Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 40 (19.5.1884)
- Date
- 1884-05-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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668 bcii beiden Jose die Thorakunde empfangen hätten; cs wäre demnach zu übersetzen: Jose benJovser und Jose ben Jvchanan — man empfing die-Thorah von ihnen. — Mit Recht wendet der Verfasser der 2-L du' msoTi dagegen ein, daß diese Erklärung dem Geiste der ganzen Maßechtha widerspricht, die ja die fortlaufende Reihenfolge der Tradition uns mittheilen will. — Rabbi Samuel di Oseda, der Verfasser des brr-vV amo, gibt noch eine vierte Erklärung. Simeon, der Gerechte, hat »als die drei Säulen, ans denen die Welt steht, bezeichnet: die Gotteslehrc, den Gottesdienst und Las Neben von Wohlthaten. Jeder seiner drei Nachfolger hat einen von diesen drei großen Grundsätzen zum Gegenstände seines Wahlspruches gemacht. 'Antigonos lehrt uns die Art und Weise des Gottesdienstes, indem er uns zuruft : Seid nicht wie Diener, die dem Herrn dienen, in der Absicht, Lohn zu empfangen. Jose ben Joöser lehrt uns, wie wir am Besten uns. Thorahkenntniß erwerben, indem er sagt: Es sei Dein Haus ein Sammelplatz für die Weisen, bestäube Dich mit dem Staube ihrer Füße und trinke mit Durst ihre Worte. Jose ben Jochanan lehrt uns, wie wir Wohlthaten üben sollen, indem er uns ans Herz legt: Weitgeöffnet sei Dein Haus, damit die Armen Deine Hausgenossen werden! — Da nun die beiden Jose in ihren Lehrsätzen sich, ebenso wie ihr Lehrer Antigonos, an den Ansspruch Simeons, des Gerechten, anschlicßen, deßhalb wird auch Simeon als ihr Lehrer bezeichnet, und das soll durch das Wörtchen ddd angedeutet werden. Fassen wir nun den Ausspruch des Jose ben Joiffer näher ins Auge. Drei große Erfordernisse sind es, die in Bezug auf die Erwerbung der Thorakenntniß unerläßlich sind: Fleiß, Demuth und Wissensdurst. Der allgütige Gott hat uns in Seiner Gnade Sein kostbarstes Kleinod, die Thora verliehen, die jedoch erst unser Eigenthum wird, wenn wir uns mit unendlicher Hingebung um sie bemühen. In frühester Jugend soll man anfangen, sich dem- Studium. der Thora zu weihen und soll nicht aufhören, in ihr zu forschen, bis zum letzten Athemzuge, Daher lehrt Rabbi Jose D'Durn nyt tv2 -pa vp, ' auch wenn Du der Schule entwachsen, wenn Du ein Mann bist und eine hervorragende Stellung einnimmst im Leben, so sorge dafür, daß durch den Umgang mit Weisen Du stets Deine Kenntniffe vermehrest, sorge dafür, daß Dein Haus ein Sammelplatz der Weisen werde; denn nur durch den Umgang mit ihnen wirst Du zu immer weiteren Forschungen angeregt werden, durch den lebendigen Austausch der Ideen wird Dein Geist wachsen wie eine Quelle, die, klein bei ihrem Ursprünge, durch die Aufnahme von vielen Nebensiüssen zu einem mächtigen Strome erstarkt. — Für Denjenigen, der nicht in so günstiger Lage ist, sein Haus zu einem Sammelplätze der Weifen zu gestalten, können wir noch eine andere Erklärung der Worte des Jose ben Joisser geben. D'con'? -tyr rv2 in'2 vp „das Versammlungshaus der Weisen sei Dein Haus", das heißt, betrachte das Versammlungshaus der Weisen, das Veth Hamidrasch, als Dein eigentliches Haus; dort verbringe den größten Theil Deiner Zeit; mit andern Worten : betrachte alle Deine Geschäfte als nebensächlich im Vergleich mit der Pflicht, in der Thora zu forschen. Ist der Fleiß durch das ganze Leben hindurch die erste Grundbedingung der Erlangung der Thorakenntniß, so ist die Demuth die zweite. Nur um seiner Demuth willen tvar Moscheh geeignet, der erste Lehrer Israels zu werden. Der stolze, eingebildete Mann wird nicht im Stande fein, so zu lernen, wie es sich geziemt. Sein Hochmuth wird ihn hindern, in die Tiefe der Gedanken der Weisen einzudringeu. Daher empfiehlt uns Jose ben Joöser: psrmO nni nn'/r» nsya. Und bestäube Dich mit dem Staube ihrer Füße, das heißt: Setze Dich zu ihren Füßen, erkenne ihre Ueberlegenheit an und denke nicht: Was können die mich lehren? ich weiß ja mehr als sie alle! Wiewohl Du der Hausherr bist und die Weifen Deine Gäste, die Du bewirthest, die Deiner bedürfen, so nahe Dich ihnen in Demuth und Bescheidenheit und betrachte sie als Deine Herren und Lehrer. Für Denjenigen, der nicht in der Lage ist, die Weisen in seinem Hanse zu empfangen und zu dewirthen, können wir, wie wir es bereits oben gethan, den Worten Jose's eine andre Deutung geben. Wie wir oben erklärt: Betrachte dasLehrhans, das Versammlungshaus der Weisen als Dein eigentliches Haus, so können wir auch hier sagen D.-v'xn -0ya paxno »in*. Wenn die Weisen aus irgend einem Grunde Deinen Wohnort verlassen, wenn sie von Jerusalem nach Ufcha, von Uscha nachJamnina oder von Jamnina nach Liberias ziehen, so folge ihnen nach und scheue den Staub der Heerstraße nicht, den sie mit ihren Füßen aufwirbeln. Das dritte große Erforderniß für die Erwerbung der Thorakenntniß ist der niemals erlöschende Wissensdurst, anna-inst xosa nnw „und trinke mit Durst ihre Worte". — Als Beispiel und Muster für den anhaltenden und unlöschbaren Wissensdurst wird uns in den Aboth vcs Rabbi Nathan, Rabbi Akiba vorgefübrt. Sohn eines zum Judenthume übergetretenen Heiden blieb er ein kenntnißloser Hirte bis zu seinem vierzigsten Lebensjahre. Da erwachte der Wissensdurst in ihm. Wiewohl er arm war und für Fra» und Kinder zu sorgen hatte, die er durch einen Handel mit Kienholz kümmerlich ernährte.