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Der Israelit · 1884-05-26 · Heft 42 (26.5.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 42 (26.5.1884)
Date
1884-05-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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scheu. Arm und Reich, Alt lind Jung, Vornehm und Gering,, gegen Männer und Frauen liebevoll, freundlich und zuvorkommend ist, mutz sich ganz besonders in Acht nehmen, daß er im Umgänge bestimmte Grenzen einhalte, deren Ucberschreitnng ihm leicht verderblich werden könnte. Die leichte Art der Unterhaltung, welche die Weisen mit dem Worte nrvzr bezeichnen, die Plauderei, ist es, vor der hier gewarnt wird. Ist sie schon an und für sich unnütz und häufig von üblen Folgen, so wird sic im Verkehr der verschiedenen Geschlechter miteinander oftmals Verderb- ■ lieh. Diese Plauderei erregt die sinnliche Lust und führt auf Abwege. Selbst der eigenen Frau gegenüber muß der vernünftige Mann zn Zeiten in Bezug hierauf die bestimmte Grenze innezuballen wisien ('nn'j nya *), damit er nicht in Sünde gcrathe. Um wie viel mehr ist der fremden Frau gegenüber die gebührende Zurückhaltung geboten! Die stärkste Leidenschaft ist die, welche der geschlechtliche Trieb in den Herren der Menschen anfacht. So nothwendig derselbe für die Erhaltung des Menschengeschlechts ist, ebenso verderblich sind seine. Wirkungen, wenn er, den Menschen zu blinder Wuth .entflammend, zur Verletzung der heiligsten Gottesgcsetze antreibt.' Wie viele Menschen sind dadurch unglücklich geworden für immer, wie viel Familienglück ist dadurch zerstört worden! Die bereits in Hellen Flammen . ausbrechende Leidenschaft zu überwinden, ist ungemein schwer, ja, fast unmöglich. Die wilde Leidenschaft durchbricht alle Schranken. Vor ihr wanken die festesten Grundsätze. Selbst die Gefahr-hält sie nicht zurück, und sie ist stets bereit, das Aeußerste zu wagen. Die Wuth der Leidenschaft verblendet den Menschen, so daß er seine Ehre, sein Leben, und selbst die ewige Seligkeit preiszngeben nicht ansteht. Daher gilt es, den Ausbruch der Leidenschaft zu verhüten, ihrem Feuer die Nahrung zu entziehen, und daher ruft uns Jose ben Jochanan zu: mran cy r.rrzr nrm V«?. Hüte Dich selbst vor der ganz unschuldig erscheinenden Plauderei mit einem Weibe! Diese fuhrt zur Begehrlichkeit auf der einen, und zur Coqnetterie auf der andern Seite, und die Folgen können sich zu den traurigsten gestalten. Wir haben aller gesehen, daß die spätere Weisen den Worten Josc's ben Jochanan einen Schlußsatz angefügt haben, in welchem sie die Consequenzen der Nebcrtretung seiner Warnung darlegen. In unserer Zeit müffen wir noch eine ganze Reihe von Folgerungen hinzufügen. Wohl keine Zeit war so reich an Reizmitteln zur Aufstachelung der Leidenschaft wie die gegenwärtige. Schon für die zarte Jugend werden Kinderbälle veranstaltet, um nur recht früh die schlummernden Triebe zu wecken. Dem Tanzvergnügen *) Vergleiche Ernbin 53b. ergibt sich später die erwachsene Jugend mit Leidenschaft; sogar verheirathete Frauen, oftmals in sinnberückender Toilette, schweben am Arme fremder Männer dahin. Um die Phantasie noch mehr zu reizen, werden Maskenbälle veranstaltet — wie weit abgelegen erscheint im Vergleiche damit die Mahnung des Jose ben Jochanan; „Plaudere nicht zuviel mit dem Weibe!" Der Besuch von Theater und Circus trägt ebenfalls nicht wenig dazu bei, die Leidenschaften aufzustacheln. Wohl wiffen wir, daß Viele unserer geehrten Lcser und Leserinnen uns ob dieser Ansemandersetzung zürnen werden. Allein, gerade in jüdischen Kreisen wird der Besuch des Theaters in einer Weise cnltivirt, daß dadurch sogar der Unwille vieler Nichtjndcn erregt wird: Manche Glaubensgenossen sind stolz darauf und rühmen sich deßwegen ihres Sinnes für Bildung.. Sie haben auch in gewisser Beziehung nicht ganz Unrecht. Es ist immerhin besser, im Theater als im Wirthshavse zu sitzen und Karten zu spielen oder gar sich zu berauschen. Allein, haben wir nickt die Thora,- die uns Gott gegeben, in der wir forschen sollen bei Tag und bei Nacht? Nicht ins Wirthshans, sondern ins Lehrhaus sollen sich die jüdischen Jünglinge und Männer begeben, um die Zeit ihrer Muße nützlich und zugleich angenehm zu verbringen. Siehe, die Weisen lehren: „Wer zu viel plaudert nnt der Frau, wird dadurch vom Studium der Gotteslehre abgehalten und sein Ende ist, daß er das Ichinnom erbt." Was hätten sie erst gesagt von denen, die ihre freie Zeit im Theater, Circus oder gar in den Wirthshäufern znbringen? Wer aber fleißig in Gottes heiliger Lehre forscht, der wird hiemeden sich glücklich fühlen und das ewige Leben im Jenseits erringen. (Fortsetzung folgt.) Mnstkiche Stimmen über die Verwendung der Orgel beim Gottesdienste. Don Paul Frifching. II. Die Orgel, ivcun auch nicht in ihrer vollkommenen heutigen Ausbildung, stammt aus sehr alten Zeiten _ und wurde ursprünglich von den Griechen und Römern an fürstlichen Höfen und überhaupt für den Privatgcnuß verwandt. Dieser Umstand war es, der schon in der Verwendung der Orgel für den Gottesdienst eine Prosanisirung desselben erblicken ließ. So charütterisirt der Heide Ammianus Marcellinns den romisc^n Mttruversall durch die Be-

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