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Der Israelit · 1884-05-19 · Heft 40 (19.5.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 40 (19.5.1884)
Date
1884-05-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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669 machte er das Studium der Gottcslehre zu seiner Hauptbeschäftigung; er ruhte und rastete nicht, er forschte und suchte und lernte, was nur zu lernen war. Wie ein harter Felsen stand ihm anfangs die Gotteslcbrc gegenüber; er bebte nicht davor zurück, sondern faßte sie an mit dem scharfen Meisel seines Verstandes und überwand alle Schwierigkeiten. Wie einst Moschch aus dem Felsen das Wasser hervorsprudeln ließ, so wurde die Gottcslehre für Akiba der erquickende Quell, den er mit nicht zu stillendem Durste aufnahm. Und Gott segnete, ihn auch mit irdischen Gütern. Seine Tische strotzten von Gold und Silber, und seine Gemahlin, die einst in hingehender Liebe Roth und Elend mit ihm gecheckt hatte, durfte nunmehr auf ihrem Haupte ein kostbares Diadem tragen. Durch den Handel mit Kienholz halte Rabbi Akiba diese Neichthümer nicht erworben, sondern durch die gnädige Fügung Gottes, dem alle Neichthümer gehören, und der sie verleihen kann, wem Er will. Deßhalb dürfen auch wir nicht denken, daß unser Wohlstand darunter leide, wenn wir uns dem Studium der Gotteslehre widmen. Laffe die Weisen Deine' Hansgenoffen sein — sie werden Dich nicht arm machen; bestäube Dich mit dem Staube ihrer Füße — cs wird Deiner Ehre nicht schaden; und trinke mit Durst ihre Worte — der Durst nach Gold ist nur zu leicht dazu angethan, nicht allein Dein ewiges, sondern auch Dein irdisches Wohl zu zerstören; der Durst nach Weisheit, nach Thorakeuntniß bringt Dir unendlichen Gewinn in diesem wie im künftigen Leben. (Fortsetzung folgt.) Die projectirie HlaMnerversammkmg in Berlin. Berlin, Iv,y2 Unter den wunderlichen Blüthen, die unsere Zeit treibt, wurde eine der wunderlichsten fehlen, wenn jsie nicht auch ihre Nabbinerversammluug hätte. Die früheren Rabbinerversammlungen sind bereits so gründlich vergessen, daß sie sogar von einem ihrer Haupt-Gevattern schon unter den Todten rcgistrirt worden und durch eine „Geschichte der Rabbiner- Versammlungen und Synoden" von den Todten erweckt. oder wie cs in der Phklippson'schen Zeitung des Judenthmns wörtlich heißt, „vor dem Vergessen geschützt" werden sollen. Wunderbares Walten der Nemesis! In wenigen Wochen feiern wir das Fest, an dein uns Gott auserwählte von allen Völkern und uns vor 3200 Jahren seine Thora mit der Verheißung gab ropn ab o yni »so, daß sie niemals im Munde der Enkel jener von Gott erwählten Träger vergessen werde, und noch zählen wir alljährlich die Tage und Wochen, welche zum Feste der Gesetzgebung führen und schließen allabendlich diese Zählung mit der sehnsuchtsvollen Bitte upbn?ny daß auch uns Gott unseren Ancheck an der Erhaltung und Verbreitung seiner Thora vergönnen möge. Und die Rabbiner, welche Versammlungen und Synoden in der dreist ausgesprochenen Absicht beriefen, um das ewige Wort des lebendigen Gottes als antiquirt und abgeschafft zu erklären, sind mit ihren Zusammenkünften und Beschlüssen nach wenigen Decennien so vollständig der Vergessenheit verfallen, daß sie Leitartikel schreiben müssen, um auf dem Druckpapier wenigstens noch einmal aufzulebcn. . Wahrlich es ist und bleibt eine mächtig ergreifende Seite der göttlichen Wallung tpö oiav mo3 v? riDv, die dein Menschen mit dem Maaße mißt, mit dem er gemessen, wie sie sich gerade , an den RabbiLersLMU'.lungen und ihren Entrepreneuren bewährt hat. Dem Zeitgeist zu schmeicheln, mit der Zeit zu gehen, das waren die Forderungen des Tages, aus denen jene Zusammenkünfte und ihre Beschlüsse hervorgegangcn sind. Und nun ist die Zeit, um deren Gunst sie so angelegentlich buhlten, mit ihrem mächtigen, unaufhaltsamen Schritt über ihre . Schmeichler hinweggegangen und hat sic in ihren wogenden Fluchen begraben. Die Zeit, die sie erzeugt, hat sie auch verschlungen. Sie gingen mit der Zeit und mit der Zeit gingen und vergingen sie. Versunken und vergessen! Das ist des Sängers Fluch: Hys vv ns«» i'I'y D'^in. osw ab iDipo by nunm yzn j»sn üyo i,yi Daß es nach diesem glänzenden Fiasko sämmtlicher bisheriger Rabbinerversammlungen immer noch Rabbiner gibt, die den Muth und das Bedürsniß haben, sich durch Berufung einer neuen Rabbinerversauuulnng in feierlicher, officiellcr Weise gründlich vor aller Welt zu blamiren, klingt so wunderlich, daß man die Einladung dazu schwarz aus weiß vor sich haben muß, um! daran zu glauben. Aber da steht es: Die Rabbiner der Berliner Gemeinde, die Herren Dr. Ungerlcider, Frankl und Maybaum und eine Anzahl gleichgesinnter Eollegen laden zu einer „Ve r sa m m l u n g d e r R a b b i n e r D e u t schlands" ein, die am 4. und 5. Juni d. I. hier in Berlin stattsinden soll. Auf der Tagesordnung stehen folgende drei Punkte: 1) Oeffentliche Erklärung, die interkonfessionelle Stellung des Judenthmns betreffend. 2) Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes und zur Förderung des Religionsunterrichts.

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