Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 41 (22.5.1884)
- Date
- 1884-05-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449445--20172-2509755- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 688 die Kanzel und übersetzte in rührender Rede die Ansprache seines „jüdischen College»". Die anwesenden Christen waren von der patriotischen Sprache so sehr erregt, das; sie einen Augenblick die Heiligkeit des Ortes vergaßen und ihren Gefühlen mit Enthusiasmus durch den lauten Ruf: „Lang lebe die jüdische Bevölkerung," Ausdruck verliehen. Die Scene war rührend; und das osficielle Organ der Regierung bemerkte mit Befriedigung, indem es dieselbe beschrieb und dabei erwähnte, daß viele Christen werthvolle Geschenke der neuen Synagoge machten, daß die Borurtheile gegen die verschiedenen Confessionen in Bulgarien immer mehr verschwinden, daß der Fanatismus erlösche und Einigkeit unter den Bürgern des Landes ohne Unterschied der Rasse oder des Glaubens herrsche. F r a n k r e i ch. Paris. Die vorige Woche starb Herr Judic (Israelit), Gemahl der berühmten Opernsängerin Judic, welche katholisch ist. Die Begräbuißfeier hatte einen israelitischen Charakter, ein Rabbiner, Herr Raphael Levy versah den religiösen Dienst, die Leiche selbst wurde in der Familiengruft der Frau Judic aus dem katholischen Friedhofe beerdigt. Die politischen Blätter heben bei der Beschreibung dieses Leichenbegängnisses besonders hervor, daß isr. Gebete mit den traditionellen Gesängen auf einem katholischen Begräbnißplatze verrichtet worden. Die Sache ist — bemerken die „Arch. Isr." — unglücklicherweise wahr: Rabbiner und Synagogenchor haben ibre rein religiösen Funktionen in einem Raume vollzogen, dessen katholische Embleme ihm einen wesentlich christlichen Charakter verleihen. Das isr. Personal hätte die Leiche bis an das Portal des Kirchhofes begleiten und vor dem Eingänge zu demselben die religiösen Ceremonicn verrichten sollen. (Unsrer Meinung nach hätten Rabbiner rc. einem solchen Leichenbegängnisse gänzlich fern bleiben sollen. Red.) Paris. Das isr. Consistorium hat über das Gebahren der finanziellen Lage der hiesigen isr. Gemeinde seit einer Reihe von Jahren keinen Rechenschaftsbericht veröffentlicht, obgleich die jüd. Blätter oft und dringend daran gemahnt. Ein solcher Mißstand ist einer so großen Genieinde wie die zu Paris nicht würdig, ebenso daß die Zinsen des consistoriellen Anlehens nicht bezahlt werden. Namentlich die „Arch. Isr.", die aus dem Streife ihrer Abonnenten diesbezüglich vielfach interpellirt werden, mahnen wiederholt das Consistorium an seine Pflicht. England. London. Bei dem Jahretzdiner des Metropolitan Free Hospial erzählte der Lord-Mayor von der Geschichte dieses Instituts und gab feiner Befriedigung über die Errichtung einer besondern Abtheilung für israel. Kranke Ausdruck, indem er hinzufügter Die Juden in der City London's gelten als gute Bürger, welche hochgeachtet und hochgeschätzt zu werden verdienen. Ihre Stellung in England ist eine günstige und ist eine Lehre für jene Länder, in welchen Juden unglücklicherweise noch verfolgt und mißhandelt werden. Der Name Jude in London ist gleichbedeutend mir guten und edlen Wohlthaten. Er habe nur den guten und edlen Sir Moses Montefiore als glänzendes Beispiel dieses wohlthätigen Sinnes zu nennen, der von seinen christlichen Mitbürgern ebenso geachtet und geliebt wird wie von den Juden. Red. Dr. Finch brachte den Toast auf „unsere hebräischen Freunde" aus, indem eran die großherzige Wohlthätigkeit der jüngst verstorbenen Baronin Rothschild, erinnerte, die in ihrem Testamente auch dieses Hospital bedachte. Das Institut ist feinen hebräischen Freunden für ihre liberale Unterstützung großen Dank schuldig und diese Unterstützung ist nur die Bethätignng der sprichwörtlichen Wohlthätigkeit der Inden. London. Eine neulich im Unterhaufe stattgehabte Debatte über die Wiederherstellung des Krönungsstuhls in der Westminsterabtei hat wiederum die Legende über den Jakobsstein in Erinnerung gebracht. Nach dieser soll der Stein, auf welchem der Patriarch Jakob auf seiner Flucht vor seinem Bruder Efan in Bethel geschlafen, in dieser Abtei sich befinden. Derselbe sei von Palästina nach Egypten und von da nach Spanien und Irland gekommen und in diesem letzteren Lande, sowie in Schottland bei der Krönung der Könige benutzt worden. Türk.ei. Konstantinopel. Dank der Wachsamkeit der Lokalbehörden in demjenigen Theile des türkischen Reiches, wo eine starke griechische Bevölkerung lebt, ist dieses Jahr das griechische Osterfest ohne die gewöhnliche Blutbeschuldigung gegen die Juden vorübergegangen. Nur in einem in der Nähe der Dardanellen belegenenPlatze wären beinaheAusschreitungen gegen die Juden vorgekommen, wenn nicht ein verloren geglaubtes christliches Kind alsbald wieder aufgefunden worden wäre, ehe die schlummernden Leidenschaften angefacht worden. Die Behörden haben sich bei dieser Gelegenheit sehr umsichtig gezeigt. Palästina. Jerusalem, 2. Mai. Die hohe Pforte in Constantinopel hat neuerdings an die Behörden in Palästina den strengen Befehl ergehen lassen, den