Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 40 (19.5.1884)
- Date
- 1884-05-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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670 3) Bildung eines Verbandes der Rabbiner Deutschlands. Diese Tagesordnung genügt, um schon beute ohne viele prophetische Begabung sagen zu können: Die Rabbiner Aentschkauds werden sich am 4. und 5. Auni d. A. nicht in Werlin versammeln! Es wird sich im günstigsten Falle eine Anzahl Schüler des Breslauer Rabbiner-Seminars mit einigen gcsinnungsverwandten Elementen auf diele Einladung hin nach Berlin begeben; diese werden ihrem Miltheilungsbedürfniß durch einige schwungvolle Reden Ausdruck geben, öffentliche Erklärungen veranlassen, ihren religiösen Sinn constatiren und das sic bereits umschlingende Band ihrer wahlverwandtschaftlichen Gesinnung einen Verband nennen, voilä tout! Aber der gesunde, eigentliche Kern des deutschen Rabbinerstandes, die gesinnnugstüchtigen, gesetzestreuen Rabbincn Deutschlands werden an keiner Rabbiner-Versammlung Theil nehmen, deren Charakter bereits.durch die an der Spitze stehenden und fehlenden Persönlichkeiten so sattsam gezeichnet ist. Jeder Empfänger dieser Einladung Berliner Rabbiner, wird, wenn er die Unterschriften sich ansieht, und die Namen der Herren mustert, die ihn cinladen, besonders aber, wenn er den Namen desjenigen Berliner Rabbiners vermißt, der wie Herr Dr. Hildesheimer sich so unsterbliche Verdienste um Hebung und Förderung des Nabbinerwesens in Deutschland erworben und täglich erwirbt, jeder eingeladene, gesinnungstüchtige Rabbiner wird dann wissen, wetz Geistes Kind die projectirte Berliner Rabbiner-Versammlung ist, und einer solchen Gesellschaft fern bleiben, wenn ihm die Ehre seines Standes am Herzen liegt. Schon aus diesem Grunde ist Berlin der denkbar ungeeignetste Ort zur Abhaltung einer derartigen Versammlung, weil hier die bloßen Namen der Herren sofort ihr ganzes Spiel verrathen. Die Abwesenheit des einen Dr. Hildesheimer versalzt den Herren die ganze Suppe. Ohne Zweifel haben die Herren Berufer sich redliche Mühe gegeben, einen so trefflichen-»'^-Zettel, wie cs der ehrliche Name des Herrn Seminardirector Dr. Hildesheimer ist, für ihre Sache zu gewinnen, denn man darf Leuten, die so verblendet sind, eine Rabbinervcrsammlung unter diesen denkbar ttttgünstigsten Auspicien zu berufen, auch ruhig diese Verblendung zutrauen. Ebenso liegt es auf der Hand, daß die Bedenken, die jeden gesetzestreuen Rabbinen abhaltcn sich unter diese Gesellschaft zu mischen, für eine Persönlichkeit von so Ausschlag gebender Bedeutsamkeit wie die des Herrn Dr. Hildesheimer doppelt und dreifach maßgebend sein mögen. Diese Bedenken drängen sich jedem von selbst auf, der die sehr elastisch gefaßten drei Punkte der Tagesordnung ins Auge faßt. Einige sofort in die Augen springende mögen hier kurz skizzirt werden, indem wir die drei zur Diskussion gestellten Gegenstände hier Revue paffiren lassen. Beginnen wir mit dem letzten Punkt zuerst: Bildung eines Verbands der Rabbiner Deutschlands. — Nehmen wir selbst an, daß dieser Verband nur allgemeine Ziele im Auge habe, bei denen -die tiefgehende religiöse Spaltung zwischen der Richtung der Unterzeichner dieser Einladung und derjenigen der gesetzestreuen Rabbinen nicht zum Ausdruck zu kommen brauchte, so würden letztere Diesem Verbände doch nicht beitreten können, ohne seine Mitglieder 60 ipso als Rabbiner anzuerkennen. Nun ist aber bereits vor 5 fahren in eingehend motivirten Gutachten die Unfähigkeit und Unwürdigkeit derjenigen Rabbinen, aus denen sich allein die Mehrheit dieses projektirten Verbandes recrutiren kann, so entschieden nachgewiesen, daß es sogar als religionsgesetzliche Pflicht eines jeden Inden bezeichnet wurde, aus einer Gemeinde auszuscheiden, die einen solchen Rabbinen für ihre Leitung wählt. Wie könnten daher gesetzestreue Rabbinen freiwillig sich einem solchen Verbände anschließen, von dem ein einziges Mitglied genügt, um sogar den Austritt aus der Gemeinde zur Pflicht zu machen?! Welcher gewissenhafte Rabbiner wird durch einen solchen Beitritt stillschweigend Leute als Rabbiner anerkennen wollen, die ihre Ausbildung einem Institute verdanken, dessen erster Lehrer und Gründer öffentlich jo mm läugnet, die im praktischen Leben sich leichtsinnig über mo«» «n”-nan hinwegsetzen, von denen einer, der mituntcrzeichnete Dr. Maybaum — erst vor wenigen Tagen eine os* mow copulirte, ohne daß sich feine College» schämen, ihre Namen friedlich neben, den seinigen unter diese Einladung zu setzen, wer wird sich einem solchen Verbände anschließen können, ohne zu fürchten, daß man mit Fingern auf ihn deutend spricht: mpn bsx -vnn *pn omV *6 um aintp usd auf Deutsch: sage mir, welchem Verbände Du Dich anschließest und ich sage Dir, wer Du bist?! Bei dem Verbände zwischen König Jehoschasat und Achasjahu handelte es sich zunächst nur um materielle militärische Zwecke, aber das Prophetenwort, T^yo nx 'x ps imnx Dy ronnro, welches über diese Verbindung rückhaltlos den Stab brach, findet in den von keiner Bibelkritik angekränkelten Geistern und Gemüthern der gesetzestreuen Rabbinern Deutschlands einen zu mächtigen Widerhall, als daß