Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 38 (12.5.1884)
- Date
- 1884-05-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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632 den au werden. Und so ist es-auch dem Ausspruche des Antigonos ergangen. Kürze und Präzision sind zwar die höchste Zierde beim Aussprechen allgemeiner Lebensregeln; doch dürfen sie die Deutlichkeit nicht schädigen und das allgemeine Verständniß nicht beeinträchtigen. Daher ruft ein Späterer, Abtalion, im Hinblicke auf den Ausspruch des Antigonos (vergleiche Bartinora zur 11. Mischnah in diesem Abschnitte): „Ihr Weisen, seid vorsichtig in euren Reden!" Antigonos, so wird uns im 5. Abschnitte der Aboth des Rabbi Nathan erzählt, hatte unter seinen vielen Schülern auch zwei Namens Zadok (oder Sadnc) und Beothos. Diese lehrten den Grundsatz ihres Lehrers ihren Schülern ohne ihn genügend zu erklären, und diese verfuhren ihren Schülern gegenüber ebenso. Dann stand ein Geschlecht auf, welches sprach! Was mag unsre Väter bewogen haben, solch einen Grundsatz aufzustellen?! Ist es wohl denkbar, daß ein Arbeiter den ganzen Tag arbeite und Abends keinen Lohn empfange? Hätten unsere Väter gewußt, daß es noch eine andere Welt, ein künftiges Leben gibt, sie hätten einen solchen Grundsatz nicht aufgestellt. — Durch diese Erwägung veranlaßt, bildete sich eine Secte, die sich nach den obenerwähnten Schülern des Antigonos Sadncäer und Beothosianer nannte. Sie lösten sich von der Gotteslehre los, suchten das Leben so viel als möglich zu genießen und verhöhnten die dem Gesetze Treugebliebenen, die sich das Leben durch die Beobachtung der Gottesgebote erschwerten.*) Das Vorgehen der Schüler von Zadok und Beothos erscheint um so erklärlicher, wenn man die ältere und wahrscheinlich richtigere Lesart des Ausspruches des weisen Antigonos ins Ange faßt. Dieselbe lautet im Schlußsätze: ruo by mn ns* j’ipd» vn DnDjQ m :did bsp*? „Seid vielmehr wie Knechte, die dem Herrn dienen in der Absicht, keinen Lohn zu empfangen." — Der berühmte Rabbi Schimeon bar Zemach Duran sagt darüber: Einige haben die Lesart verändert, indem sie sprachen: Warum soll man dem Herrn dienen in der Absicht, keinen Lohn zn empfangen und was schadet es, wenn der Herr Lohn ertheilt? Kömmt es doch nur auf die Absicht an und diese war nicht auf den Lohn gerichtet. — Allein, man braucht deßhalb die richtige Lesart nicht zu verändern; denn der vollkommene Dienst ist derart, daß der Diener spricht: Mein Herr hat mir bereits viele Wohlthaten erwiesen, und ich bin ver- BaUmora l. c. schreibt, dag Sabot und Beothos selbst die Gründer dieser Seele waren. Ihm widerjpriä-.t Zw r»> daselbst, indem er aus die von uns mitgekheilte Stelle aus mp jm '77 verweist. pflichtet, ihm dafür zu dienen. — Dies ist der vollkommene Dienst, wie Gott ihn besohlen hat, indem er spricht: Und Du sollst lieben den Ewigen Deinen Gott. In dieser Weise diente Abraham seinem Schöpfer, der deßhalb urvs, der Liebende, genannt wird, wie es heißt: 'smx crrax jnr, der Samen Abrahams, der mich liebte. Und so heißt es auch: irmm nosn ino psn vroscn 'i nst so* v rr nKrs* .vmso -ozo rrbi l’mso: d'r . „Heil dem Manne, der Gott fürchtet, an Seinen Geboten findet er Wohlgefallen gar sehr — an Seinen Geboten und nicht an dem Lohne für die Ausführung derselben." (Abodah sarah 19a.) Zwar lehren unsere Weisen, daß es erlaubt sei, Almosen zu geben in der ausgesprochenen Absicht, dadurch Lohn von Gott zu erhalten; so ist es erlaubt zu sagen: ich widme diese Summe den Armen, damit Gott meinen Sohn gesund erhalte, oder damit ich Antheil habe am künftigen Leben. Diesen scheinbaren Widerspruch lösen schon Thoffaphat in folgender Weife: Biele Menschen dienen Gott in der Absicht, daß ihnen Gott alles Gute erweise, ihnen Gesundheit, Leben, Ehre und Reichthum erthekle; wenn aber nicht Alles nach Wnnsch geht, so murren sie gegen Gott und lästern Seinen heiligen Namen, indem sie sprechen: Wir haben doch so frornrn und gottesfürchtig. gelebt, und uns soll so etwas zukommen! womit haben wir das verdient? — So machen es die Heiden mit ihren Götzenbilder», an denen sie sich rächen, wenn sie ihnen nicht bei-. stehen zur Zeit in ihrer Roth. Daher warnt uns Antigonos und ruft uns zu: Seid nicht wie die Knechte, die dem Herrn dienen, in der Absicht Lohn zu empfangen, die aber den Dienst ihres Herrn ver-- lassen, wenn der Lohn ihnen zu lange ansbleibt. — Wenn Jemand auf Lohn hofft, jedoch von dem Eintreffen dieses Lohnes seine Dienstbarkeit Gott gegenüber nicht abhängig macht, so liegt in dieser Hoffnung nichts Unrechtes, wie es ja auch der Prophet Jesaias ausgesprochen hat. (E. 64. V 3..) rono1? rury* “jnbn oh"« nrtn rr> py „Kein Auge hat geschauet, denn Du Gott allein, was Er vollbringen wird dem, der aas Ihn harrt." Wir haben nun noch den Nachsatz ero» vri DO'by D’ctff „und es möge die Furcht vor Gott über Euch wallen", zu erörtern. Wir haben beretts oben nachgewiesen, daß der Vordersatz die reinste und hingebendste Liebe zu Gott entpsiehkt. Der Weise hält es jedoch für nothwendig, daß sich mit der Lieb: zu Gott auch die Furcht vor Gott vereine. Ein Kind, das seinen Vater liebt, wird sich bemühen, ihm Freude zu machen und zu thun, was der Vater wünscht. Dagegen wird es manchmal, sich stützend auf die Liebe des Vaters, sich herausnehmen, die