Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-05-26 · Heft 42 (26.5.1884) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 42 (26.5.1884)
Date
1884-05-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449446--20189-2509773
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Herr Nordmann zog vor, in seiner bescheidenen Stellung zu bleiben und der Heimath seine Dienste z» erhalten. Seine Predigten waren alle sehr lehrreich, und von dem warmen Hauch einer Ueberzeugung durchdrungen, die ihn frei von jedem Fanatismus jeder berechtigten Anforderung des Zeitgeistes mit echt duldsamem religiösem Geiste Rechnung tragen ließ. Der Glanzpunkt feiner Beredsamkeit fiel in die Einweihungslage der neuen Synagoge in Basel im Jahre 1867. wo er mit Herrn Rabbiner Doctor Kaiserling z. Z. Rabbiner in Budapest den schönen hiesigen Tempel cinwcihte. Die damalige Predigt des Herrn Nordmann war ein abgerundetes Meisterstück vollendeter Rhetorik. Seine Wirksamkeit in der Armenpflege war eine sehr ausgedehnte. Viele, Diele arme Familien haben durch den Tod des Herrn Nordmann einen unersetzlichen Verlust erlitten. — Wo irgend eine Noth, Armuth oder Krankheit sich cinftellte, war Herr Ikrdmanu hilfreich bei der Hand. Bei den wohlhabenden Glaubensgenossen fand er stets durch seinen Einfluß offene Hand, und bei Subscriptioncn oder sonst wohlthätigen Unternehmungen stand stets sein Name obenan. Herr Nordmann war einer der Mitgründer des Israelitischen Asyls in Hegenheim, welches für arbeitsunfähige und nnterstützungslose Glaubensgenossen seit seinem neunjährigen Bestände schon so viel Gutes wirkte. Aber auch in andern Beziehungen war der Verstorbene ein sehr geachteter und 'beliebter Mann, sein geselliger Umgang war sehr anregend und angenehm. Das Andenken dieses gelehrten, menschenfreundlichen, charakterfesten Mannes wird noch lange bei allen, die die Ehre haten, mit ihm in Berührung zu kommen, fortleben. Für die Gemeinde Hegenhekm ist das Ableben des Herrn Rabbiner Nordmann ein unersetzbarer Verlust. (Anm. der Red. — Wie uns von anderer Seite mitgetheilt wird, dürfte das Ableben des bisherigen Rabbiners von Basel und Umgebung die Gemeinde veranlassen, die Wiedcrbesetznng nicht allzulange zu vertagen. Lag schon bei Lebzeiten des Entschlafenen mit Rücksicht auf dessen vorgerücktes Alter die Absicht voi', das Rabbinat in die Hände einer jüngeren Kraft zu legen, so dürsten jetzt 'die Verhältnisse des gänzlich verwaisten Rabbinats noch dringender dazu mahnen. — Möge es der Gemeinde Basel gelingen, einen gesinnnngstüchtigen, friedliebenden Mann für ihre geistige Führung zu finden.) Amerika. Nerv-Uork, 5. Mai. Ueber eine interessante Wette berichtet die „N.-Y. Z." aus New-Zork. „Blieskastel ist ein nettes kleines Städtchen in der bayerischen Nheinpfalz. Zn seimn bekanntesten Bürgern zählen die beiden Lcderhändler Lion Lev! und Michael Levi. Als sie vor Kurzem an dem gewohnten Stammtische saßen, äußerte der Eine zu dem Andern im Laufe einer etwas sehr erregten Debatte zn dem Anderen: „Ich wollt'. Du wärst in Amerika! Ich gäbe 2000 Mark darum!" Was thut der Andere? Er sagt: „Wenn Du mir 2000 Mark giebst, gehe ich!" „Gut, Du sollst sie haben! Wenn Du aber innerhalb vier Wochen nicht gehst, so mußt Du mir 10,000 Mark, zahlen!" Der Andere ist damit zufrieden.. Ein gerade anwesender Geschäftsmann setzt den Eontrakt auf; darnach muß der eine Contrahent, Lion Levi, bis spätestens 10. März 2000 Mark an den andern Contrahenten, Michael Levi zahlen. Die Einzelnheiten der Wette wurden bald in dem Städtchen bekannt; man stritt hin und her, ob Lion Levi zahlen oder ob Michael Levi reisen werde. Aber siehe da! am 10. März pünktlich sendet Lion Levi durch den genannten Geschäftsmann die 2000 Mark an Michael Levi, und der Letztere bricht ebenso pünktlich von Blieskastel auf, reift nach Liverpool, wozu er. allerdings mehr Zeit als nöthig brauchte, und nahm Passage auf dem am 10. April von dort abgegangencn Dampfer „Bothnia". der letzte Woche in New-Jork eintraf. Um sich zu überzeugen, daß kein Jrrthum vorliege, hat unser Berichterstatter von der Passagierliste, die Michael Lcvi's Namen enthält, und von dem Passe desselben Einsicht genommen, der, in Zwcibrücken am20.März ausgestellt, das Alter des Inhabers als 64 Jahre angiebt. Hr. Levi ist in sehr guter Stimmung, sicht sich New-Jork und seine Elephanten an und wird nach seinem Hcimathsort zurückkehren, sobald ihm die Hitze hier zu groß wird — und dies Alles auf Kosten seines Eoncurrenten im Ledergeschäft. Herr Levi wohnt hier in Nr. 166, West 40. Straße." Baltimore, 5. Mai. In der Schule der Ehizak Amuno-Gemeinde an der Lloydstrabe fand am Samstag und Sonntag die Prüfung von 94 Schülern und Schülerinnen statt. Viele Mitglieder der ^Gemeinde waren gegenwärtig, und verfolgten mit großem Interesse die Leistungen der Examinanden, besonders am Samstag, als dieselben in der hebräischen Sprache examinirt wurden und aus dieser die gelesenen Abschnitte in die englische übertrugen. Gestern wurden sie im Deutschen examinirt; sie bej antworteten die Frage über Grammatik mit Sicher- I heit und lasen die Sätze fließend und mit richtigem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.