Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 37 (8.5.1884)
- Date
- 1884-05-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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r 621 Asic ii. Eine christliche Gesellschaft in England (Syrische kolonisatiönsgescllschast) hat im Jahre 1^82,, wie nusern Lesern bekannt, einer. 2luzahl russischer Israeliten eine Kolonie in Syrien gegründet, und als diese nicht rcüssirte, die Kolonisten auf der Insel Kypcrn untergebracht, woselbst dieselben, da das ihnen angewiesene Stück Land noch ungünstiger ist, gar nicht aufkommen konnten. Wiederholt wandten sic sich an Lord Shaftcrsbnry - den Präsidenten der genannten Gesellschaft, um Zuweisung eines andern Stück Landes, was ihnen aber laut Zuschrift des Lords verweigert wird. Die Kolonisten befinden sich in einem verzweifelten Zustande, und haben sich nunmehr an die Herren Joseph Massel und Abraham Goldstein in London mit der Bitte gewendet, ihnen die Mittel zu verschaffen, um in ihre Heimath zurückkehrcn zu können.! Dame, die auf Nr. 17 wohnt, laßt den Herrn von j Lissauer höflichst bitten, sie mit ihrem Besuche zu! beehren." „„Ich werde sofort erscheinen,"" sagte August. Kr schloß seinen Koffer und folgte dem Kellner I auf dem Fuße. Alsbald trat er in ein Zimmer, in welchem die Fenster dicht verhängt waren, so daß man die Gegenstände in demselben kaum unterscheiden konnte. Mit Mühe erkannte August eine alte Frau, deren Angen von einem grünen Schirme bedeckt waren. „Verzeihen Sie, Herr Lissauer," sagte diese, „daß ich Sic hierher bemüht have. Ich, oder vielmehr meine Begleiterin, las Ihren Namen im Frcmdeubnche, und da ich Ihrer Frau Mutter zu Dank verpflichtet bin, so wollte ich gern durch Sie ihr die herzlichsten Grüße senden. Nehmen Sie. gefälligst Platz. Mein Name ist Budwcis." „„Darf ich Sie bitten, 'gnädige Frau, mir zu sagen, wo Sie mit meiner Mutter znsammenkamen?"" V i iwanwinrwji ■ Fenill e 1 o n. Kur standhaft! Xl-I. August war in Wien angckommen und hatte im Hotel Metropole Absteigequartier genommen. Sein erster Besuch hätte der Familie Dormitzer gelten sollen, der ihn sein Stiefvater avisirt hatte. Allein er konnte sich nicht entschließen, diesen Besuch zu machen. Er streifte in Wien umher, besah all die vielen Merkwürdigkeiten der schönen Kaiserstadt, machte Besuche in verschiedenen Comptoiren, mit denen seine Firma in Verbindung stand; nur die Familie Dormitzer suchte er nicht auf. Von seilten Eltern empfing er Briefe auf Briefe, die ihn dazu mahnten. Täglich sagte er sich: Gehe doch hin, das Hingchen schadet ja nichts! — Daun aber stellte er sich vor, daß er durch seinen Besuch.Hoffnungen erregen würde, die er nicht 311 realisiren vermöchte. Endlich entschloß er sich, von Wien abznreiseu und der Familie Dormitzer die Mittheilung zn niachen, daß es ihm im Drange der Geschäfte nicht möglich gewesen wäre, dem Wunsche seiner Eltern nachzukommen und deren Freunde zu besuchen. Nachdem er diesen Brief geschrieben und dem Lohndiener zur Besorgung übergeben hatte, fühlte er sich von einer schweren Last befreit. Er ging nun daran, seinen Koger zu packen, als an die Thüre geklopft wurde und der Kellner cintrat. „Gnädiger Herr," sagte dieser, „eine ältere „In Ihrer Vaterstadt, in D. Ich habe dort eine traurige Zeit verlebt , und Ihre Frau Mutter war so liebenswürdig, mir tröstend und hilfreich zur Seite zn stehen. Meine Tochter hat dort gewohnt." „ „Ihre Tochter?" " „Ja, die Frau von Lowenheim." „ „Ah, Sie sind die Mutter der seligen Frau von Löwenheim? Da haben Sie freilich viel Trauriges erlebt. Ihre Tochter ist gestorben, Ihr Schwiegersohn ist dem Glauben seiner Väter untren geworden, und Ihre Enkelin wird wohl auch getauft sein."" „Meine Enkelin? Nein, die ist Jüdin geblieben. Aber erzählen Sie mir von Ihrer Frau Mutter. Ist es schon lange, daß sie sich Ihrer Nückkehr aus dem fernsten Osten erfreuen durste?" „„Ich bin früher zurückgekehrt, als bestimmt war. Eingetretene Umstände erforderten meine Anwesenheit in dem Geschäfte, dessen Bevollmächtigter ich war und dessen Theilhabcr ich jetzt bin."" „Das wird keine kleine Freude für Ihre Frau Mama gewesen sein! Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr Ihre Frau Mutter mein Herz gewonnen hat. Sie war mir in der trübsten Zeit meines Lebens gleich einer liebevollen Schwester. Aus Sie setzt sie alle ihre Hoffnungen. Haben Sie ihr schon eine «Schwiegertochter zugcsührt?" „„Nein gnädige Frau; es ist zwar der innigste Wunsch meiner Eltern, daß ich mich bald verhcirathe; allein ich kann mich nicht dazu entschließen." " „Das wundert mich, von Ihnen zu hören- Wie mir Ihre Frau Mutter erzählt hat, sind Sie gcsetzestreuer Jude." „„Lassen wir dieses Thema^, gnädige Frau! Gestatten Sie auch mir jetzt eine Frage. Sic sagten 1 .