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Der Israelit · 1884-05-08 · Heft 37 (8.5.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 37 (8.5.1884)
Date
1884-05-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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625 — Deshalb bin ich ja zu Euch gekommen. Damit ging er mit mir zu meiner Mutter hinein uud sprach: — Ich kam, um die gnädige Frau rum Verzeihung dafür zu bitten, daß ich sie so beleidigt habe. Ich habe gefehlt, ich gebe cs-zu. Denn darin, worüber wir disputirt hoben, hat Moriz Recht. Der Buchstabe „h" ist in der That ein Konsonant: nur durch eine poetische Lizenz wird daraus manchmal eine Aspiration. Der Herr Professor hat mir die Sache erklärt. Ich bitte also um Vergebung, daß ich Moriz Anlaß gegeben habe, mich zu schlagen. Aber cs hat mir nicht wehe gethan, denn er hat Recht und hat eine gute Faust. Er wird schon mit derselben Faust den Juden vcrthcidigen, wenn der Jude Recht haben wird. Von diesem Momente an bin ich Philoscmit geworden. . Und dies ist bei mir nicht blos eine ideale Phrase: es ist auch in's Leben übergegangen. Ueberall, wo ich in die Schule gegangen, habe ich dahin gestrebt, daß meine Schulkollegen die jüdischen Kommilitonen anständig behandeln. Im Kecskemeter Kollegium, wo ich bereits einen hohen Rang erklommen — ich war nämlich auf dem Juristenball der conslitutiouell gewählte Vortänzer, in meiner Klassenerster Eminent und bei den Dilettanten erster Liebhaber— habe ich dieses Ansehen überall in der Richtung geltend zu machen gewußt, daß wir die gebildeten Söhne der Kccskcmcter jüdischen Handelsklasse in unseren geselligen Kreisen heimisch machten. Sie waren unsere besten Freunde, mit ihnen konnten wir das Meiste über literarische Dinge sprechen, von ihnen liehen wir uns die lesenswertheu Bücher aus; selbst Pctöfi portirtcn sie am Meisten. Einst arraugirtcn wir zur Gründung einer Jugeudbibliothck ein Dilettanten - Eoncert. Musiker und Dcclamatorcn fanden sich unter der Schuljugend genug, aber cs gab unter uns keinen geschulten Sänger, welcher Operuaricu vortragen kannte. Ein junger Jude, Philipp Gallia (später ist er Buchhändler geworden), ein sehr vielseitiger, gebildeter, diplomirter Mann, der nebenbei eine prachtvolle Tenorstimme und eine gute Schule hatte, bot über mein Ersuchen seine Mitwirkung an und er sollte die Arie „Trema Bizantia ....!" aus der Oper „Velizar" singen. Den Text übersetzte ich ihm ins Ungarische. Einige Tage vor der Vorstellung verbreitete sich das Gerücht, cs werde im Publikum irgend eine Demonstration aegen den jüdischen Debütanten vorbereitet. Das schreckte uns jedoch nicht ab. Das Publikum füllte das Theater; die Einnahme genügte zur Gründung der Jugendbibliothek. Als die Reihe an den Gcsangsvortrag Gallias kam, erwartete Jeder mit gespannter Aufmerksamkeit was nun geschehen werde.' Mein jüdischer Sänger betrat muthig die Bühne, trat vor das Orchester, aber kaum hatte er sein „Rcszkess Bizantium!" begonnen, da schrie aus dem Publikum eine Viehtreiberstimmc:. „Hiergibt's keine Pferdehäute! Was hat hier der Jude zu suchen?" Aber der vereinzelte Schreier wurde von dem geehrten Publikum selbst mit einer erstaunlichen Raschheit ans dem Zuschauerraume hknansgcschlendert. Dies war das Werk eines so kurzen Momentes, daß die Arie gar nicht unterbrochen wurde. Als der letzte Vers von der blutigen Rächnng aller Thränen des edlen Helden verklungen war, brach das ganze Publikum in einen so allgemeinen Applaus und Eljensturmaus, daß derselbe gar nicht enden wollte. Dies geschah vor 42 Jahren in der Stadt Kecskemet. ...... Wie ist doch die Welt seit damals fortgeschritten! _______ Lebensversichcrmigö'Gesellschast zu Leipzig, auf Gegenseitigkeit gegründet 182V. Dem Rechcnschasis bericht der genannten Gesellschaft, deren Bilanz in dem Inscralenthcil unserer heutigen Nummer verösscntlichl ist, entnehmen wir, > daß im vergangenen Jahre bei dieser seit 53 Jahren bestehende», zu den drei' ältesten deutschen Lebensversicherungs-Anstalten gehörigen Gesellschaft 3338 Versicherungen mit über. 1!),900,51)0 Mk. abgeschlossen worden Hub, 178 Versicherungen und 848.100 Mt. mehr als 1882. Der Versichernngsbcstand ist dadurch (5nbe 1883 aus 38,786 Personen, versichert mit 201,513,550 Mk., gestiegen. Das von der Eesellschast cingcsührtc System der steigenden Dividende, nach welchem die Versicherungsbeiträge mit wachsender Vcrsichernngsdaner sich immer mehr ermäßigen, jodaß der Versicherte mit der .-Zeit nicht nur vollständig beitragssrei wird, bcigctreten. Das sinanzielle Grgebuiß war ein außerordenW günstiges. Der Ncberschuß beli s sich auf 2,308,003.69 und gestalt für 1885 die Vertheilnirg einer Dividende von -12 M der ordentlichen Jahresbeiträge an die Bcrlicherie», während die Dividende im Durchschnitt der letzten 5 Jahre ans 40 M und im lausenden Jahre aus 41 pt>t. stellte. Die Beiträge ermäßigen sich durch diese hohen Dividenden derart, daß die Lebensversicherungs-Gesellschaft;n Leipzig inibcstritten;» de» billigsten Gesellschaften gehört. Der Vermögensbestand betrug am 31. D-cember 1884 42,483,538 Ml., der außer '.den rcckmuiWmäßigen Reserven angcsammelt Lichcrheitssonds allein 8,68l,.»l Mark. Von dem Vermögen waren 31,099,789 Ml. m munde» mäßigen Hypotheken, der Rest in anderen Sicherheiten angelegl, sodaß die Gesellschaft im vergangenen Jahre gleichwie rn alle» früheren Jahren vor jedem Verlust ans ihren Geldanlagen verschont geblieven ist, __—

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