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Der Israelit · 1884-05-05 · Heft 36 (5.5.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 36 (5.5.1884)
Date
1884-05-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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■w £ ""VT" 605 mit dem Rothen Meere vermittelst eines durch Palästina zu ziehenden Canals, günstige Zusicherungen erhalten. Palästina.; Jerusalem 91m 6. März legte Herr Marcus N. Adler aus London, Sohn des Oberrabbiners Dr. Adler, welcher behufs Prüfung der gegenwärtigen Situation der jüdischen Colonien, Palästina bereiste, den Grundstein zu zwanzig Häusern, welche, auf. Kosten des Montefiore-Testimonial-Fonds in London, hier errichtet werden. Der Ceremonie wohnten die Oberrabbincr der beiden Hauptgemeindcn und die Spitzen verschiedener Institutionen bei. A m e r i k a. New-Nork. Die zahlreichen polnisch-russischen Juden dahier gehen mit dem ernsten Plane um, dahier ein orthodoxes Oberrabbinat zu errichten, unter besten Leitung die verschiedenen russischen Gemeinden in den Vereinigten Staaten sich stellen sollen. Man will dadurch den bekannten amerik. Reformhelden, die auf die Vernichtung der jüdischen Religion in Amerika hiuarbeiten, entgegentreten und namentlich auch bewirken, daß die russischen Juden nicht auch von den Netzen der Neologie umgarnt werden. Es wäre zu wünschen, daß der betreffende Rabbiner der englischen Sprache mächtig sei; denn nur dann wird seine Thätigkeit auf diesem Gebiete den entsprechenden Erfolg haben können. Arabien. Selten gelangen Nachrichten über die Lage der zahlreichen Juden in der arabischen Provinz Jemen zu uns. Neuerdings wird berichtet, daß allein in Sanaa. der Hauptstadt jener Provinz, 1500 jüd. Familien wohnen sollen, die sich in ihrer Gesichtsfarbe und in ihrer Kleidung gar nicht von den übrigen Einwohnern unterscheiden. Sie wohnen in einem besonder» Stadtviertel und haben 26 Synagogen. Jede zur Thora aufgerufene Person liest selbst den betreffenden Abschnitt vor und übersetzt ihn hernach ins Arabische. Meist sind diese Juden, welche Handel und verschiedene Handwerke betreiben, arm; drei Familien, die bei ihnen als reich gelten, sollen nicht über 5—6000 Frs. besitzen. Während die Juden in dieser Stadt friedlichen Charakters sind, sollen diejenigen der Städte EHaida und Saadek kriegerisch gestimmt sein. Feuilleton. * Aus dem Jeßen eines orthodoxen AaMners. Skizze von Dr. Sta. . . 2. Capitel. Eine Neberraschung. Zn mächtig, sinnverwirrend waren die wechselnden Empfindungen, welche sein Herz erfüllten. Er .sann und sann, ohne seine Gedanken von dem wundesten Punkt seines Lebens abwenden zu können. Wie er da sitzt, der Doetor Cervus mit seinen schneeweißen Haaren und trübem Gesichte, würde Niemand glauben, daß der Mann fein vierzigstes Lebensjahr noch nicht erreicht habe. „Oh," — jammerte jetzt Dr. Cervus laut, während er seine Hände auf sein Herz preßte. — „Wild tobt es, unverdrosten stürmt es fort und fort, es hämmert und pocht bis. die kalte Erde sich um mein vielgeprüftes Dasein schließt. Aber werden meine Lippen mit derselben Innigkeit, das Sch'ma aussprechen können, wie die meines Vaters? Ist meine Schuld noch nicht hinreichend gebüßt? Dulde ich nicht Todesqualen durch die Nacht und das Dunkel, die meine Augen während meines Lebens umhüllen? Oder sollten etwa die Paar Wassertropfen mir wirklich die Religion, meine» Trost, geraubt haben? Nein, nein, nimmermehr! So kann der gütige Gott nicht . strafen. Ich habe alle Gebote, soweit sie zu halten mir möglich waren, erfüllt; wenn ich in den Augen der Welt für einen Christen gelte, Du aber, Allmächtiger, weißt es, daß mein Herz nur für daS Judenlhum schlägt: ir>N « mirtfit " bin»’ yj»!" Er hatte diesen Satz noch nicht ganz vollendet, fühlte er eine Hand sich auf seine Schulter legen und eine freundliche Stimme überrascht fragen. „Ah! Herr Docter sind ebenfalls Israelit? — Pardon! Ich vergaß guten Abend zu wünschen! — Aber ich bin der That ganz überrascht aus dem Munde eines Katholiken den ersten und höchsten Grundsatz unserer Religion in hebräischer Sprache aussprechen zu hören! — Sie verzeihen doch? Aber sonderbar ist es dennoch! —" Einige Augenblicke senkte Dr. Cervus verlegen sein Haupt, dann fuhr er mit seinem Taschentuche über seine Stirne und trocknete die Schweißtropfen; dann versetzte er: „Guten Abend Herr Dr. Priester! — Sie ' haben cs gerathen! Ich bin als Israelit geboren und auch ein solcher bis auf heutigen Tag geblieben;

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