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Der Israelit · 1884-05-26 · Heft 42 (26.5.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 42 (26.5.1884)
Date
1884-05-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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701 Wertung, „man habe die Bibliothekeu geschlossen und Orgeln gebaut." So rühmt der Christ Sidonius Apollinaris den Westgothenkönig Thcodorich unter anderem auch damit, „daß man an seinem Hofe keine Orgeln höre." Es fanden die Orgeln sich ursprünglich nur in Concerten und Schauspielen, der Kirche oder jedem andern Gotteshause waren sie fremd. In der orientalisch-griechischen Kirche wurden und werden Orgeln für kirchliche Zwecke nicht gebraucht. Auch im Occident fand die Orgel frühzeitig Gegner, und bei den Neformirten ist sie bis heute nicht im Gebrauches) Recht drastisch spricht sich der in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts lebende schottische Cistcrcicnser-Abt Ealred gegen die Orgel aus;1 2 3 4 *) aber auch in Italien und Frankreich .folgten die Kundgebungen gegen die Orgel. Nach Cardinal Bona hätte besonders Lyon dem Gebrauche der Orgel widerstrebt,^ während in Italien die Abneigung gegen die Orgel durch das Vorbild der päpstlichen Kapelle bestärkt wurde, in welcher nach Mabillon die Orgel nie.eingeführt wurdet) Die Karlhäuser verwarfen die Orgel wie alle anderen Musikinstrumente. Eine starke Partei gegen die Orgel machte sich auf dem Concil zu Trient geltend, und sie verdankte ihre Erhaltung nur dem Einflüsse Kaiser Ferdinands. Doch sah sich trotz der Beibehaltung das Concil genöthigt, Verordnungen gegen die Mißbräuche bei dem Orgelspiel zu erlassend) Eine ähnliche Verordnung hatte schon früher eine Kölner Synode erlassen und Pabst Benedict erneuerte dieses Decret durch Constitution vom Jahre 1749. Auch der bereits erwähnte Cardinal Bona macht den Mißbrauch des Orgelspiels zum Gegenstand einer Ermahnung. 6) Diese Warnungen vor dem mit dem Orgelspiel verbundenen Unfug, finden sich auch in der evang. Kirche. 7 8) Von der vielfachen Art und Weise wie derselbe sich äußerte, sei hier nur das eine von T h i b a u t gegeißelte Gebühren hier angeführt:6) „Was in der Woche dem Musiklehrcr hängen geblieben ist, das muß am Sonntage auch in der 1) Hoornceck Miscdlauea P. I. p. 322. Dedckeimi, Consil. P. I. p. m. 1140. 2) Unde cessantibus iam Typis et figuris, unde iu ecdesia tot organa tot cymbalae? Ad quid, rogo, terribilis iJle Tollium flatus, tonitrni, potius fragorom quam vocis exprimens suavitatem? Ad quid illa vocis eoutractio el infractio? Hic succiuit, Ille disciuit, alter medias quasdam uotas dividit et incidit. 3) De div. Psalmod c. 17. 5. 4) Museum Italic. T. L p. 47 cfr. Bened. XIV. eneycl. epist vom Zähre 1749. h) Conc. Trident. Sess. 22. c. 9 6) De div. Psalm. XVII., 2. 7) Hauau'schc Kirchen- und Schulordnung 1659. 4 S. 5. 8) lieber Reinheit der Tonlunst. 2. Ausg. S. 23. Kirche wieder angebracht werden und damit bekommt man so viel Weltliches und Veikchrtes za hören, daß man sich nicht zu wundern braucht, wenn der llnmuth einmal in der. Kirche selbst laut würde." „An vielen Orten," bemerkt eine andere Autorität,^ „dauert aber das läppische, bizarre, unwürdige Geklimper frivoler Organisten fort, leider in manchen Kirchen ein passendes 'Seitenstück zu der folgenden oder vorangehenden Predigt." Eine besonders gründliche und entschiedene Derurtheilung der Orgel als Begleiterin beim Gottesdienste hat in neuerer Zeit der berühmte Si'iclcr D omprob st D r. E laus H a r m s ausgesprochen, und zwar in so allseitig erschöpfender Weise, daß sic trotz ihres Umfangs hier wörtlich folgen möge. Dieselbe befindet sich iu der 1878 in Kiel erschienet cn 3. Auflage seiner Paftoraltheologie, Seite 153 ff. — und lautet wörtlich: „Wenn jetzt wieder, wieinderSchweiz geschehen, das. Volk auszögL, alle Orgeln entzwei zu schlagen, ich weiß nicht, ob ich nicht mitginge. Das will sagen: Wenn die Gemeinden eines Landes sich/ in legaler Weise darüber b.eriethcn, ob sie die Orgeln länger beibchaltcn oder sie wegnehmen und eventualiter die herrschaftliche Genehmigung nachsncheu sollten, ich weiß nicht, ob ich nicht für für das Wcgnehmen der Orgel stimmte. Denn ihre Nützlichkeit ist gering, ihre Schädlichkeit ist groß, und kein Mittel um ihrer Schädlichkeit abzuhelfen ist hinlänglich. Worin lassen Sie den Nutzen einer Orgel bestehen? Freilich, das thut sic, sic leitet den Gesang und aus Nachrichten über die früheste Beschaffenheit der Orgeln, nehmen wir ab, daß sie Ursprünglich auch nichts weiter haben thun sollen, als den Gesang leiten. Dieser Dienst mag auch nöthig genug gewesen sein zur Zeit, als man noch so wenige Schulen, Dorfchnlen gar nicht, kaum eine Kirchspielschnle hatte. Allein, wenn dieser Dienst nicht mehr nöthig ist? Da haben wir ja die ganze rcsormirte Kirche, in foelcher cs nur wenige Orgeln giebt, hic und da eine stehen gebliebene, hic und da eine aufgestellte., Da haben wir ja so viele Gemeinden in unserem Lande selbst, welche ihren Gesang mit .Hilfe eines Vorsängers wohl führen können , wenigstens führen könnten; da besteht ja noch überall der Gebrauch, daß am Charfreuag und am Bußtag (hier in Kiel freilich nicht) keine Orgel gerührt wird, ist denn an diesen Tagen der einstimmige Choral — 9) Ersch und Eruber unter Orgel.

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