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Der Israelit · 1884-05-26 · Heft 42 (26.5.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 42 (26.5.1884)
Date
1884-05-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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705 Accent. Dem Oberlehrer Rabbiner Dr. W. Schnee-! berger und scincm Affistenten, Kantor H. Glan, * wurde zu dem Ausfall der Prüfung mit Recht allj seitig gratulirt. Preise für gutes Betragen und gute ’ Fortschritte wurden Louis Gcrson, Louis Robison, ' Joseph Bernei, Jonas Hamburger, Louis Roman, Sophie Eichengrün, Fanny Baron und Amalie Baron : zuerkannt. Fenillet o n. Aus dem Leben eines orkhodoren 'Rabbiners. Skizze von vr. Sta . . . (Fortsetzung.) ^Die Stimme versagte ihm und keuchend rang sich cin^ tiefer Athemzug aus seiner Brust. Sein tief bekümmertes Gemüth grub nur noch tiefer die Furchen auf seine Stirne und die schmerzvollen Linien um seinen Mund traten deutlicher hervor. In seinen Augen leuchtete jener düstere Glanz, der von der Verzweiflung und von dem qualvollen Schmerz der Seele herrührt. Wie er so da stand, wo er sich von Niemandem belauscht glaubte, so ganz in seinem Schmerze aufgelöst, verzweifelt die Hände ringend, bot er das Bild des schrecklichsten Jammers und Elends, welches das Erbarmen Aller hätte erregen müssen. Der Himmel schien Mitleid mit ihm zu empfinden, denn es hörte plötzlich zu regnen auf und ein Sonnenstrahl brach zwischen dem dunkeln Gewölke hervor, für wenige Momente, wie neckend das Gesicht des Unglücklichen mit seinem goldenen Lichte übergießend. Der Fremde schloß durch das plötzliche Aufleuchten der Sonne geblendet seine Augen, daun öffnete er sie wieder und strich sein wirres Haar aus der Stirn; da gewahrte er, daß er ohne Kopfbedeckung dastehe. Spähend glitt sein Auge über den Platz, aber nirgends war der Hut Zu sehen. Schon wollte er ihn als verloren aufgeben und sich wiedermn dein Grabe seines Vaters zuwenden, als er seinen Hut an dem Knopfe eines von dem Grabhügel seines Vaters etwa zehn Schritte entfernten Grabsteines hängen sah. Eiligst lenkte er seinen Fuß dorthin, nahm seinen Hut, setzte ihn auf und wollte sich entfernen, als er plötzlich wie gebannt stehen blieb und mit erwachter Aufmerksamkeit und voller Spannung die Inschrift auf dem Grabsteine durchflog. Jemchr er las, desto mehr schien ihn. die Lektüre derselben zu fesseln; ja die Starrheit seiner Züge wich vollständig und machte einem gespanntem Interesse Raum, auch die Furchen auf seiner Stirn begannen sich allmählich zu glätten und der bittere scharfe Zug um den Mund verwandelte sich in ein zwar schmerzliches, aber doch weniger verzweifeltes Lächeln. Was ist wohl geschehen? — Auf dein Grabsteine wird in gedrängten Worten erzählt, daß der Verblichene, dessen Asche da unter der Erde ruht, in feiner Jugend auf Abwege gerathen, mit seiner Religion, mit seinem Gotte gebrochen, und eine nndurchbrcchliche Scheidewand zwischen sich und seinem Volke anfgesührt habe. Am Abende seines Lebens erwachte sein Gewissen und ließ ihm keine Ruhe, bis er seine frevelhafte. That aufrichtig bereut hat und mit ganzem Herzen, mit den besten Vorsätzen zu seiner Religion zurückgekehrt ist. „Von solcher aufrichtigen Reue und vollkommener Buße" — schließt die Inschrift — „mögen wohl unsere Weisen geredet haben, daß derjenige, der nach einem begangenen Fehltritt den- Weg der Tugendhaften wandelt, in dem er seine frühem Sünden und Frevel aufrichtig bereut und gerne büßt, würdiger sei der Frucht seines Strebens sich zuerfreuen, als solche, die ihr Lebelang keinen andern Weg kannten als den der Frömmigkeit und Gottesfurcht!" % Was war das? War es Zufall? Warum trieb der Wind seinen Hut gerade dahin? Weshalb blieb derselbe gerade an dem Knopfe dieses Grabsteines hängen? Gibt nicht die Inschrift wortgetreu, den Inhalt seines eignen Lebens wieder? Ging das mit natürlichen Dingen zu, oder soll es gar die Antwort auf seinen aufrichtigen Vorsatz zur Besserung sein? Des Menschen Glaube, selbst des Ungläubigen, wurzelt in der Regel dort am festesten und unerschütterlichsten, wo die Wünsche seines.Herzens den ersehnten Gipfelpunkt zu erreichen glauben! — — „O Dank, tausend Dank, himmlischer Vater, für diesen Fingerzeig! Er soll mir nicht vergeblich geworden sein!" — rief er mit einem dankbaren Blick nach oben und zum ersten Mal nach vielen Jahren hoben sich seine .Hände zu Gott empor, den er geleugnet und gelästert, dessen Lehren er verworfen hatten — „Ja ich will ebenfalls nach der Palme der Tugend ringen und kämpfen, damit mir ebenfalls ein Lob...-— --r 4. Capitel. Nochum auf Irrwegen. Das Wort erstarb ans seinen Lippen und er hielt plötzlich time. —! Dicht neben ihm stand ein kleines, altes Männchen mit runzlichem Gesichte und mit kleinen blinzelnden Aeuglein. Es war in einen langen, schwarzen Talar, der jüdisch-polnischen Tracht nicht unähnlich, gehüllt und

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