Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 38 (12.5.1884)
- Date
- 1884-05-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXV. Jahrgang Seilage zu Nr. 38 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. Moralische Betrachtungen über jeden der 54 Wochenabschnitte des Pentateuch nebst einem Anhang von Erklärungen und Midraschim, durchweg in kunstlosem Nenn bei völliger Blindheit in die Feder dictirt und zur Beherzigung für seine jüdischen Glaubensgenossen herausgegeben von Go ttl o b B r a u sch. Breslau 1884. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.' Preis 3 M. Der Verfasser ist von dem.Gedanken ausgegängen, daß der kunstlose, ungebundene Reim durch feine leichte gefällige Form dem Gemüthe znfagt. und den: Gedächtnise sich Ic.tdjt einprägt. Die Verse sind manchmal recht schön und gefällig; manchmal streifen sie jedoch an das Komische. Z. V. S. 21: „Adam, der erste Mensch, nicht stammt vom Assen, Unmittelbar von Hott ivard er erschassen." Mituutej^'orücken auch die Verse nicht das aus, was der Verfasser hat sagen wollen. So lesen wir S. 22: „Kain und Abel, ihre ersten Sprossen, Harten den Frieden nicht lange genossen, Kain hatte den Abel erschlagen, Mußte die Strafe seiner Sunde tragen; Doch weil, er sich büßend zii Eott gewandt, Verbannte er ihn in ein fernes Land." Das klingt sonderbar: weil Kain Buße gethan, wurde er verbannt! Der Verfasser hat sicherlich sagen wollen, daß der Brudermörder den Tod verdient, daß aber, weil er Buße gethan, die Todesstrafe in Verbannung umgewandelt worden sei. — Was wir in diesem Buche gelesen, ist meistens von dem Geiste echter Gottesfurcht und wahrhafter Liebe zur Gottcslchre durchdrungen; um so unangenehmer hat cs uns berührt, daß der Verfasser auf Seite 20 die Vermuthung ansspricht, daß seit der Schöpfung der Welt schon Millionen Jahre verflossen seien. Diese Ansicht ist jedoch eine irrige. Seit der Schöpfung der Welt sind erst 5644 Jahre versloffcn. fügung an die Kreisschulinspection, nach welcher jüdische Schüler auch am Sounabend zum Schulbesuch verpflichtet sein sollten, hat auf Beschwerde beim Kultusminister eine Aenderung dahin erfahren, daß die königliche Negierung nunmehr die Ermächtigung ertheilte, jüdische Schulpflichtige auf Antrag der Eltern oder der Stellvertreter derselben an, den Sonnabenden wie an den hohen isr. Festtagen behufs Theilnahme am Synagogcngottcsdicnste vom Schulbesuche zu dispensiren. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Minden, 6. Mai. Eine im vorigen Jahre von der Negierung in Blinden erlassene Specialver¬ Colbrrg. Dem zehnten Jahresbericht, über die Verwaltung des jüdischen Kurhospitals rws-i rra.. im See-, Sool- und Moorbade Eolberg im Jahre 1883 entnehmen wir: Das jüdischen Kurhospitals in Eolberg beschließt mit ‘ dem ablaufenden Vcrwaltungsjahr sein erstes. Decennium, also den ersten bedeutungsvollen, größeren Zeitabschnitt seiner segensreichen Entwickelung. Das im Jahre 1881 eingelcitete Lotterie- Unlernehmen fand mit der am 14. und 15.- August im hiesigen Nathause planmäßig erfolgten Ziehung vorläufig seinen Abschluß. Aus den Erträgen desselben ist im Laufe dieses Jahres die Summe von 10,000 M. dem Grundvermögen zngefnhrt worden. Der vollständige Abschluß wird erst im Laufe des künftigen Jahres möglich sein. : Die ordentlichen Einnahmen schließen mit der Summe von 7449 M. 6 Pf. Hiervon wurden 5273 M. 46 Pf. für die Unterhaltung der Anstalt verausgabt und aus dein Ucberschnß 2000 M. dem Grundvermögen enverleibt. Zu den Einnahmen gehörte auch eine Reihe von ansehnlichen einmaligen Beiträgen, die von einzelnen großherzigen Wohlthätern der Anstalt zugcflossen sind, und zwar: von Herrn Commerzienrath B. Mannheimer in Berlin 5OO M., von Herrn Geh. Commerzienrath Moritz Simon in .Königsberg i. Pr. 150 M., von Herrn Stantiuer und Becker ebendaselbst 100 M. Das Verzeichniß der Jahresbeiträge weist am Jahresschlüsse 311 Mitglieder mit laufenden Bei-; trägen in Höhe von 2557 M. 50 Pf. nach; die An-! zahl der Mitglieder ist also um 14, die Höhe der : Jahresbeiträge um 129 M. gewachsen. I Das Grundvermögen war am Schluffe des! Vorjahres mit einer schwebenden Schuld von 2400! M., die ans dem Grundstück haftete, belastet; die-