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Der Israelit · 1884-05-22 · Heft 41 (22.5.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 41 (22.5.1884)
Date
1884-05-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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689 Juden aller Länder und Nationen, selbst den aus dem türkischen Reiche die Niederlassung in Palästina m verbieten, und ist den Beamten in den Hafenorten der gemeffene Auftrag geworden, die Landung fremder Juden zu verhindern, insofern sie nicht einen von den türkischen Behörden visirten Paß besitzen, welcher übrigens nur zu einem Aufenthalt von 30 Tagen berechtigt. Gleich nachdem der Pascha von Jerusalem die Nabbinen von dem Befehl Kenntniß gegeben, benachrichtigten dieselben die Juden in den benachbarten Ländern, welche gewöhnlich am -vzyz 2"- zahlreich nach dem Grade des y"'i '"divi ton wandern, damit diese sich mit gesetzmäßigen Paffen versehen. Feuilleton. Dur standhaft! XI,UI. Die Flucht Bernhardinens hatte auf das häusliche Glück des Barons keinen günstigen Einfluß geübt. Als ihm der erste Brief seiner Tochter mittheilte, daß diese bei ihrer Großmutter eine Zuflucht gesucht und gefunden hatte, verlangte Frau von Löwenheim, daß er Hinreise und die widerspenstige Tochter zurückhole, um sie zum Ehebunde mit Bruno von Wolkenberg zu zwingen. Dazu war jedoch der Baron nicht zu bewegen. „Du hast," sagte er bitter, „mir die Wahl gegestellt zwischen meiner Tochter und Dir. Du hast mir gedroht, mein Haus zu verlassen, wenn Bernhardine noch länger in demselben verbleiben würde. Berhardine hat cs vorgezogen. Dir das Feld zu räumen. So mag sie denn so lange fortbleiben, bis sie freiwillig zu mir zurückkehrt. Ich habe das Aeußcrste gethan, um Deinem Bruder ihre Hand zuznwcnden. Weiter kann ich nicht gehen. Während meines ganzen Lebens habe ich jeden Eclat auf das Sorgfältigste vermieden. Auch jetzt kann ich mich nicht entschließen, einen öffentlichen Skandal zu provociren." Die Baronin weinte und bat; der Baron blieb unerschütterlich. Dann benahm sie sich kalt und abstoßend gegen ihn. Der Baron ertrug es mit Geduld. Als Bruno von Wolkenberg sah, daß er fürs Erste sein Ziel in D. nicht erreichen könne, entschloß er sich, nach Breslau zurückzukehren, um den Bau seines Schlosses zu überwachen In Berlin gedachte er einige Tage zuzubringen und die ehemaligen Kameraden aufzusuchen. Er wurde von ihnen mit Jubel empfangen. Sein Schwager hatte ihn reichlich mit Geld versehen, und so war es ihnl niöglich. all die Vergnügungen zu kosten, welche die Großstadt so reichlich bietet. Zu den alten Freunden gesellten sich neue. Unter diesen that sich besonders ein Hofmarschall von Berneck hervor, ein schon älterer Herr, der jedoch im Raffinement des Genusses mit den Jüngsten wetteiferte. Berneck war einem altadeligen Geschlechte entsprossen und hatte es an einem kleinen deutschen Hofe bis zum Hofmarschall gebracht; da aber seine kostspieligen Neigungen mehr Geld erforderten, als fein. Einkommen betrug, so hatte er sich einige Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen lassen und war seines Amtes entsetzt worden, während ihm der Titel verblieb. Herr von Verneck war nach . Berlin gegangen und schloß sich daselbst jungen, lebenslustigen Cavalieren an. Niemand wußte, wovon er seine Ausgaben bestritt; trotzdem war.er fast immer bei Kasse.. Sein immer heiterer.Sinn) seine feinen Manieren, sein liebenswürdiges Benehmen, seine reichen'Erfahrungen und namentlich die Kunst, kleine Feste voller Genüsse und Frohsinn zu veranstalten, machten ihn zu einem sehr beliebten Gesellschafter. Keiner verstand es, wie er, im Spiele mit unerschütterlichem Gleichmuthe die größten Summen zu gewinnen oder zu verlieren. Er scheute keine Mühe, wenn er seinen jungen Freunden gefällig sein konnte und machte namentlich bei deren galanten Abenteuern mit der anscheinend größten Gutmüthigkeit und Uneigennützigkeit den Vermittler. Es fehlte auch nicht an Leuten, die vor dem Umgänge mit dem ehemaligen Hofmarschalle warnten, die behaupteten, daß er als Verbündeter so mancher Damen von zweifelhaftem Rufe mit diesen die Summen theile, die sieden reichen Cavalieren abzulockcu verstanden, daß er ferner beim Spiele nicht immer regelrecht verfahre; aber diese Stimmen verhallten, wenn auch nicht ungehört, doch unbefolgt; Herr von Berneck wußte sich stets' so nützlich und angenehm zu machen, daß man seine Gesellschaft nicht gern entbehrte. Den jungen Baron von Wotkenberg hatte er in seinen besonderen Schutz genommen; erschienen ihm doch die Hilfsquellen des Bruders einer Millionärin ganz unerschöpflich. Bruno amüsirte sich in Berlin so gut, daß er gar nicht daran dachte, die Hauptstadt zu verlassen. Aber sein Schwager war anderer Meinung. Als er von dem großen Bankhause, bei welchem er den Baron von Wokenberg accreditirt hatte, die Meldung erhielt, daß Bruno in wenigen Wochen den Betrag der ganzen Summe sich hatte auszahlen lassen, schrieb er ihm einen ernsten Brief und verlangte, daß der junge Mann sofort Berlin verlasse. „Thorheit," sagte Berneck, dem Bruno diesen Brief zeigte, „vorläufig haben Sie noch Geld genug und brauchen sich um den griesgrämigen Alten nicht zu kümmern."

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