Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 43 (29.5.1884)
- Date
- 1884-05-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449447--20215-2509800- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
errichten. Eine solche Anstalt ist hier ein große! Bedürfniß, weil es den ähnlichen Anstalten statutengemäß verboten ist, derartige Kranke dauernd aufzunehmen. Außer den Baukosten wird zur Bestreitung der jährlichen Kosten ein Betrag von 20,000 Dollars nöthig sein. Palästina. Sir Moses Montefiore hat den sechs jüdischen Eolonien des h. Landes je 25 L. überschickt. Afrika. Algier. Herrn Abraham Timsitt wurde die silberne Rettungsmedaille zweiter Klasse zuerkannt, weil er in zwei Fällen unter eigener Lebensgefahr Menschen vom fast sicheren Tode gerettet. Ein anderer Israelit, der Sapeurpompier Herr Abraham Karsenty, wurde in Anerkennung seiner Unerschrockenheit bei einem im December 1882 vorgekommenen Brande eine ehrende Erwähnung zuerkannt. . M a r o c c o. Tanger. Der berüchtigte Translator des britischen Viccconsuls in Castablanca, Amiel, welcher bekanntlich die Bastonirung einer Anzahl jüdischer Frauen veranlaßte, wohnt gegenwärtig hier. Die Freunde eines dieser. Opser sind gegen denselben Lagenaufgetreten, um einen Schadenersatz von 1000 L. für ihre Clientin zu erlangen. Um dieses zu verhindern, rief Amiel den englischen Schutz an. Man ist gespannt darauf, ob die engl. Negierung ihren Angestellten dcsavouirt oder nicht. Feuilleton. Dur standhaft! ' XLIV. Herr von Bcrneck führte nunmehr seinen jungen Freund zu einem Banquier, Bruno gab seine Karte ab und erzählte, daß er der Bruder der Frau von Löwenheim sei. Der Banquier überstog den Wechsel mit prüfendem Blicke und zahlte, nach Abzug der üblichen Provision, das Geld aus. Das lustige Leben begann auf's Neue; aber auch jetzt war dem jungen Baron das Glück beim Spiel nicht hold. Die durch den Wechsel erzielte Summe wanderte zum größten Theile in die Taschen des Herrn von Berneck. n;.m ■•..•i1., i .. i Bruno hatte in zu leichter Weise sich Geld verschafft, uni es nicht noch einmal zu probiren, als wiederum Ebbe in seiner Kasse eingetreten war. Diesmal be- . durfte er der Beihilfe des Hofmarschalls nicht; erbrachte das Kunststück allein fertig. Er lebte in Saus und Braus, ohne zu denken, ohne zu rechnen, ohne auch nur zusammenzuzählen, wie groß die Summen waren, die er sich auf diese Weise verschaffte. „Agathe", sagte eines Tages Baron Löwenheim zu seiner Gemahlin, als er mit dieser am Frühstückstische saß, „ich höre viel Schlimmes über Deinen Bruder. Ganz Berlin spricht von seiner Verschwendung und von den horrenden Summen, die er im Spiel verliert und in anderer Weise verausgabt." „Es wird so schlimm nicht sein", cntgegnete die Baronin kühl. „Bruno hat eine traurige Jugend verbracht. Es ist ihm zu gönnen, daß er sich einmal austobt." „Unbegreiflich ist mir", fuhr der Baron'zu reden fort, „woher er das viele Geld nimmt; der Credit, den ich ihm eröffnet hatte, ist längst ererschöpft." - Ein Diener trat ein und meldete, daß Herr Hammacher (der Procurist) den Herrn Baron in dringender Angelegenheit zu sprechen wünsche. „Laß ihn cintrctcn!" sagte der Baron. „Verzeihen Sie, Herr Baron," sagte der Eintretende, „daß ich Sie zu stören wage. Sehen Sie einmal diesen Wechsel au." Der Baron nahm das dargercichte Papier und erbleichte. Schnell jedoch faßte er sich und sprach: „Der Wechsel ist in Ordnung. Lassen Sie den Betrag auszahlen." Hammacher entfernte sich kopfschüttelnd. Der Baron seufzte, tief auf. . „Jetzt ist mir klar," sagte er, „woher Dein Bruder daS Geld zu feiner sinnlosen Verschwendung nimmt^ Er ist ein Verbrecher geworden. Er sabrizirtfalsche Wechsel." Jetzt war die Reihe zu erblassen an Agathe. „„Dieser Wechsel?"" fragte sie mit zitternder Stinnne. „Ist gefälscht, ist von Deinem Bruder gefälscht. Er hat 2000 Thaler auf mich entnommen und hat sich erkühnt, mein Accept auf das Papier zu setzen, indem er meine Unterschrift nachahmte. Ich habe, um jeden Eclat zn vermeiden, den Betrag auszahlen lasten. Aber ich kann und darf dazu nicht schweigen. Wenn das so fortginge, der Mensch könnte mich arm machen." „„Was willst Du thnn?"" fragte die Baronin tonlos. „Ich weiß cs noch nicht. Gebe Gott, daß das die einzige Fälschung ist, die er vorgenommen."