Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 37 (8.5.1884)
- Date
- 1884-05-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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T-im-u ■ -. 11 ,Lf1 624 Eines Tages blieb er von der Schule weg und | — Was! rief meine Mutter, Du sagst, es war als der Professor ihm deswegen am nächsten Tage ja nur ein Jude? Ist derJu„e bei Dir kein Mensch eine Rüge ertheilte, sagte der gute Koricsüner als ‘ wie jeder andere? Du geringschätzest ihn wegen Entschuldigung: seiner Religion? Vergißt Du, daß man „unsere" „Verzeihen Sie , Herr Professor, ich konnte Religion vor fünfzig Jahren in dieser Stadt ebenso wahrhaftig nicht kommen, denn meine Frau hat j verfolgte, wie Du die jüdische verfolgst? Du hast mich eben gestern mit einem kleinen Jungen be-? das weder von mir, noch von Deinem seligen Vater schenkt." I gelernt! Jetzt gehst Du sofort und suchst den jüdischen Man kann sich die lustige Stimmung denken, j Studenten auf, den Du geschlagen, bittest ihn um welche diese ungewohnte Entschuldigung in der Klasse! Verzeihung und bringst es mir von ihm schriftlich, hervorrief. Nur der Professor lachte nicht; er nahm! daß er Dir verziehen. Alles ernst, und seinem Schüler zum Neugeborenen j Ich war ob dieses drakonischen Unheils Glück wünschend, ließ er ihn für diesen Tag frei, ' entsetzt. damit er seine Frau pflege. I — Ich soll mich vor jenem Juden de- . Der gute Koricsüner selbst nahm die Sache auch j müthigen? sehr ernst, wie Alles im Leben. Die Kalligraphie ' — Du demüthigst Dich vor Gott, der den Julierträgt sich nicht mit den: Spaß. i den fammt Dir geschaffen. . Einst disputirten wir vor der Stunde, Koricsüner j — Wo soll ich den jetzt in der Stadt aufsuchen? und ich. Die Streitfrage war. ob im ungarischen j — Das ist Deine Sache. Du weißt ganz Metrum der Buchstabe „h" ein Mitlaut ist oder! gut, in welcher Gaste die Juden wohnen. Geh von nickt? Ich behauptete: ja, er sagte nein. Zuletzt - Haus zu Haus, bis Du ihn findest: öffne.Deinen schleuderte ich ihm die Worte zu: „Was verstehst Du j Mund, frage. Komorn ist kein großer Wald, davon? Du bist ein Jude!" Worauf er ripostirte: Aber mir komme ohne die Schrift nicht unter die „Du aber bist blos ein Kmd!" | SCugen! Eine schreckliche Beleidigung! Einem 14jährigen; Das war das Ultimatum. Ein fataler Zustand. Manne zu sagen, er sei ein Mud! Heutzutage würde j Das Mittagmahl hatte ich bereits versäumt, nun inan deshalb den Beleidiger fordern. Damals machte j bekomme ich auch kein Nachtmahl. Aber ich man kürzeren Prozeß mit ihm. Er war 40 Jahre; konnte nicht apelliren und im Reichstage interpellireu alt, ich 14. Aber ich war ein Ungar, er nur ein! konnte ich auch nicht; ich mußte mich fügen. Ich Jude! Grund und Nechtstitel genug, um ihn am > entschloß mich daher schweren Herzens, Ko- Kragen zu fassen und feinen Nucken mit der Faust j ricsüner am Ende der Stadt aufzusnchen: dort gehörig zu bearbeiten. j wohnte er. Eben als ich in dieser Weise am Rücken meij Wie ich nun die Gaffenthüre öffne, drückt Fehles jüdischen Schulkollegen das Konsonantenthum! maud eben dieselbe von draußen nach innen. Und wie des Buchstaben „h" demonstrirte, trat der Pro-? die Thüre sich öffnet, steht mein kleiner Koricsüner sessor in den Hörsaal. Er war ein strenger und! vor mir. gerechtigkeitslicbender, wackerer Mann: er bestrafte! Mit ekngezogenen Schultern, den Kops traurig rnick (seinen Schwager!) für diese Uebertretnng und : sur Seite geneigt, fragte er mich auf der Schwelle behielt mich in der Schule zurück; ich durste erst stehen bleibend, in sanftem, bebendem Tone: Abends nach Hanse gehen. Und das war eine große Iraseeris midi? (Bist Dn mir böse?) Schande.! Ob ich ihm böse bin! Daheim wieder halte ich es mit Mama zu thun. \ Und demüthig den Hut ziehend, sagt er: Meine Mutter war eine seelengute Person, dabei aber! — Ich bin zu Dir gekommen, um Dich um Vereine strenge, militärische Natur. Sie fragte mich, wo | zeihuug zu bitten! ich geblieben. Ich erzählte sehr indignirt, welche Un- I Er, der Geschlagene, kommt seinen Beleidiger um gerechtigkeit mir widerfahren; ich wisse gut,, daß der! Verzeihung zu bitten! Und ihn zwingt doch zu Hanse Buchstabe „h" ein Konsonant sei, ich könne Vörös-! Niemand dazu! Er hat keine drakonisch urtheikende marty citiren. „Herhalom" sei ein Daktylus; wäre ' Mutter, die ihm befohlen, zu mir zu kommen! Und das „h" kein Konsonant, so gäbe jenes Wort einen;• er sucht mich aus! Trochäus. Jemand widersprach mir, deshalb habe - Mir strömte» die Thräueu aus den Augen: ich ich ihn geschlagen, und darum sperrte mich der Pro- \ fiel ihm um den Hals und umarmte ihn. sessor ein. ' — Nicht Du bittest mich um Verzeihung, sondern — Deshalb mußtest Du Jemanden schlagen? j ich Dich, und nun komm' zu meiner Mutter hinein und fragte meine Mutter. erzähle nun ihr, daß wir uns ausgesöhnt haben und — Es war ja nur ein Jude! | einander schätzen.