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Der Israelit · 1884-06-05 · Heft 44-45 (5.6.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 44-45 (5.6.1884)
Date
1884-06-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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UBB19 732 Josua den Pcrachja sagte: Verschaffe Dir einen! Lehrer, erwirb Dir einen Genossen und beurtheile das Thnn aller Menschen mit Wohlwollen." -onnn “rxi in ' p»D; pmn nbtx wj | \ \o Kwnn *\xi yvrb! „Nittai aus Arbela sagte: Entferne Dich von einem bösen Nachbar, wähle Dir nicht einen Frevler zum Genossen und glaube nicht, daß die Strafe ansblcibt." Josna ben Pcrachja lehrt: Verschaffe Dir einen Lehrer. Dagegen warnt Nittai: Wenn der Herr und Meister in Deiner Stadt dem Bösen zngethan ist, so halte Dich fern von ihm. Josna lehrt: Erwirb Dir einen Genossen. Dagegen warnt Nittai: Sei vorsichtig in der Wahl Deines Freundes und geselle Dich nicht zu einem Frevler. Josna lehrt: Venrtheile das Thun aller Menschen mit Wohlwollen. Dagegen warnt Nittai und spricht: Las; Dich von zu großem Wohlwollen nicht zu der irrigen Meinung verleiten, daß die Strafe ansblcibe. — Wir glauben, das Nichtige zu treffen, wenn wir annehmen, daß Nittai im Hinblicke auf die Saddueäer seine Sentenzen ausgesprochen. Doch davon später. Wir wollen uns zunächst mit dem Aussprüche Josna's beschäftigen. m ,n»y „Mache Dir, verschaffe Dir einen Herrn, einen Meister, einen Lehrer." Lernen, lernen, lernen, das ist der erste Beruf des Juden; lernen von der frühesten Jugend an bis zum letzten Athcmzuge. Und wenn Du ein Mann geworden, ja, ein großer, bedeutender, hervorragender Mann, so verschmähe es dennoch nicht, die Autorität Anderer anzuerkenncn, Deine Kenntnisse durch sie zn vermehren, Dein Urtheil durch sie berichtigen zu lassen. Wer war größer als David, der Mann nach dem Herzen Gottes, der große Kriegsheld, der gottbegeisterte Sänger, der würdige Schüler des Mannes, der Moscheh und Aron gleichgestellt wird, des Propheten Samuel! Und dennoch wird von David erzählt (Berachoth 4 a.), daß er einen Jüngeren, Mcphiboscheth, den Sohn 1 eines Freundes Jonathan, einen der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit, zu seinem Lehrer erwählt habe. Mit ihm berieth er und überlegte er Alles, und wenn eine Entscheidung, ein Urthcil von ihm verlangt wurde, so fragte er zuvor bei Mephiboschcth an und schämte sich nicht, sein Nrtheil durch ihn berichtigen zu lassen. — Manchmal verfallen gerade große und bedeutende Männer in den vcrhängnißvollen Fehler, daß sie eine zu große Meinung von sich selber haben, sich für unfehlbar halten, nur ihre eigene Ansicht gelten lassen wollen und dadurch über sich und andere viel Ungemach bringen. Ein solcher Fehler ist oftsmals durch die Verhältnisse bedingt. Große Männer pflegen von Bewunderern und Schmeichlern umgeben zu sein, die Alles gut und recht und schön und bewunderungswerth finden, was Jene sagen, schreiben „oder thun. Daher ruft Josua ben Pcrachja einem Jeden zu: m -p mry, verschaffe Dir einen Lehrer, Herrn und Meister. Bist Du gering an Wissen und Können, so suche Dir den rechten Mann, der Dich zu belehren im Stande ist. Aber, selbst wenn Du groß und bedeutend bist, so verschmähe es nicht und schäme Dich nicht, Dich mit Andern zu berathen. Dein Uriheil danach zu bemessen und Dein Thun und Lassen danach einzurichtcn. . -an i“? n:pi „Und erwirb Dir einen Genoffen!" Erwirb Dir einen Genossen, um mit ihm gemeinsam in der Gotteslehre zu forschen.^ Wichtiger noch als der Lehrer sind die Genosteu beim Studium der Gotteslehre. Der Austausch der Meinungen Gleichgestellter führt zur Eruirung der Wahrheit, wie unsere Weisen lehren (Berachoth 03b): Nur durch gemeinsames Forschen kann die Thorakcnntniß erworben werden. Daher sagt auch Josua ben Pcrachja: -an -p mpi m p> ni?y. „Verschaffe Dir einen Lehrer; aber erwirb Dir, kaufe Dir einen Genossen!" , Aber nicht nur für das Thoralernen, sondern auch für das Leben ist die Erwerbung eines wahrhaften Freundes von der größten Wichtigkeit. „Bemühe Dich", sagt Maimonides. in Anschluß an unsere Mischnah, „einen wahrhaften Freund zu erwerben und scheue zu diesem Zwecke kein Opfer. Der wahre Freund wird Dir nicht allein eine Stütze sein im Leben, er wird Dich auch von jedem Unrecht zurückzuhaltcn und zu allem Guten zu ermuntern suchen. Wenn Du ihn, und er Dich, in wahrhafter uneigennütziger Weise liebst, so wird diese treue Freundschaft Euch beiden zum Segen gereichen." Damit Du den Lehrer sowohl wie den Freund Dir erhaltest, so ist es nothwendig, r-.rr n ’-rn r.ai rpv D-«n, daß Du das Thun und Lassen Deiner Mitmenschen mit Wohlwollen beurtheilest. Der engherzige, mißtrauische Mann, der stets geneigt ist. den Handlungen seiner Mitmenschen üble Beweggründe nntcrzuschieben, wird sich bald seinen Lehrer entfremden und sich mit seinem Genossen entzweien. Beurtheile das Thun und Lasten Deiner Mitmenschen selbst daun mit Wohlwollen, wenn der äußere Anschein gegen sie spricht. Einst, erzählen unsere Weisen (Sabbat 127 b.), hatte ein Knecht seinem Herrn drei Jahre lang gedient, und als er seinen Lohn verlangte, da sprach der reiche Herr: Ich habe weder Geld noch andere Dinge, die ich Dir geben könnte. — Betrübt kehrte der Knecht in seine Heimath zurück. Einige Wochen nachher suchte der .Herr den Knecht auf, brachte ihm seinen Lohn und überreichte ihm noch viele Geschenke. — Und nun sage mir, sprach der Herr, ob Du mich sür

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