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Der Israelit · 1884-05-08 · Heft 37 (8.5.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 37 (8.5.1884)
Date
1884-05-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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616 lich ist, was Alles das Herz des Vernünftigen zn erfassen vermag; er liebt cs, zu forschen nach dem Zustande seiner Menschheit; seine Vernunft kennt reine Grenzen, seine Begriffe sind erhaben und zahlreich; mannigfach sind die Gedankenwrmen des Gerechten, Gerechtigkeit liebt er: er weiht sein Inneres dem Heiligen Israels, und mit seinen Lippen ehrt er den Gott der Ehre; es gibt keine Weisheit, keinen Nathschluß und keine Erkenntniß, an denen er sich nicht weidete; wo ist ein irdisches Wesen außer diesem Vollkommenen, das ihm se unerkannt bliebe? Können wohl des Himmels weite Räume, kann wohl das weite Weltmeer das umfassen, was sein gedankenreiches Herz umfaßt? Können wohl des Windes Fittige den Geist der Weisheit bedecken, der, über Edens sanften Bächen schwebend, in ruhiger Betrachtung sich ergeht? Oder vermag des Erdballs.Kreis den unendlichen Gedanken zu umschließen, der in den engen Grenzen einer handbreiten Wohnung (im menschlichen Herzen) cingeschloffen ist? Siehe, dies ist des Menschen Antheil von seinem Schöpfer, dies Gottes Antheil an seiner Welt! Wie unter den himmlischen der allmächtige Gott, so ist unter den irdischen Wesen der Mensch, welcher der Gottheit zustrebt. Er forscht nach den ewigen Wahrheiten, die in der Gotteslehre niedergeschrreben, und sucht den großen Grundsätzen gemäß zu leben, die in ihr niedergelegt sind." Das Studium der Gottcslehre, die uns der Allgütige in Seiner Gnade verliehen, ist die höchste und bedeutendste Pflicht, welche der'Mensch sich selbst gegenüber zu üben hat. Um der Thora willen hat Gott die Welt erschaffen, wie es heißt: (Jeremias E. 33, V. 25): Also spricht der Ewige: „Wenn mein Bund (die Thora) nicht wäre, so hätte ich Tag und Nacht, die Gesetze von Himmel und Erde nicht eingerichtet." So lehren auch die Weisen (Sabbat 88 a.): Gott hat bei der Schöpfung den Bestand von Himmel und Erde an die Annahme der Thora durch Israel geknüpft; ferner (Sanhedrin 99 b.): Jeder, der sich in reiner Absicht mit dem Studium der Gotteslehre beschäftigt, ist gleichsam ein Gehilfe Gottes beim Schöpfungswerk. Die Thora ist die geistige Welt; sie lehrt die höchste Erkenntnis;; sie läßt tief cindringen in die Geheimnisse der Schöpfung: uns ist sie zu Theil geworden, und sie in uns aufzunchmcn, müssen wir als die wichtigste Aufgabe unseres Lebens betrachten. Die zweite große Klaffe von Pflichten ist die, welche wir unserem Gotte gegenüber zu üben haben; sie sind sämmtlich im Begriff Abodah, Gottesdienst, enthalten. Und so lehren auch unsere Weisen (am Ende des Tractats Kidduschin): Der Mensch ist nur erschaffen worden , um seinen! Gotte zu dienen. — Als der heilige Tempel noch stand, war der Dienst in ihm der sichtbare Ansdruck der Gottesverehrung, und daher lehren die Weisen (Thaanith 27b.), daß um seinetwillen das Weltall fei erschaffen worden (vergleiche auch Megilah 31a.). Seitdem der heilige Tempel zerstört ist worden, ist unsere Gebetordnung an die Stelle des Opserdienstes getreten. Der dritte große Kreis von Pflichten, der uns geworden, sind die Pflichten gegen unsere Mitmenschen. Am vollkommensten gelangen dieselben zum Ausdruck in der Uebung von Liebeswerken. ..Und Du sollst lieben Deinen Nebenmenschen^wie Dich selbst." Das ist nach talmndischer Auffüllung der allnmsasscnde Grundsatz der Gottcslehre. Wer seinen Nebenmenschen liebt, wird ihn nicht berauben, bestehlen» belügen, ' übervortheilen; er wird sein Leben und seine Gesundheit zn erhalten und nicht sie zu schädigen suchen. Es muß nüturgciuäß das Strengesichhalten an Recht und Gerechtigkeit der Uebung von Liebeswerken vor- . angehen. Nur unt der Liebe willen ist der Mensch, ist das Weltall erschaffen worden, wie es heißt r (Psalm 89. V. 3.) rus* ion Miy durch die Liebe wird das Weltall erbaut. Nicht im bloßen Almosengeben besteht das Ueben von Liebeswerken. Unsere Weisen lehren (Suckah 496.): In dreifacher Beziehung ist Gemiluth Ehasadim größer als Zedakah.. Almosen zu geben, bedarf es nur des Geldes. Werke der Liebe kann ich sowohl mit meinem Vermögen, wie mit meiner Person erweisen; Almosen kann ich Nür den Armen geben, mit Werken der Liebe kann ich auch dem Reichen oft große und wichtige Dienste leisten. Almosen sind nur für die Lebenden, Liebesdienste für die Lebenden wie für die Todten. — Als Gott» so erzählen die Weisen im Midrasch, über die Schöpfung der Menschen mit den Engeln Verathmrg hielt, da riethen der Enge! des Friedens und der Engel der Wahrheit von der Schöpfung des Menschen ab, aber der Engel der Liebe trat hin vor des Allmächtigen Thron und sprach: Erschaffe ihn, allgütiger Gott, denn er wird Werke der Liebe üben ans Erden. — Und Gott erschuf den Menschen, auf daß die Liebe durch ihn bethätigt werde. Im Talmud Jernschalmi Tractat Megillah E.. 3, Halachah 6, wird der Ausspruch Simons des Gerechten an das Wort des Propheten (Jesaias C. 51, B. 16) augelehnt. Dort heißt es: 9 D'Ottf yöA "piVDO »T rum -P22 O'WW rrmrr ’cy ivrär pst „Und Ich werde legen Meine Worte in deinen Mund — das ist die Thora; und mit dem Schatten Meiner Hand beschütze Ich dich — das ist das Ueben von Liebeswerken (die mit der Hand gethan werden), zn pflanzen die Himmel, um zn gründen die Erde — das ist der heilige Opferdienst (um

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