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Der Israelit · 1884-05-22 · Heft 41 (22.5.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 41 (22.5.1884)
Date
1884-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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687 wissen, daß die Orgel auch in der Kirche von ihrer ersten Einführung an bis auf den heutigen Tag aufvielfachen Widerstand gestoßen ist, und daß es allerdings nicht nur dem musikalischen, sondern auch dem theologischen Verständniß der jüdischen Orgelpaucgyrikcr wenig Ehre macht, wenn sie das Instrument aus den von Dir genannten Motiven in ihre Gotteshäuser einführten, und sich über ihre Unpopularität nun entsetzen." Und so war es, wie ich mich später überzeugte, in der That. Mein l. Freund, der in hebraicis noch besser beschlagen sein soll als in den Kirchenvätern, hatte die jüdisch-theologische Seite der Sache, die Gutachten und Entscheidungen der Nabbinen pro und contra alle gelesen und geprüft. Durch seinen Beruf, seine Umgebung und seine Vorgesetzten sich fortwährend in einem Kreis von Orgelmusikfreunden bewegend, hatte er kaum Veranlassung, sich den Standpunkt der Gegner auch nur einmal anzusehen, geschweige ihn denn zu theilen. Die Opposition gegen die Orgel in kirchlich-christlichen Kreisen war ihm vollständig unbekannt; und durch mich , hat er zu allererst etwas davon erfahren. Um meinen Freund gründlich zu belehren, habe ich nicht die Muhe gescheut/, aus den zahlreichen christlichen Stimmen, welche sich im Laufe der Jahrhunderte bis auf unsere Zeit gegen die Verwendung der Orgel beim Gottesdienste ausgesprochen haben, eine "Anzahl herauszugreifen und sic ihrem Wortlaut nach schriftlich aufzuzeichnen. So sind die folgenden Zeilen entstanden, von denen mein Freund nach seiner glücklich erfolgten Bekehrung glaubte, daß sie nicht ohne jedes Interesse für die Leser einer israelitischen Zeitung sein dürften, und die ich daher auf seinen dringenden Wunsch hier folgen lasse. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Nordhausern Herr Jakob Plaut in Leipzig hat zu den früher» Stiftungen in seiner Vaterstadt Nordhausen im Betrage von 300,000 M., weitere 15,000 M. zugefügt, welche zur Erbauung eines Hauses für den Rabbiner und Vorsänger der isr. Gemeinde bestimmt sind. Oest.-Ungar. Monarchie. Lemberg, 15. Mai. In der ostgalizischen Ortschaft Przysietuica wurden vorgestern Nachts auf der Landstraße die Pferdehändler Moses und Simon Jmanuel ermordet. Der Tod war in Folge von Erdrosselung eingetreten. Gensdarmen folgten den Blutspuren und eruirten bald in den Militär-Urlaubern Bak und Orlowski die Thäter, welche beim Verhöre rückhaltslos ihre Schuld eingestanden. Die Ermordeten wurden ihrer Baarschaft, bestehend in 3 fl., beraubt. Lemberg, 15. Mai. In Buczacz wurden drei Individuen wegen Verdachts, in der Nacht vom 13. Mai den Schankwirth Lazar Tcnnenhaus, seine Frau, zwei Söhne, seine Mutter und die Magd Grünfeld im Schlafe mit Hacken erschlagen und dann beraubt zu haben, verhaftet. Gegen einen dieser unterstandslosen Gesellen, einen früheren Taglöhner, liegen sehr gravirende Judicien vor; die Verhafteten leugnen jedoch insgesammt. Zwei der fähigsten Gerichtsbeamten wurden mit der Untersuchung betraut. Der achtjährige Israel Tcnnenhaus, das einzige Kind des ermordeten Schankwkrihes, welches dadurch, daß es sich versteckte, dem Tode entging, hat einen der Jnhaftirten als Mörder seiner Familie agnoscirt. Die Aussagen des unter den'Folgen der Aufregung und des Schreckens leidenden Kindes lauten indeß unbestimmt und weisen zahlreiche Widersprüche auf. R u.nt ä nie n. In Bukarest starb vorige Woche der in den weitesten Kreisen bekannte Ritter Abraham Halson, einer der angesehensten Juden in Rumänien. Ritter von Waldberg in Jassy, empfing den Kronenorden zweiter Klasse. Der Decorirte ist ein tüchtiger Talmudgelehrter und hat schon vor zwanzig Jahren ein talmudisches Werk herausgegeben. Bulgarien. Siliftria. Während aus Rumänien fortwährend Klagen über die Behandlung der Juden ertönen, ist aus Bulgarien das Gcgenthcil zu berichten. Hievon im Nachstehenden ein weiterer Beweis. In hiesiger Stadt wurde jüngst eine neue Synagoge eingeweiht. Daß die höheren Offiziere und anderes Militär der Garnison, sowie die Civilbchörden einer solchen Ceremonie beiwohnen, ist nichts Außergewöhnliches. Aber dahier hat man das gute Einvernehmen mit den Juden durch Mitbetheiligung gezeigt. Die Militärmusik bot ihre Dienste unentgeltlich an; ein Bataillon Infanterie fungkrte als Ehrenwache und die Synagoge selbst wurde von dem Oberst-Lieutenant (Eommandanten der Garnison) eröffnet. Nachdem der Rabbiner seine Einweihungsrede vollendet, in welcher er in warmen Worten seine Gefühle für die Wohlfahrt des Landes kundgegeben, bestieg der bulgarische „Popa" (Priester)

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