Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 41 (22.5.1884)
- Date
- 1884-05-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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690 „Ich denke auch nicht daran," antwortete Wolkenberg, „Berlin schon zu verlassen. Sie wissen ja, Hofmarschall, ich bin mit süßen Banden an Berlin gefesselt." An demselben Abend hatte Bruno kein Glück im Spiel und verlor seine ganze Baarschaft. So schwer es ihm wurde, entschloß er sich, nach D. zu schreiben und um die Bewilligung eines neuen Credits zu bitten. Ehe die Antwort, die in den entschiedensten Ausdrücken eine Weigerung enthielt, kam, hatte Bruno bereits nicht unbedeutende Schulden gemacht, die bezahlt werden mußten. Er hatte auch gerade jetzt zu großes Unglück im Spiel! „Hofmarfchall," sagte er zu seinem Freunde, „geben Sie mir einen Rath, wie ich mir Geld verschaffe!" „Nehmen Sie .doch eine Hypothek auf Ihr Gut in Schlesien," sagte Berneck. „„Das geht nicht,"" antwortete Bruno. „„Das Gut ist auf den Namen meines Schwagers eingetragen."" „Freilich, dann müssen wir uns nach andern Mitteln umsehen!"i Berneck hatte in diesen Dingen Erfahrung; er führte den jungen Mann zu einem Geschäftsmanne, der in dem Rufe stand, jungen, gcldbedürstigen Leuten gefällig zu sein und ihnen, natürlich gegen hohe Zinsen, Darlehen zu verabreichen. „Herr Günther," sagte der Hofmarschall, als er in das Geschästslokal seines Bekannten eintrat, „ich habe die Ehre, Ihnen den Baron von Wolkenberg vorzustellen, den Schwager des Barons von Löwenheim aus D. Sie kennen doch die Firma?" „A. la bonnc heure!" sagte Herr Günther, sich verneigend; „was verschafft mir die hohe Ehre?" „Mein Freund befindet sich augenblicklich in Verlegenheit und möchte sich einen Borschuß von einigen tausend Thalern von Ihnen erbitten." „„Warum wenden sich der Herr Baron nicht an Hochdero Herrn Schwager?"" „Das ist eine delicate Angelegenheit,1 lieber Günther, die wir Ihnen nicht näher erklären können. Natürlich wird Löwenheim die Schulden seines Schwagers bezahlen; Sie haben nicht das geringste Nisico. Daß mein Freund coulant ist und um Prozente und Provisionen nicht feilscht, brauche ich Ihnen wohl nicht zu versichern." „„Halten zu Gnaden, Herr Hofmarschall! Wenn Löwenheim die Schulden des Herrn Baron zu zahlen gesonnen ist, so kann er Hochdemselben doch gleich das Geld geben."" Berneck machte vergebliche Anstrengungen, die Logik des Herrn Günther zu erschütterrr; ähnlich erging es den Beiden bei andern Geschäftsleuten desselben Calibers. „Was fangen wir nun an?" fragte Wolkenberg verzweiflungsvoll. „„Warten Sie junger Freund, es bleibt uns noch ein Mittel. Kommen Sie mit mir."" Die beiden Freunde traten in einem Papierladen, und der Hosmarschall kaufte einige Wechselformnlare; dann begaben sie sich in Brunos Wohnung. „So, lieber junger Freund," sagte der Hofmarschall, „füllen Sie dieses Formular aus. Nicht wahr, 2000 Thalcr genügen für's Erste?" „„Aber wer wird mir darauf Geld geben?"" „Thun Sie nur, wie ich Ihnen sage." Bruno füllte das Formular aus. „..So,"" sagte Berneck, „„jetzt schreiben Sie quer darüber: Angenommen Löwenheim, genau so, wie Ihr Schwager sich zu unterzeichnen pflegt."" „Aber, Freund, das wäre ja Wechsclfälschung!" „„Nun, was ist das weiter! Ihr Schwager wird sich hüten, den Bruder seiner Frau anzuklagen. Er wird zahlen, wenn ihm der Wechsel präsentirt wird. Das ist Alles!"" Noch einen Augenblick zögerte Bruno, dann schrieb er mit fester Hand die verhängnißvollen Worte. (Fortsetzung folgt.) Räthsel. Drei Silben werden Dir es geben; Hier hast Dn's leichter, als im Leben. Läßt Du das letzte Zeichen fort. So stellet sich gar hoch mein Wort. Kannst richtig Du es nun erkennen. Und kannst» auch schön Dein eigen nennen. Nun, so genieß' in frommer Freud', Und denke oft der armen Leut'. N. Jäger. Auslosung erfolgt in Nr. -13. Tie Namen der richtig Losenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Vormittag den 27. Mai zngegangen, in der salzenden Nummer verössentlichr. Auflösung des Rathsels aus Nr. 39: WL7 (Sonne). Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erschemt in der nächsten Nummer. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des .Israelit" gr. Bleiche 45. I. Gott Sieb en'S Buchdruckerei (Mainzer-Anzeiger).