Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 36 (5.5.1884)
- Date
- 1884-05-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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604 Frankrei ch. j j Baris Bei den im vorigen Monate stattgej habtcn groben Bränden haben sich vier Israeliten! durch Unerschrockenheit ausgezeichnet und mit Lebensgefahr mehrere Menschen gerettet. Es sind dies die Herren Agent Mayer, Brigadier Wall, Veil und Moritz Oppenheim. England. London. In der Synagsge der Ehevra „Gemilnth Chasadim" fand in der ersten Pcsachnacht, kurz nachdem die Andächtigen das Gotteshaus verlassen hatten, eine Gasexplosion statt, die eine ziemlich große Verheerung im Innern des Gebäudes anrichtete; glücklicherweise blieben die nnw oed unversehrt. Liverpool. Die Frauen der hiesigen jüdischen Gemeinde haben schon bei mehreren Gelegenheiten von ihrer regen Thätigkeit für wohlthätige Zwecke Kunde gegeben. So Haber» sie vor zehn Jahren zu Gunsten des Synagogenfonds einen Bazar veranstaltet, ebenso im Jahre.1881 für den Schulfonds, und dabei großartige Resultate (4000 Lstr. bezw. 050 Lstr.) erzielt. Findend, daß der Lc-arck of Guardians (eine Art Armenverein) in. finanzieller Verlegenheit ist, haben sie beschlossen, auch diesem wohltbätigen Verein dadurch zu Hilfe zu kommen, daß sie in diesem Monat wiederum einen Bazar abhalten werden, durch den voraussichtlich wiederum eine beträchtliche Summe für die Zwecke des genannten Vereins erübrigt werden wird. RamSgate. Vor 14 Tagen wurde Sir Moses Montefiore nachträglich eine Beglnckwünschungsadrcsse zu seinem vor 7* Jahre stattgefundcnen 100. Geburtstage von den Juden in Neu- Südwales (Australien) durch Sir Saul Samuel persönlich überreicht, über die Montefiore feine große Freude bekundete. Bei dieser Gelegenheit theilte der edle Greis Sir Samuel mit, daß das von der Königin von England an seinem hebräischen Geburtstage an ihn gerichtete Gratulationstelegramm ihn besonders gerührt habe. Oxford. Seit der Errichtung des neuen Betloeals haben mehrere unserer Londoner Prediger Gelegenheit genommen, in demselben zu predigen. Wenn dieses lobenswerthe Unternehmen seitens der Herren Prediger von Zeit zu Zeit fortgesetzt wird, so hofft man mit Recht, daß das jüdische Leben in unserer Gemeinde immer reger werden und die Predigt einen wohlthätigen Einfluß narnentlich auf die jüdischen Studenten auszuüben im Stande sein werde. Rußland. Odessa, im Nissan. Vor einigen Wochen verstarb hier ein Mann, der es wohlverdient, daß auch in diesen geschätzten, über den ganzen Erdboden verbreiteten Blättern seiner rühmend Erwähnung gescheht. Rabbi Elusar Tulschinsky war ein in jeder Beziehung hervorragender Mann. Wiewohl an der Spitze eines sehr bedeutenden Handlungshauscs stehend, widmete er doch einen großen Thcil seiner Zeit dem Studium der heiligen Gotteslehre und den Werken der Menschenliebe und Wohlthätigkeit. Um seinen Verlust klagen Tausende, die von ihm Wohlthaten empfangen haben. Als vor drei Jahren die Judenverfolgung kn Rußland ausbrach, nahm er sich diese traurigen Ereignisse so zn Herzen, daß seine Gesundheit zu wanken begann und er sich nicht wieder zu erholen vermochte, bis er im Alter von 66 Jahren der Krankheit erlag. Kurz vor feinem Tode ordnete er an, daß bei feinem Leichenbegängnisse nicht die hier neuerdings eingeführten pomphaften Feierlichkeiten statthaben sollten, sondern daß man ihn in alter Weise begrabe, gerade so wie noch gegenwärtig die armen Leute zu Grabe getragen werden. Wiewohl nun keine schwarz gekleideten Reiter auf schwarz umhüllten Rossen neben der Leiche herritten, gestaltete sich doch der Trauerconduct zu einem äußerst imposanten. Tausende von Menschen aus Odessa und der Umgegend, Juden und Nkchtjuden, Reiche und Arme, Ehassidäer und Mißnagdim folgten trauernd der Bahre, und Allen sah man es an, wie tief sie den Tod dieses edlen Mannes beklagten. Söhne hat der Heimgegangene nicht hinterlasten; aber seine vier Tochter sind an Männer verhcirathet, die im Sinne und Geiste ihres verewigten Schwiegervaters leben und wirken. Während des Leichenbegängnisses wurden große Summen an die Armen vertheilt. Der Geringste erhielt 3 Rubel. Andere 50, Einzelne sogar 75 Rubel. In feinem Testamente vermachte der Verewigte 15,000 Rubel für die Armen seiner Vaterstadt Um an, 10,000 Rubel für die Armen des heiligen Landes, 8000 Rubel für die Armen von Odessa und 2000 Rubel für das Beth Hamidrasch, in dessen Synagoge er zu beten pflegte. SekneKinder haben das Legat für die Odeffacr jüdischen Armen auf 15,000 Rubel erhöht. Türkei. Konstantinopel. Der Herzog von Sutherland ails London hielt sich vor Kurzem dahier auf und hat, wie wir erfahren, in einer Audienz beim Sultan in Bezug ans das von ihm favorisirte Projcct einer Verbindung des Mittelländischen Meeres