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Der Israelit · 1884-05-26 · Heft 42 (26.5.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 42 (26.5.1884)
Date
1884-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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»csiMwrae 702 wie Luther den bloßen Choral nannte — „ein wüstes, wildes Eselgeschrei oder Hunde- oder Säne-Gcsang und Musika?" — Lesen Sie indeß die versuchte Verständigung und Milderung Rombach's dazu in dessen „Luthers Verdienst um den Kirchengesang", Seite 89: „Augenscheinlich hat hier Luther den ungebildeten, ansgeartcten Choralgesang im Sinne, der eigentlich mehr Geschrei zu heißen verdient und den man zu seiner Zeit in den Klöstern und Stiften zu hören gewöhnt war! Und zu dem Vorhkngcsagten: In wie sehr vielen Kirchen unseres Landes wurden beim Gottesdienst nicht alte Gesänge, sondern nur einige, an Stellen selbst der Hanptgesang nicht von Anfang bis Ende von der Orgel begleitet und geleitet? Das alles führe ich an, um damit.zu beweisen, daß uns keine Orgclleitnng nöthig sei. Zugegeben bei der jetzigen Unfertigkeit der Gemeinden ist sie nöthig und nützlich, allein diese Unfertigkeit wird gerade durch die Orgel unterhalten; zugegeben bei schweren Melodien, allein ich halte dafür, ein Gesang, den die Gemeinde nicht ohne die Orgel führen kann,' bleibt besser ganz nngcsungen. Und überhaupt, wenn ein Gesang geleitet werden soll, so muß der Hanfe, der das prav hat eine Menschenstimme hören, dieOrgelstinune hört er nicht. Das wäre von dem einen vermeinten Nutzen. Wir hörten zugleich einen andern angcben: die Orgel erhöbe die Andacht. — Zugegeben, sie bewahre die Andacht, indem sie störende Mcnschenstimmen unstörcnd macht; zugegeben, sie erhöhe die Andacht, indem sie störende Gedanken, ungünstige Stimmungen, böse Geister, mit welchen man in die Kirche kommt, wcgspiclt; indem sie nicht unpassende Gefäße darbictct, in welche hinein der andächtig Gekommene seine Gedanken und Empfindungen legen kann, indem sie. dem Unandächtigen erwas in die Seele bringt, was nicht zu längsten mit dem Religiösen in Aehn- Uchkeit oder meinetwegen in Verwandtschaft stehet, zugegeben, daß die Orgel, die Hieradula zweideutigen Rufs, wirklich die Andacht befördern kann. Aber ich muß hierauf fragen: Wessen Andacht? Bei dem Haufen, der die Kirche füllt, der zum Wenigsten die Mehrzahl ausmächt, thnt sie es nicht. Ich frage: Wann erhöht sie die Andacht? Während des Gesanges, eines kräftigen Gesanges, thnt sie es schwerlich, da wird sie ja nicht gehört, daß sie die Andacht erhöhe. So müßten es denn die kleinen Zwischenspiele zwischen den Zeilen thun, ob aber von diesen cs zu behaupten ist? Nein. heißt es. die thun cs nicht sowohl, sondern das Vorspiel der Melodie und das Präludium erhöht die Andacht. Hier frage ich: W a s f ü r eine Andacht i st es, die durch bloße Töne bewirkt ist'? Zu welcher Religion bekennt sich die Orgel? Was habe ich für eine Gewähr, datz sie überhaupt eine Religion habe, d.h. daß es überhaupt religiöse Gefühle sind, die s i e w e ck t und erhöht und keine nervöse Asien der religiösen Gefühle, keine sinnlichen, die besser ungeweckt blieben? Man möchte sagen mit Margarethe im Faust: „Wenn man uns hört, möcht's leidlich scheinen, steht aber doch innner schief darum, denn du (Orgel) hast kein Christenthum. Krummacher in seinen Paragraphen über die Genesis im § 111 ist.wohl nicht abgeneigt, mit diesen Worten der Margarethe zu sprechen. Er: „dieOrgelist ein herrliches Instrument, aber der Gesang einer frommen, wohlgestinunten Christengemeinde wird dadurch nicht gehoben, sondern geschwächt, Spiel ist Spiel, Künstlichkeit und stammt aus Kains Geschlecht. I. Mos. 4, 21. Daß zu aller Zeit es bedenkliche, ja widerstrebende Christen gegeben hat, welche keine Art von Instrumentalmusik beim Gottesdienst zulässig gefunden, wissen Sie aus der Kirchengeschichte und aus der Liturgik,-von mir wollen Sie hören, daß es vielleicht in keiner Kirche des Landes eine Orgel giebt, die von Mitgliedern der Gemeinde nach der Mehrzahl wäre gewünscht worden, und meine .eigene Erle b n n g ist es, daß Mitglieder einer Gemeinde, da keine Orgel war, das Orgelsviel uuandächtig, andachtstörend fanden und unziemlich, wann sie jeweilen an einem Gottesdienst in einer andern Gemeinde theilnahmen. da eine wa r. Sö vor wenigen Jahren noch haben sich Gemeinden in der Schweiz auf desfallsige Anträge entschieden wider die Orgel erklärt, sie würde ihnen den Gesang verderben, womit man denn gemeint hat die Andacht oder die Singfertigkeit. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Corresporrdenzen. Denischlan d. Neustetlin, 19. Mai. Ans Grund des § 3tfö Absatz 7 des Strafgesetzes war gegen den hiesigen Kaufmann Flater Anklage erhoben und derselbe beschuldigt worden, am 8. und 9. Mai d. I. aus seiner Wohnung Steine auf Menschen geworfen zu haben. Es darf als bekannt vorausgesetzt werde», daß Flater mit diesen Steinwürfen den letzten Judenkrawall verursacht haben soll. Die Angelegenheit kam heute vor den: hiesigen Schöffengericht zur Ver-

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