen Mitbürgern ähnliches, äußere Gepräge zu geben. Die Reden der Judenfeinde in den Kammern und Parlamenten sollten durch Orgelpfeifen übertöut werden. Ob es recht, würdig, pietätvoll seitens der Inden gehandelt war, die Eigenthünilichkeit ihres Eultus in den Kauf zu geben, um politische und sociale Vortheile dagegen einzuhandeln, darüber ein Urtheil abzngeben, bin ich nicht competent. Aber ich muß mir sagen: Wenn der politische Druck so schwer und die Sehnsucht nach seiner Beseitigung so stark war, daß man diesen Bedenken keine Rechnung trug, so kann man sich nicht wundern, wenn gar die Bedenken, die vom gesanglichen und musikalischen Gesichtspunkt aus gegen die Orgel im Gotteshause vorliegen, keine Beachtung, ja nicht einmal Gehör fanden. Wenn Jemand' gegen den Gebrauch der Gewehre und Kanonen an Kriege eiferte, weil ihr .Knallen und Dröhnen das Ohr er-, schreckt und jedes musikalischen Wohllauts entbehrt, dann würde man so lächelnd trotz dieser Schwärmerei weiterschießen, wie man die Orgeln weiter in der Synagoge eultivirte, trotz der Bedenken, welche die Koryphäen des Gesanges und der Musik dagegen erhoben haben. Die Orgel in der Synagoge sollte mehr der Politik als der Religion dienen. Daß man dann aus der Noth eine Tugend gemacht und sich und andere beredet hat, durch die Orgel werde der Gottesdienst veredelt und gehoben, ist selbstredend. Ohne es zu wollen, hatte ich meinen Freund durch diese Anseinandersetzung tief verletzt. Er protestirte dagegen, daß seine Begeisterung für die Orgel als ein Schacher mit Religion zur Erlangung politischer und socialer Vonheile verdächtigt werde. Auch seinem Vorstand, obwohl er mit den Gesetzen des Indenthums sonst ans recht gespanntem Fuße lebe, läge eine solche Gesinnung fern, ebenso wie den anderen Gemeinden, welche die Orgel in ihre Synagogen eingesührt hätten. Bei der ursprünglichen Einführung der Orgel in die Synagogen in den ersten Deeennien unseres Jahrhunderts, dürsten ahn-, liche Beweggründe wohl mit gewirkt haben, aber man müsse doch auch erwägen, was damals auf dem Spiele stand. Durch die napoleonische Invasion in Deutschland sei auch der Jude zum ersten Male für die Zeit ihrer Dauer ein freier, seinen christlichen Mitbürgern gleichgeachteter Mensch geworden. 'Napoleon, der alle Menschen nicht gleich geachtet, sondern alle gleich verachtet habe, habe, vielleicht weniger ans Achtung gegen die Inden, als ans Verachtung gegen sämmtliche Staatsbürger, alle über einen Kamm geschoren, alle bürgerlich gleichgestellt. Kaum aber war Napoleon niedergeworfen, als die über Deutschland hereingebrochene politische und religiöse Neaction, sich sofort in den alten Ausnahmegesetzen

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