Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 39 (15.5.1884)
- Date
- 1884-05-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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wir die verehrlichen Gcmcindegcuossen, uns durch Abweisung der sie allenfalls dennoch anfsnchendcn Personen zur Erreichung unseres Zweckes an die Hand zu gehen. Im Jahre 1883 hatte die Armencasse eine Einnahme von 6859 Fr., die bis aus 1139 Fr. an die Armen vertheilt wurden. Fr a nkre ich. Paris. Die Zinsen der Brüant'schen Stiftung wurden von der Akademie der Wissenschaften den Aerzten, welche die vorjährige Eholeracommisskon bildeten, zncrkannt. Einer dieser Aerztc ist der allgemein beliebte Arzt Dr. Straus;. E n gl and. Lvndo», 10. Mai. In Paris starb vor einigen Tagen im 73. Lebensjahre Mr. Judah P. Benjamin, einer der berühmtesten englischen Ncchtsgelchrten. Der Verstorbene batte eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich. In St. Croix (Westindien) von englischen Eltern, jüdischer Eonfession geboren, verzog er mit denselben in jugendlichem Alter nach den Vereinigten Staaten, stndirtc Jurisprudenz und wurde 2t Jahre alt, zum Barrcan in New-Orlcans zngclasscn. 1852 wurde er in den Senat der llnionsstaatcn gewählt, legte aber 1861 sein Mandat nieder und wurde von Iefferson Davis zum Justizminister der südlichen Eonfödcration ernannt, welchen Posten er später mit dem eines Staatssecrctärs für auswärtige Angelegenheiten vertauschte. Als es mit der Sache der Eonsöderirten zu Ende ging, flüchtete Benjamin nach England, welches er nach vielen Drangsalen und Abenteuern erreichte. Sein nicht unbedeutendes Vcrmögensin Amerika wurde confiszirt. 1866, im Alter von 55 Jahren, wurde Benjamin ein englischer Ncchtsgclchrter und erwarb sich in kurzer Zeit eine Praxis, die ihm ein jährliches Einkommen von 16,000 Lstr. sicherte. Voriges 'Jahr zog sich Benjamin in das Privatleben zurück und übersicdelte nach Paris. London. In der letzten Sitzung der Aeltesten der spanisch-portng. Gemeinde machte der Vorsitzende derselben, Herr Joseph Besag, den Vorschlag, daß man, da es seit dem Tode des Dr. Artom nicht gelungen, das Nabbinat zu besetzen, mit den deutschen Gemeinden ein Abkommen treffe, wonach ein gemeinsames geistliches Board und Beth .Hamidrasch unter der Präsidentschaft des Obcrrabbiners dieser Gemeinden vereinbart werde. Dic Berathnng dieses Antrages, welcher fast ausnahmslosen Anklang fand, wurde einer spätcrn Sitzung Vorbehalten. Irland. Li'merik. Am 2. Mai stand John Mnrphie vor Gericht, weil er, wie mehrere Zeugen darthn», den Juden Jacob Baron am 25. v. M. überfallen und mißhandelt hat. Der Mayor drückte feinen Abscheu gegen solche in Irland nicht gekannte antisemitische Ausschreitungen aus. Die Iren sollten am allerwenigsten Andere verfolgen, denn Jahrhunderte hindurch seien sie wegen ihrer Religion verfolgt worden und diejenigen, die so viel gelitten, sollten nm somchr gefühlvoll gegen Andere sein. Der Angeklagte erhielt zwei Monate Gefangniß. R n ß l a ii b. Odessa. Ein ganz merkwürdiger Fall beschäftigte dieser Tage das hiesige Gericht Ein Jude Namens Gabriel Hoffman», 18 Jahre alt, wurde im Jahre 1879 getauft; einige Tage daraus war der Getaufte aber wieder zu feiner angestammten Religion zllrückgekehrt, was in Rußland als eine strafbare Beleidigung angesehen wurde. Obgleich der Angeklagte zu seiner Verthcidigung angab, daß seine christlichen Be kannten ihn damals' berauschten und er im berauschten Zustande getauft worden sei, wurde er doch seiner bürgerlichen Rechte beraubt und neuerdings den christlichen Geistlichen überliefert, damit diese ihn wieder aus den richtigen Weg bringen sollen. Kartvw. Die hiesige Universität ist dem Beispiel der Kkewer, die Zahl der jüdischen Studenten auf zehn Procent aller Stndircnden zu reducircn, gefolgt Marrampol, 8. Mai. Das Bezirksgericht hat von den wegen antisemitischen Ausschreitungen in Prcny Angeklagten 21 schuldig erkannt, sie sollen aber ans Grund des Manifestes vom 27. Mai von der Strafe befreit werden; 19 wurden freigesprochen. Asien. . Tmyrna. Am letzten Purim wurde dahier j ein sechzehnjähriges isr. Mädchen unter eigenthümlicheu Umständen zum Ucbertritt zum Mohamedanks- ' nms gezwungen und vorläufig in einer mohamedanischcn . amilic untergebracht. Alle Seitens des ‘ Rabbknats und der Gemeindevorsteher gemachten Versuche, um die Rückgabe des Mädchen zu erlangen,; waren vergeblich. Gegenwärtig liegt die Angelcgen-! heit in Händen des Sultans, von dnn man eine günstige Antwort erwartet.