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Der Israelit · 1884-05-12 · Heft 38 (12.5.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 38 (12.5.1884)
Date
1884-05-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ben, davon legten die vielfach persönlichen, schriftlichen und per Depesche gesandten Gratulationen, die prachtvollen Blumcubougucis und andere Geschenke beredtes Zeugnis; ab. Bis in später Abendstunde nahm das Erscheinen der Gratulanten kein Ende; auch seine vielen auswärts domizilircndcn ehemaligen Schüler hatten ihren geliebten Lehrer nicht vergessen, nnd sandten ihm zahlreiche Telegramms Möge cs dem Julülar vergönnt sein mit der göttlichen Hilfe in voller geistiger und körperlicher Frische mis seiner verehrten Gattin sein ö>»jähriges Amtsjubiläum zu erreichen, wie es von Herzen wünschen seine Gemeinde nnd der Schreiber dieser Zeilen. Julius Joseph. Ocstcrr.- Ungar. Monarchie. Wie». Man berichtet uns, das; nunmehr auch Baron N a t h a n i c l R o t h sch i l d die Sommcrsaisou in Ncicheuau zubriugcu wird; er gedenkt dort ein Schloss mit jenem Comfort und Geschmack zu erbauen, von dem der vielfache Millionär schon wiederholt unwiderlegbare Zeugnisse abgelegt hat. Wo Baron Nathanicl wohnt, da gibt cs immer glänzende , Gesellschaft,.und wenn Baron Nathanicl baut, soge- ' schielst das bekanntlich nicht allzu rasch und nicht züm Bachthcilc seiner Nachbarn, die heute schon den Werth > ihrer Gründe verzehnfacht sehen. Ter Plan des neuen ' Schlosses ist fertig und auch die Gründe für,dasselbe , und den neu anzulegendcn Park sind schon im Be- . sitze des freiherrlichen Mäccus. Er hat vorläufig siebzehn Joch Wiescngrund um einen für die Ncichciiaucr Verhältnisse geradezu fabelhaften Preis angekanst. Der frühere Besitzer verlangte für diesen Eomplcx, der einen Schätzungswerts) von 7000 fl. hat, 120,000 fl. uub erhielt die Summe auch. Nnd wer war der frühere Besitzers Niemand Anderer als Herr v. Schönerer, der — wie die „Presse" berichtet — die 120,000 fl. des Barons Nathaniel Nothschild mit. großem Behagen cinstrich. >'ou olot,. Wien. Die hiesigen Blätter veröffentlichen die Predigt, welche der Neichrathsabgcordncte und mährisch-schlesische Superintendent Dr. T h cy d o r Haas am jüngsten Eharsrcitag in der Kirche gehalten. Unter anderm sagte derselbe: Es gibt keine Eonfcsskon, welche so viele blutige Verfolgungen erleiden mußte, als eben die christliche. Das Hcidenthnm, das vor 16 Jahrhunderten in Nom noch herrschte, ersann die pcinvollstcn Dualen für die Anhänger des christlichen Glaubens. Nun sollte man glauben, daß das Ehristenthnm, welchesunter dem religiösen Fanatismus so viel zu leiden hatte, sich seinerseits von einem derartigen Geistesirrthum hüten müßte. Leider war dies nicht der Fall. Kaum, daß die christliche Religion von ihrer gedrückten Lage zur „herrschenden Staatsrclkgion" sich erhoben, als auch das Ehristenthnm gegen Andersgläubige mit dem empörendsten Fanatismus vorging. Wir Protestanten hatten sogar von unfern eignen christlichen Glaubensgenossen, den Katholiken, die bittersten Verfolgungen zu er- : tragen. Und nun stehen protestantische Prediger aus wie Stöcker und Eonsorten und verhetzen das Volk zu Judenverfolgungen. Der tiefe Abscheu, den ich vor den antisemitischen "Wühlereien empfinde, zwingt mich, immer und immer ans dieselben zurückzukommen. Ich persönlich zähle unter den Juden viele liebe, treue und hochachtungswürdige Freunde. Haben wir doch vor Kurzem einen Mann begraben, 1 von welchem ich hier auf der Kanzel feierlich bezeugen kann, daß er einer der besten, edelsten und vcrchrnngswürdigcn Menschen war, die ich in meinem ganzen Leben kennen gelernt habe! Ich meine den seligen Ignaz Kur and a, der bis zu seinem letzten Athcmzuge Jude geblieben und doch immer zu den uneigennützigsten Patrioten und edelsten Menschenfrennden gehörte. — Aber der Antisemitismus an sich ist nur eine Mischung von Haß und Lüge, Bosheit und Unduldsamkeit, Engherzigkeit und Gemüthsrobeit. Eine solche große-Summe der niedrigsten Gemeinheiten kann nur unsere tiefe Verachtung Hervorrufen. Wir ärgern uns, wenn die Protestanten in Tyrol uub andern Ländern mißhandelt werden. Dürfen wir es aber dann dulden, daß die Juden seitens dcr Ehristen gedrückt, verfolgt und mißhandelt werden. Im'alten heidnischen Nom verhetzte man das Volk gegen das Ehristenthum, indem man die lügenhafte Beschuldigung anssprengte: die Ehristen schlachten Kinder, essen Mcuschenfleisch und trinken in ihren geheimen Zusammenkünften Menschenblut. — Nun frage ich: Werden in unfern Tagen von christlichen Fanatikern nicht ganz gleiche lügenhafte Beschuldigungen gegen die Juden erhoben? Ist cs nicht eine wahre Schmach, daß in unsrer Zeit jene mittelalterliche Lüge ansgcwärmt wurde, wonach die Juden Ehristenkiuder schlachten, um deren Blut im Osterbrot zu genießen! Sind es wirklich Ehristen, welche gewissenlos genug sind, mit solch verwerflichen; Mitteln gegen unsere jüdischen Mitbürger zn ' Hetzen! — Es wäre zu wünschen, daß die hohe und niedrige Geistlichkeit der Ehristenheit so mancher Länder diesen Kirchenfürstcn zum Musteruähme. Würde die christliche Geistlichkeit in gleichem isinne ihre Stimme von der Kanzel herab ertönen lassen, so würden die antisemitischen Wühler beim Volke kein Gehör finden. Wien. Man erinnert sich an den Vergiftungs-! proceß gegen Jsak Bienenstock, welcher vom Schwur-

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