Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 38 (12.5.1884)
- Date
- 1884-05-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449442--20108-2509688- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
635 ZeitungSuachrichteu und Svrrcfpoudeuzcu. Deutschland. Mainz, «S. Mai. Die „Frankfurter Zcilnng" vom heutigen Datum berichtet über einen „I l ln stritt cn deutschen Armeekalcnder", der nach amtlichen Quelle» bearbeitet ist und mit höherer Genehmigung den Soldaten zum Ankäufe empfohlen wird. Dieser Kalender enthält den miserabelsten Antisemitismus, den man sich denken kann. So heißt es. in demselben (§.112): Wir schiipc» Mmh »nd grosre Thatcn Und sind Zinn „Handel gleich bereit, Doch Bombinsplilter und Granaten, Tie sind nicht gut jnr unsre „Lait". - Wo;n die scharsgcschliss ncn 'Waffen, Tic stechen-tief und ritze» sehr, Was hat der Wucher wohl zu schassen Aii Ruhmesglanz und Wasfenchr V Und ferner: . Was schaffst Tu, Jude? — Ich spreche viiulj Hohir . Und verlache der schwieligen Arbeit Lohn, Der Tchachcr, der Wucher, die schaffen mir (*olb, 3»r Arbeit halt ich den Christen im Told. Dazu brillante, im Genre der Berliner „Wahrheit" aüsgcsuhrte Holzschnitte! Angesichts der Verbrcitungswcise eines solchen Luches in nnscrn Kasernen ist wohl die Frage berechtigt, welche Früchte man sich von dieser Lektüre bei nnscrn Soldaten verspricht. - Das Vaterland verlangt seine Llutstcuer in gleicher Weife von dem Juden ^wie von dem Germanen. In Reih und Glied steht der Eine neben dem Andern, ist der Eine angewiesen neben dem Andern seine Dicnstjahre zu verleben, im Kriegsfälle neben ihm zu fechten linb zu sterben. Will man denn dem Juden die Dienstzeit zu einer .Höllenqual machen, in der er gehänselt und gefoppt wird von seinen Kameraden, maltraitirt nnd zurückgcsctzt voll seinen Vorgesetzten, nur weil er Jude ist? Aber noch eine andere Seite bietet die Propagirungderartiger Ideen. Unsere Armee kennt Inden llicht nur als „Untergebene", sondern auch als „Vorgesetzte" — wenn auch nicht in der Linie, so doch in der Reserve. Die meisterhafte Disciplin unserer Armee wird vielleicht verhindern, das; im gegebenen Falle der untergebene Ehrist dem Vorgesetzten Juden gegenüber die Consequenzen dieser approbirten Lcctüre zieht — vielleicht auch nicht; vielleicht glaubt der Mann, das; er den Juden, der in der Lieutenants-Uniform vor ihm steht, so behandeln müsse, wie er cs nach dem Luche, das ihm die Herren Vorgesetzten empfohlen haben, verdient. Und dann? ... Vielleicht gelangen diese Jcilcu bis an die Stelle, die dem Unfug der Verbreitung einer derartigen Schmntzschrist in unseren Kasernen ein Ende machen kann u n d d a n n s i ch e r a u ch ul a ch e u w ir d. SandHansert bei Heidelberg, "9. Mai. Lei den in der letzten Zeit leider so vielfach gebrachten Nachrichten über Beispiele von Intoleranz berührt cs wohlthuend, mitthcilen zu können, das; unser allgclicbtcr und verehrter Groszhcrzog dem Lczirks- Rabbincr, Herrn Dr. S o n d h c i m e r in H c i d e lbcrg den Ritterorden erster Klasse mit dem Zährniger Löwen, der sonst nur den höheren Lcamten zu TlM wird, gnädigst verliehen hat. Gvllttvw in Pommern, 7. Mai. Der vergangene Sonntag, der 4. Mai, gestaltete sich für unsere, sonst so stille Shnagogcn-Gcmcinde zu einem wahren Festtage. An diesem Tage, feierte unser allgemein geliebter und verehrter Lehrer, Herr Jacob S i l b e r st c i n. das Fest seines 25fahrigen Anitsjubilämns als Lehrer und Eantor.unserer Synagogen-'.. Gemeinde. - Die Gemeinde hatte an diesem Ehrentage dem Jubilar einen silbernen, illncn vergoldeten großen Pocal mit entsprechender Inschrift, sowie eine geschmackvolle litographirtc Adresse, in welcher auf das segensreiche und'erfolgreiche Wirken desselben während seiner 25jährigen Amtsthätigkeit hingcwiesen und worin dem Jubilar der Dank der ganzen Gemeinde ausgesprochen wird, — durch eine Deputation, bestehend aus dem ersten Vorsteher Herrn F. Pineosss, dem Vorsitzenden der Repräsentanten Herrn Julius Glaser, und dem Herrn L. Schwarz, als ältestem Gcmcindcmitgliede, — überreichen lassen. > Nachdem die Deputation diese Ehrengabe mit einer Ansprache überreicht, sprach der Jubilar sichtlich erfreut nnd tief ergriffen in schlichten, vom Herzen kommenden Worten seinen Dank ans nnd bc» tonte, das; ihn solche Beweise der Liebe und Anhänglichkeit seiner Gemeinde hoch erfreuen nnd bc. glücken, und wenn er bisher nur seine Pflicht gethan, ihm diese jetzt doppelt leicht würde, da er der Anerkennung mm sichtbar versichert sei, nnd wie er bis- , her in guten und bösen Tagen, in Freud nnd Leid, ' ohne Unterschied des Standes, zu seiner Gemeinde gestanden, so würde er mit Gottes, des Allmächtigen Hilfe dies so auch ferner halten nnd ihr seine ganze Kraft widmen. Wie sehr es aber auch der Jubilar verstanden, während seiner 25jährigen Amtsthätigkeit sich nicht nur die Liebe und Hochachtung seiner Gemeinde, sondern auch vieler christlicher Mitbürger zu enver-