Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 43 (29.5.1884)
- Date
- 1884-05-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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719 selben 2000 M.; dem Armenstock der Loge «zur aufgekenden Morgenröthe" 2000 M.; dem Verein zum Schutze der Thiere 1200 M. Außerdem bat der Verstorbene noch eine Anzahl Legate an hiesige Persönlichkeiten gestiftet. Straßburg im Elsaß. Verzeihen Sie, weither Herr Ncdacteur, wenn es mir erst heute möglich ist. Ihnen von einer erhabenen Feier zu berichten, welche am ^njn nntp hier stattgefunden hat. Es war dies nämlich die feierliche Einweihung des neuen Betsaales der orthodox-israelitischen Gesellschaft dahier. Am Vorabend des genannten Sabbat, Freitag Abend halb 6 Uhr, erschienen an der Pforte des Betsaales 12 Schüler Fahnen tragend, auf welchen in goldenen Lettern die Namen der 12 Stämme prangten; ihnen folgten die Thoraträger, sodann ein junger Mann, Herr Aron Dur lach von hier, welcher mit einer herrlichen Stimme begabt, begleitet von 12 jungen Leuten, alle der Gesellschaft angehörend, den Psalm 150 iznp>2 rrr sang. Herr Dr. Staripolsky hielt dann die Einweihungspredigt, welche auch, seine letzte in unserer Gemeinde war; seine Stelle wird in kürzester Zeit durch einen andern, ebenfalls unserer Richtung angehörenden Rabbiner ersetzt werden. Mit diesem Feste war noch ein zweites verbunden, nämlich die Einweihung einer neuen Thorarolle. Nach Schluß des Gottesdienstes wurden alle Anwesenden durch ein herrliches na überrascht, welches im Saale nebenan ausgestellt war und in einem buntfarbigem Lichtmeer strahlte. Auf einem künstlichen Berg voll Blumen stand die neue heilige Thora, gehüllt in einen goldgestickten Seiden-Mantel, hervorgegangen aus dem Atelier des Herrn Abraham Schwab, welcher auch die Thora schrieb. Es war die 71. Thora, die es Herrn Schwab vergönnt war, zu schreiben. Zu beiden Seiten der hl. Thora waren zwei m;o in Transparent angebracht, über diesen prangten die Grundsätze unserer hl Religion: „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst." „Dem Ewigen vertraue von ganzem Herzen." „Die mich lieben, liebeich, und die mich suchen, finden mich." „Sie ist eilt Baum des Lebens Allen." Unter diesen Sinusprüchcn standen 6 byzantinische Säulen, auf 2 davon standen die Namen der Spender, auf weiteren 2 waren Löwen, die Gesetzestafeln haltend. Dieses Alles wurde von Herrn A. Schwab selbst verfertigt. Nach den üblichen Gebeten schloß diese schöne Feier Möge es unserer Gesellschaft vergönnt sein, sich stets mehr zu kräftigen und stets festere Wurzel zu schlagen zur Ehre Gottes und Seiner heiligen Religion. —v— Posen, im Mai. Schwere, unersetzliche Verluste haben innerhalb eines kurzen Zeitraums die hiesige Gemeinde getroffen. Nachdem im Laufe des vorigen Jahres der zweite in der Gemeinde *pi' nj/ao-uso, darauf TrjjDjynyV '-»rwo« und endlich der weitberühmte lyioybz noSr '-i hingeschieden, hat der unerbitterliche Tod auch den ersten p unserer Gemeinde, den Banquier nymuxb n»b. auch benannt nach dem Namen seiner Geburtsstadt Lubraniec px-oi? nir: '*>, aus unserer Mitte gerissen. Er toar onpnp; d'phs ync, ein direkter Nachkomme des 2^2012^ ,t->x V'tiid tpnpn, der im Jahre 1736 hier als Märtyrer unter Folterqualen starb*). Seit 38 Jahren bekleidete er das Ehrenamt als pi und wenn düs Wort eine Wahrheit ist NX -1222 D1XT 4CX H330 D1X '.LNpQ s'X us-ps) so kam dies bei ihm zur vollen Geltung. Seine äußere Erscheinung schon flößte Liebe und Ehrfurcht ein; sein Umgang war fesselnd und seine, freundliche Milde gewann ihm alle Herzen, sogar solcher Personen, die in religiöser Beziehung weit von ihm entfernt waren. Er war ein des berühmten -i:\x xa-py '-»/ der ihn anch seines besonderen Vertrauens würdigte .und ihn seiner aus-, gebreiteten Talmudkenntniß, als auch seiner vorzüglichen Eigenschaften wegen hochschätzte. Mit chm schwindet ein Repräsentant der alten, an nx~n m-n so reichen Posener Gemeinde und des Zeitalters des großen ->J'x xa'pp beiläufig ettvähnt, war er der einzige und letzte, der sich noch in altpolnische Tracht kleidete. Die Gerncinde verliert in ihm auch einen v.wv; diese Function verrichtete er noch bis zu seinem letzten Tage. Von einer 2^2 n'2 mtyo vor einigen Wochen mußte er sich wegen Unwohlseins entfernen und verließ seitdem die Wohnung nicht wieder. Die Zahl der Kinder, die er in den Bund des Judenthums ausgenommen, beträgt mehr als einige Tausende. — Daß einem solchen Manne, bei dem sich in seltener Weise abny. m n vereinigten, die Leitung vieler Gemeinde-Institutionen übertragen wurde, läßt sich leicht ermessen, aber er war mich Urheber so mancher gemeinnütziger Stiftung, wie z. B. der m-n i'Lrr-Schule, lvorin Kinder unbemittelter Familien unentgeltlichen Unterricht erhalten. Trotz dieser seltenen Vorzüge, die ihn schmückten, dachte er nur gering von sich selbst und wich iw bescheidener Weise allen Ehrenbezeugungen und Anerkennungen aus. *) Hege» die Gemeinde wurde bamats eint BlutbeschrU bigung erhob,'» mib zunächst der 3*i *» pr>7 und der j$7rr apr* h gesanglich eingezogen; beide starben, nachdem man vergebens versucht hatte, sie muer der Zusage von Leben ruid Freiheit zur Amrahme des Chriftenchums zu bewegen, an den Folgen der erduldeten Folterung im Gcmngniß. Die Familie Landsberg bewahrt noch heute das Hemd ihres Vorfahren, welches er bei der Folterung 1mg und das mit Blut besteckt ist.